Austria

Regierung zu Coronavirus: Kein Grund zur Panik, aber Symptome ernst nehmen

321 Testungen mit zwei positiven Fällen, ein italienisches Pärchen in einem Innsbrucker Hotel, das deshalb am Dienstagabend gesperrt werden musste. Diese Zwischenbilanz zum Stand der Corona-Infektionen in Österreich präsentierte Innenminister Karl Nehammer (VP) gestern vor dem Ministerrat (Stand 11.00 Uhr). 23 Personen, die sich "allesamt sehr kooperativ verhalten", befänden sich derzeit in Quarantäne, so der Minister, für den es "überhaupt keinen Grund zur Panik" gebe. Der Einsatzstab im Innenressort "tagt in Permanenz".

Wie schnell sich die Dinge derzeit ändern, zeigte die Entwicklung unmittelbar nach den Statements von Nehammer, Kanzler Sebastian Kurz (VP) und Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne). In zwei Fällen, für die man bereits Quarantäne-Maßnahmen in Aussicht gestellt hatte, gab es Entwarnung: Weder der Tod einer italienischen Urlauberin in Kärnten stand im Zusammenhang mit dem Coronavirus, noch wurde bei einer Lehrerin in einer Wiener AHS nach verdächtigen Symptomen die aus China kommende Infektion nachgewiesen.

Reisewarnungen einhalten

Kurz wandte sich mit Appellen an die Bevölkerung: Zunächst seien "Reisewarnungen keine Empfehlungen, sondern einzuhalten". Wer aus betroffenen Regionen wie akut Oberitalien komme und Symptome verspüre, müsse sich "selbst isolieren und unverzüglich die Hotline anrufen". Ganz generell solle man jeden Verdacht auf Symptome ernst nehmen, diesen nachgehen und im Zweifel etwa auf den Besuch von Großveranstaltungen verzichten.

Anders als in Italien, wo bereits Fußballspiele in leeren Stadien ausgetragen werden, sind in Österreich noch keine prophylaktischen Sperren geplant. Das gelte auch für Schulen oder Kindergärten. Man werde die Lage "von Fall zu Fall" beurteilen, sagte Kurz.

Anschober stellte unter Hinweis auf "internationale Experten" klar, dass man in einer entscheidenden Phase der Corona-Verbreitung stehe: "Die nächsten zwei bis drei Wochen entscheiden, ob aus einer regionalen Epidemie eine globale Pandemie wird." Der Gesundheitsminister sah aber auch einen Lichtblick: Zwar habe es zuletzt am Ausgangspunkt der Corona-Krise, in der chinesischen Provinz Hubei, 400 Neuerkrankungen gegeben, im gesamten restlichen China seien aber nur elf hinzugekommen. Das sei "ein erstes gutes Signal".

Die Regierung erwartet zwar Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie auf die heimische Wirtschaft (lesen Sie mehr darüber im OÖN-Wirtschaftsteil), ein Konjunkturpaket hält Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (VP) aktuell aber nicht für nötig. Sollte Kurzarbeit nötig sein, wäre der Bund dafür finanziell ausreichend gerüstet, ergänzte Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) nach dem Ministerrat. 

Erstmals mehr neue Corona-Fälle außerhalb Chinas
Unsicherheit am Flughafen Barcelona

Erstmals mehr neue Corona-Fälle außerhalb Chinas

Erstmals seit Ausbruch des neuartigen Coronavirus in China gibt es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr neu gemeldete Fälle außerhalb Chinas als in der Volksrepublik selbst. Am Dienstag wurden aus China 411 neue Infektionen gemeldet, außerhalb Chinas wurden am selben Tag 427 neue Fälle gemeldet, wie WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus berichtete. Das am stärksten betroffene Land außerhalb Chinas ist Südkorea. Das Virus hatte im Dezember in China seinen Ausgang genommen und breitet sich seither in immer mehr Länder aus. Derzeit sind weltweit rund 40 Länder betroffen.

In der Volksrepublik sind nach offiziellen Angaben mehr als 78.000 Menschen mit dem Virus infiziert, dort gibt es bisher mehr als 2700 Todesfälle. In Europa ist Italien am stärksten betroffen, dort infizierten sich nach Behördenangaben vom Mittwochabend bisher rund 400 Menschen, zwölf Menschen starben. Bei allen Todesopfern in Italien handelt es sich demnach um ältere Menschen mit Vorerkrankungen.

EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides rief am Mittwoch alle Mitgliedsländer dazu auf, ihre Pandemiepläne zu überarbeiten. Derzeit gehe es darum, eine große Ausbreitung des Virus zu verhindern: „Die EU ist noch in der Eindämmungsphase.“ Der deutsche Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sah Deutschland „am Beginn einer Coronavirus-Epidemie“. Er habe die Gesundheitsminister der Länder aufgefordert, „ein mögliches Inkrafttreten ihrer Pandemiepläne vorzubereiten“. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Epidemie an Deutschland vorbeigeht, werde sich nicht ergeben.

Unterdessen meldeten gestern mehrere Länder erste bestätigte Fälle. Mit einem betroffenen 61-Jährigen in Brasilien wurde das Virus nun auch in Südamerika gefunden. Der Mann war nach einer Italien-Reise positiv getestet worden. In Frankreich starben gestern zwei Menschen: ein Tourist aus Hongkong und ein 60-jähriger Franzose.

Das wegen Coronavirus-Fällen unter Quarantäne gestellte Hotel auf Teneriffa ist weiterhin durch die Polizei abgeriegelt. Unter den Gästen sind auch vier Österreicher. Auslöser der Isolierung war ein positiver Test auf den Covid-19-Erreger bei einem Touristen aus Norditalien. Neben seiner Frau wurden zwei weitere Italiener aus seiner Reisegruppe positiv getestet, wie die Behörden mitteilten.

Die Zahl der gemeldeten Covid-19-Opfer im Iran ist von 15 auf 19 gestiegen. Das gab das Gesundheitsministerium bekannt. Binnen 24 Stunden seien weitere 135 Menschen – 40 mehr als tags zuvor – positiv auf das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 getestet worden