Switzerland

Bettina Oberli eröffnet mit «Wanda» das Zurich Film Festival: Wo Frauen was zu sagen haben

Sie muss nicht laut reden, um gehört zu werden: Bettina Oberli (47) spricht in melodiösem Berndeutsch. Wir treffen die Regisseurin am Brienzersee, in der Gegend, aus der sie ursprünglich herkommt. Ihre Geschichten erzählt sie auf der grossen Leinwand. Mit «Die Herbstzeitlosen» hat sie im Jahr 2006 Kinogeschichte geschrieben, seither gehört der Streifen um vier ältere Damen im Emmental dauerhaft zu den beliebtesten Schweizer Filmen, und zwar weit über die Landesgrenzen hinaus – bis heute zeigt Hollywood Interesse an einem Remake.

Jetzt eröffnet Oberlis jüngstes Werk «Wanda, mein Wunder» am 24. September das Zurich Film Festival. «Es ist enorm wichtig für unsere Branche, dass solche Anlässe wieder stattfinden dürfen, damit wir uns mit dem Publikum austauschen können – natürlich unter strikten Sicherheitsvorkehrungen.» Die Tragikomödie dreht sich um eine wohlhabende Familie, die für den betagten Vater Josef eine Betreuerin aus Polen einstellt. Wanda kümmert sich liebevoll um ihn. Und wenn Josef ihr eine grosse Geldnote zusteckt, wird aus der Intimwäsche kurzer, unsentimentaler Sex.

Freunde kann man sich aussuchen, die Familie nicht

«In der Schweiz werden pflegebedürftige Menschen zunehmend in den eigenen vier Wänden betreut, möglich ist dies dank günstigen Arbeitskräften aus Osteuropa. Das lädt zur Ausbeutung ein», erklärt Oberli. Ein ernsthaftes Thema, das die Regisseurin dennoch mit Humor angeht: «Das Komische und Absurde darf Platz haben. Und ich will weder moralisieren, noch Wanda zum Opfer machen.»

Im Zentrum steht dabei wie so oft bei der Filmemacherin die Familie. «Freunde kann man sich aussuchen, die Familie nicht. Wo und unter welchen Bedingungen man zur Welt kommt, da kann ja keiner was dafür.» Wie man sich in diesem Mikrokosmos von zufällig zusammengewürfelter Genetik zurechtfindet, genau das interessiert sie: «In dieser Auseinandersetzung findet sich jeder mit seinen eigenen Erfahrungen wieder.»

Von Samoa nach Meiringen

Der Ansporn, Geschichten zu erzählen, die diesen Mikrokosmos in einen grösseren Zusammenhang bringen, steckte schon früh in Oberli. Bereits als Kind war ihr bewusst, dass «die Welt gross ist». Bis zum Kindergarten lebte sie mit ihrer Familie auf Samoa, einer Inselgruppe in Polynesien. Der Vater war Arzt, beide Eltern arbeiteten in der Entwicklungshilfe. Als sie in die Schule kam, gings zurück ins Berner Oberland. Im Haus in Meiringen gingen Freunde aus der ganzen Welt ein und aus: «Ich bin mit dem Bewusstsein aufgewachsen, neugierig und offen zu sein.» Schon immer drückte sie sich kreativ aus, sei es mit Musikmachen, Schreiben oder Theaterspielen.

Warum sie nicht Schauspielerin geworden ist? «Weil man als Regisseurin etwas zu sagen hat», so die prompte, lachende Antwort. Noch immer sitzen wenige Frauen im Regie-Sessel. «In den Filmschulen sind zur Hälfte Frauen. Die Schwierigkeiten kommen nachher, wenn es darum geht, sich durchzusetzen. Und manche zögern, weil sie glauben, zwischen Kindern und Karriere entscheiden zu müssen.» Die Filmemacherin hat beides, weil sie die Unterstützung aus ihrem Umfeld und keine Scheu hat, sich zu behaupten: «Man braucht einen starken Willen, muss sich positionieren, darf keine Angst haben, Entscheidungen zu treffen und auch mal ein Risiko einzugehen.»

Den zwei starken Grossmüttern sei Dank

Bestärkt haben sie darin womöglich ihre beiden Grossmütter: «Zwei unterschiedliche, aber beide sehr starke und originelle Frauen. Die haben mir sicher so einiges mit auf den Weg gegeben.» Mit ein Grund, dass Frauen, oft auch ältere, in ihren Filmen eine wichtige Rolle spielen. «Ich habe Respekt vor dieser Lebensleistung, die ältere Menschen mitbringen. Und mir macht das Älterwerden auch keine Angst.»

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