Austria

Zur neuen Staatssekretärin: Warum eine Beamtin gut für die Kultur ist [premium]

Solidität, Loyalität: Gerade in einer außerordentlichen Krise können die Qualitäten eines gern unterschätzten Standes nützen.

Über österreichische Beamte ist in den letzten Jahrzehnten viel, zu viel gespöttelt oder gar geschimpft worden. Gerade auch von Intellektuellen, mit wenigen Ausnahmen, Jörg Mauthe fällt einem da etwa ein, der in seinem Roman „Die große Hitze“ immerhin einem Legationsrat die Errettung Österreichs zugeschrieben hat. Es wäre übertrieben, der Beamtenregierung, die von Juni 2019 bis Jänner 2020 gewaltet hat, eine Errettung der Republik zu attestieren, aber sie hat doch dazu beigetragen, uns positive Werte des Beamtentums wieder bewusst zu machen. Als da wären: Solidität, Sachlichkeit, Zuverlässigkeit, Loyalität, Unbestechlichkeit und, ja, auch Unparteilichkeit.

Genau solche Eigenschaften werden der neuen Staatssekretärin Andrea Mayer attestiert, und zwar auffälligerweise von Menschen aller politischer Farben. (Nur von blauer Seite ist bisher kein Lob gekommen, von dieser hat man aber schon länger nichts Konstruktives zur Kultur gehört.) Dieses Bouquet von Eigenschaften, ergänzt durch eine Portion Empathie und Bereitschaft zum Zuhören, mag fantasiearm und unoriginell anmuten, aber vielleicht ist gerade das von Vorteil im Umgang mit einer Klientel, die sich dadurch auszeichnet, dass sie nicht bereit ist, ihre Fantasie zu zügeln, einem allgemeinen Interesse unterzuordnen. Dass sie kompromisslos ist.

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