Austria

Voller Virtuosität in stoischer Ruhe

Andreas Eggertsberger galt international lange als Wunderkind, ehe es ruhig um ihn wurde. Diese Stille hatte ihm die in Musikerkreisen gefürchtete Krankheit namens fokale Dystonie aufgezwungen. Jetzt, nach gut acht Jahren, ist der 40-Jährige geheilt, seine neue CD "Dystonia" wurde in der Fachwelt als Meilenstein des "neuen" Eggertsberger bejubelt.

Am Freitagabend trat der Pianist in der Pfarrkirche seiner Heimatstadt Ansfelden auf Einladung des Brucknerbundes auf. Es wurde ein besonderes Konzert. Weil Andreas Eggertsberger sich offenbar wirklich frei spielen konnte von seiner Krankheit, die ein unwillkürliches Wegstrecken von Fingern zur Folge hat. Weil es ihm nur aufs Spiel ankommt, auf das, was ihm der Komponist zu sagen hat. Einzig die Wahrhaftigkeit der Noten zählt.

Andreas Eggertsberger ist kein Showman, kein Entertainer, kein Verkäufer seiner Kunst in dem Sinn, dass er sie mit ausfallender Gestik und Mimik zu verstärken versucht. Ihm zuzuhören ist genauso schön, so spektakulär und erfüllend, wenn man es mit geschlossenen Augen tut.

Fast stoisch ruhig im Habitus fliegen im Gegensatz dazu seine Finger über die Klaviatur, wenn er Ludwig van Beethovens Sonate in d-moll – "Der Sturm" – freien Lauf lässt. Seine wahre Meisterschaft offenbart Eggertsberger im zweiten Teil, für den er Franz Schuberts gewaltige Sonate in B-Dur ausgewählt hat. Schubert hat diese Sonate rund zwei Monate vor seinem Tod fertiggestellt und noch einmal seine ganze Schaffenskraft mobilisiert. Andreas Eggertsberger wurde dieser rund 40-minütigen Herausforderung bis zum letzten Ton vollauf gerecht.

Negativ anzumerken ist bei diesem musikalisch makellosen Abend das irritierende Verhalten eines Fotografen und Kameramanns, der Eggertsberger während des Spielens ungeniert mit Blitzlicht und Scheinwerfern malträtiert hat.

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