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Austria

Türkis-Grün: Liebesbekundungen und üppige Gaben für die katholische Kirche

Für die katholische Kirche gibt es mit dem Regierungsprogramm eine verspätete, dafür aber üppige Weihnachtsbescherung.

Nun liegen die Kirchenaustrittsstatistiken für das vergangene Jahr vor. Und wieder zeigt sich, dass die österreichische Nach-wie-vor-Staatskirche geschrumpft ist. Nicht politisch, sondern nur bezogen auf die Anzahl derer, die sich ihr verbunden fühlen – noch nicht ausgetretene Taufscheinkatholiken mitgezählt. Während jede Partei oder NGO sich über solch einen Mitgliederschwund Sorgen machen würde, kann sich die Katholische Bischofskonferenz aber ungetrübt über Machterhalt sowie -ausbau freuen, denn die politischen Naturgesetze, die für sie gelten, sind nicht von dieser Welt.
Am Anfang war bekanntlich das Wort, und auch heutzutage gelten für die Kirche gut besuchte Messen oder wachsende Kirchengemeinden viel weniger als Erfolgsnachweise, als das Geschriebene – sei es im Gesetz oder in seiner poetischen Vorstufe, dem Regierungsprogramm. Und dieses neue türkis-grüne Meisterwerk verkörpert eine zwar verspätete, dafür aber üppige Weihnachtsbescherung für die katholische Kirche, die ja ohnehin schon reichlich – und mehr als andere Religionsgemeinschaften – privilegiert ist.

Man könnte jetzt die kleinen, zarten Liebesbekundungen nennen, wie beispielsweise die Behauptung, wonach Österreich, ausgerechnet jetzt, wo der Anteil der Katholiken noch nie so klein war, ein „christlich geprägtes“ Land sei. Und dass die Republik sich beim (beabsichtigten) „internationalen Beitrag im Kampf gegen die Verfolgung religiöser Minderheiten“ insbesondere auf Christen konzentrieren soll zeigt, welche Menschen aus türkis-grüner Sicht mehr wert sind als andere. Den größten Terrain-Zugewinn wird die katholische Kirche aber verbuchen können, sobald die Einführung eines Ethikunterrichts ausschließlich für Religionsverweigerer, wie erneut im Koalitionsabkommen festgelegt, endlich Realität wird.

Zur Erinnerung: Bereits Anfang der 1970er wurde in Deutschland auf Geheiß der Kirche mit der Einführung eines „Strafethikunterrichts“ für Religionsverweigerer begonnen. Eine gleiche Forderung der Österreichischen Bischofskonferenz wurde im Jahr 2009 verlautbart. Gerne wurde aber hüben wie drüben übersehen, dass die staatlich finanzierte Belangsendung der Kirche in öffentlich-rechtlichen Schulen ein historisch gewachsenes Privileg darstellt. Die atemberaubende Selbstverständlichkeit, mit der die katholische Kirche ihr eigenes Privileg missbraucht, um darauf basierende neue Forderungen, die ausschließlich Konfessionsfreie und Religionsverweigerer treffen werden, an die Republik zu richten, wird nur noch von der Selbstverständlichkeit, mit der die Politik diese Forderung umsetzen wird, übertroffen.

De-facto-Wahlpflichtfach

Es kommt aber schlimmer. Die Einführung eines Ethikunterrichtes nach kirchlichen Vorstellungen wird den Religionsunterricht von einem De-facto-Freifach zu einem De-facto-Wahlpflichtfach aufwerten. Die konfessionelle Segregation in Österreichs Schulen gerade dann, wenn über Gott und die Welt gesprochen wird, wird somit gesetzlich verankert und der wichtige integrative Beitrag eines gemeinsamen Ethikunterrichts ausgeschlossen werden.
Hier hat aber die Regierung vorgesorgt: Fortan soll der Religionsunterricht im Dienst der Republik stehen und die Integration fördern. Ferner soll gezielt in den islamischen Religionsunterricht eingegriffen werden, da, immerhin, jeder sich infolge des kirchlichen Modells (im Umkehrschluss) dem Besuch eines Ethikunterrichts entziehen könnte, wenn er den islamischen Religionsunterricht besucht. Diese Optik kann sich die ehemalige Koalitionspartnerin der Daham-statt-Islam-Partei aber nicht leisten, und sie gehört zumindest verschleiert. Da kommt auch ein Kopftuchverbot gelegen.

Mag. Eytan Reif ist Vorstandsmitglied der Initiative Religion ist Privatsache, Sprecher des Volksbegehrens „Ethik für ALLE“.

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