Austria

Wie sich Innsbruck zur wichtigen Bike-City etabliert

Das Gesicht der Rennrad-Weltmeisterschaft, die vom 22. bis 30. September in Innsbruck steigt, kommt aus dem Kinderfernsehen: Die Verantwortlichen haben „Helmi“ von der Mattscheibe geholt und in ein rot-weißes Tirol-Trikot gesteckt. Gleichwohl werden sich die österreichischen Fans mehr auf ihr Idol Stefan Denifl als auf das plüschige Maskottchen freuen.

Aber so eine WM ist ja in erster Linie dazu da, sich der Welt als strahlendes Beispiel zu präsentieren. Und „Helmi“ strahlt wirklich hübsch. Er passt damit perfekt zu Innsbruck, das sich mit der WM endlich auch als Top-Destination für Radfahrer präsentieren will. Schließlich ist die Lage der Stadt auch für Straßenradler perfekt, weil ringsum steile Anstiege und hohe Pässe warten.

Im Frühjahr, wenn hoch droben noch Schnee liegt, nutzen diese sportlichen Gäste das flache Inntal, um sich in Form zu bringen. Längst passt auch die Infrastruktur mit Radhotels mitten in der City und einer großen Auswahl an Fachgeschäften.

Bei Mountainbikern hat Innsbruck dank eines ausgefeilten Konzepts schon seit einiger Zeit einen guten Namen. Den Beginn des Bike-Booms haben sie in Tirols Hauptstadt zuerst verschlafen. Singletrail-Ausbau und Mountainbikeparks haben andere Tourismusorte, auch in unmittelbarer Umgebung, bereits vor Jahren initiiert und forciert. Aber in Innsbruck mit seinen knapp 30.000 Studenten und entsprechend vielen einheimischen Radsportlern, ist der Druck in den vergangenen Jahren sehr groß geworden.

Moderne Mountainbiker begnügen sich ja nicht mehr damit, auf breiten Wegen den Berg hinab zu sausen. Sie suchen anspruchsvolle Abfahrten und schaffen sich deswegen illegale Strecken an den Hängen Innsbrucks. Das sehen nicht nur Naturschützer und Landbesitzer kritisch. Aber statt die Radfahrer am Berg zu verteufeln, gibt es nun außergewöhnliche Allianzen mit den Bikern. Behörden, Landwirte und Grüne ziehen immer öfter an einem Strang, um Trails auszuschildern. Motto: Lieber ein offizielles Terrain abstecken, als immer wieder illegale Spots sperren zu müssen.

Es lässt sich auch ein Gentlemen-Agreement zugunsten der Naturschützer beobachten, denn unberührte Berge, an denen es noch keine Liftmasten, Kletterparks oder Kinderwagen-Wanderwege gibt, sollen im Gegenzug unberührt bleiben. Das hängt aber auch damit zusammen, dass der Mountainbiker von heute mit dem Lift auf den Berg fährt und seine Energie lieber in schwierige Abfahrten, Tricks und Manöver investiert.

Trifft sich gut, denn mit sommerlichen Zweirad-Gästen können Liftbetreiber das schwächelnde Wintergeschäft ein wenig auffangen. Und so beobachtet man ein weiteres Phänomen: Weil die Ansprüche der Sommer-Touristen immer unterschiedlicher werden, wird der Berg in viele Sektionen aufgeteilt. Jeder erhält seine eigene Spielwiese, schön zu beobachten auf der Muttereralm in Sichtweite zu Innsbruck: In einem Wäldchen versteckt sich ein Kletterpark, dann gibt es eine Übungsstation für bikende Kinder.

Die Wege von Mountainbikern und Wanderern kreuzen sich nur noch selten, weil jeder seine eigenen Routen hat. Selbst weiter unten, wo ein Zusammentreffen unausweichlich ist, fahren die Radler auf einer gesonderten, tiefer gelegten Spur neben den Wanderern, auf der auch noch Platz für die Nutzer von abwärtsrollenden Funsport-Geräten ist.

Die Mountainbiker sind gerade dabei, die Wanderer zu überholen – nicht nur auf dem Weg. Was früher undenkbar war, ist immer häufiger zu beobachten: Strecken am Berg, die ausschließlich Radfahrern vorbehalten sind. Hinweisschilder erklären, wo Schluss ist für Fußgänger. Viele Wanderer empfinden das als verkehrte Welt, schließlich galt jahrzehntelang das Prinzip am Berg, dass ihr Terrain zu respektieren und zu schützen ist – und nicht umgekehrt.

Weil sich so viel bewegt, hat sich Innsbruck, dem es angesichts bestehender Slogans wie „Hauptstadt der Alpen“ ohnehin nicht an Selbstbewusstsein mangelt, gleich noch das Label „Bikecity“ verpasst. Aber das ist kein leeres Versprechen, die Bemühungen werden als vorbildhaft im Alpenraum betrachtet. Es fließen viel Arbeit, Zeit, Energie und vor allem Geld in die Projekte. Die Verkehrsinfrastruktur wird weiter verbessert, Radfahrer gelangen per Tram und Bus von der Stadt zum Bikepark. Zwischen der Nordkettenbahn und dem Patscherkofel verkehrt ein Bus für Wanderer und Radfahrer. Es gibt Kooperationen mit umliegenden Bikeparks im Stubaital und in Steinach am Brenner und eine gemeinsame Bikecard, mit der man alle Lifte benutzen kann.

„Helmi“ wird sie nicht brauchen. Er ist da, um den Kindern zu zeigen, wie wichtig ein Kopfschutz ist. Darüber hinaus muss er strahlen und gut aussehen. Und das würde er weder im Mountainbike- noch im Rennradsattel hinkriegen. Sein Kopf ist schlichtweg zu groß, sein Körper zu unförmig, um eine richtig gute Figur auf zwei Rädern abzugeben.

Anreise Railjet von Wien nach Innsbruck (fährt stündlich). Mit dem Auto: Auf der A1 über Salzburg und das deutsche Eck (A93) nach Innsbruck. Flüge mit Austrian.  

Unterkunft Das Adlers: Hochhaus-Hotel für Biker mitten in Innsbruck. DZ ab 135€/Nacht. www.adlers-innsbruck.com
- Hotel Seppl  (Mutters): erstes Bikehotel der Region.  DZ ab 146 €/Nacht. www.hotel-seppl.at
- Stage 12: neues Haus nahe der Altstadt, Fitness und Wellness. DZ ab etwa 100 €/Nacht. www.stage12.at

Biken Bikepark Innsbruck (Mutters) 5 Trails, Pumptrack, Beginners-Park www.bikepark-innsbruck.com
- Trailgebiet Nordkette (Innsbruck) 3 Trails, darunter der Nordketten-Trail (1030 Hm; 4,25 km). www.nordkette.com

Bike City Card Liftkarte, die in aktuell vier Bikeparks in und um Innsbruck gilt. Ein fünfter Park auf der Axamer Lizum soll folgen. Tageskarte: 36 €. 5 Tage: 144 €. www.bikecity-innsbruck.com

Rennrad-WM www.innsbruck-tirol2018.com, Tel. 0512/327707

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