Austria

Weniger Einnahmen, üppige Rücklagen: Coronakrise trifft AK nur am Rande

Das Budget der Arbeiterkammer Oberösterreich kannte in den vergangenen Jahren nur eine Richtung: nach oben. Die gute Konjunktur und steigende Beschäftigtenzahlen trieben die Einnahmen der Interessenvertretung seit 2010 von 65,5 auf fast 100 Millionen Euro. Heuer wird sich das wegen Corona ändern – auch wenn die Krise die AK nur streift und die Erträge auf hohem Niveau bleiben.

"Wenn wir vom positivsten Szenario ausgehen, werden wir heuer zehn Millionen Euro weniger Umlagen haben. Eher ist mit einem Ausfall von 15 Millionen Euro zu rechnen", sagt der scheidende AK-Direktor Josef Moser den OÖN.

Beim Budgetvoranschlag im November war die AK noch von 99,1 Millionen Euro an Erträgen für das heurige Jahr ausgegangen. Beim Rechnungsabschluss aus dem Vorjahr, den die Vollversammlung gestern in Linz einstimmig genehmigt hat, betrugen die Einnahmen aus der Kammerumlage 91,1 Millionen Euro.

Die 110 Kammerräte und das Präsidium blieben bei der Vollversammlung übrigens unter sich. Ein angekündigter Livestream wurde wieder zurückgezogen.

Das Rücklagenpolster der AK ist weiterhin üppig. Der Überschuss, der in die Rücklagen floss, lag im Vorjahr bei 26,1 Millionen Euro. Dieses Polster komme der AK nun zugute, um Ausfälle abzufedern, sagt Moser.

Seit Februar sind die Kammerumlagen – die Beiträge der Pflichtmitglieder – rückläufig. Diese muss jedes Mitglied in Form von 0,5 Prozent seines Bruttolohns leisten. Im Mittelwert sind das 7,64 Euro im Monat.

Im Februar nahm die AK drei Prozent weniger ein, im März 26, im April 14 Prozent. Dies liege an mehr Arbeitslosen und Stundungen wegen Kurzarbeit, so Moser. Trotz Corona hält die AK an ihren Investitionsplänen fest. Bis 2030 sollen 50 Millionen Euro in die Erneuerung der Bezirksstellen fließen. Zeitliche Verschiebungen seien nicht ausgeschlossen, sagt Moser. Die Zahl der Mitarbeiter blieb zuletzt konstant bei 459, die Zahl der Mitglieder stieg leicht auf 674.000. Moser verweist darauf, dass die AK im Vorjahr rund 118 Millionen Euro für Mitglieder erkämpft habe. Zwei Millionen Euro stünden heuer für digitale Projekte in einem Zukunftsfonds bereit.

"Zu wenig gezielte Hilfspakete"

AK-Präsident Johann Kalliauer warf bei der Vollversammlung Bund und Land vor, "zu viel angekündigt und zu wenig gezielte Hilfspakete" geschnürt zu haben. Auf die Interessen der Arbeitnehmer sei vergessen worden, obwohl "ohne sie im Land gar nichts funktioniert", sagte Kalliauer.

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