Switzerland

Das Wallis ärgert sich über die «realitätsfernen» Städter

Nirgends in der Schweiz ist der Wolf so umstritten wie im Wallis. Der Kanton hat das Jagdgesetz entsprechend mit einem der höchsten Ja-Anteile angenommen. Genützt hat es nichts.

Die Jäger standen mehrheitlich hinter dem neuen Jagdgesetz.

Die Jäger standen mehrheitlich hinter dem neuen Jagdgesetz.

Simon Tanner / NZZ

Als der Bundesrat den Urnengang über das Jagdgesetz auf den Herbst verschoben hat, musste manch Walliser Jäger schmunzeln. Denn der 27. September liegt inmitten des kleinen Zeitfensters für die Hochjagd – für viele Weidmänner die schönsten zwei Wochen des Jahres. Der Sonntag aber war nicht nur Abstimmungstag, er ist auch ein Schontag fürs Wild. So sind viele Jäger, die sonst während der Jagdzeit in Alphütten übernachten, aus den Bergen zurückgekehrt und mussten im angestammten Umfeld miterleben, wie ihnen an diesem denkwürdigen Sonntag je länger, je mehr die Felle davonschwammen.

Der Ärger, er ist beträchtlich im Wallis. Mit wuchtigen 68,6 Prozent hat die Bevölkerung das neue Jagdgesetz angenommen. Nur gerade die beiden Kleinkantone Uri und Appenzell Innerrhoden wiesen noch leicht höhere Ja-Anteile auf. Genützt hat es nichts, die gesamtschweizerische Bevölkerung hat die Vorlage abgelehnt. Das Wallis, dieser rebellische Alpenkanton, in dem der Wolf so umstritten ist wie in der Schweiz sonst nirgends, fühlt sich von den städtischen Gegenden im Stich gelassen – einmal mehr.

«Zu romantische Vorstellung»

«Man muss schon sagen, die Städter haben oftmals eine zu romantische Vorstellung vom Wallis und allgemein vom Alpenraum», sagt Philipp Gebel, während er mit seiner Jagdgruppe einen Kaffee trinkt und das Abstimmungsergebnis analysiert. Wie auch die anderen Gebirgskantone sei das Wallis nicht einfach ein grosser Naturpark, sondern müsse sein Kulturland schützen können. Dazu gehöre auch eine effizientere Regulierung des Wolfes. Zudem ging mit dem Nein eine Vielzahl von Elementen – etwa in Bezug auf Wildtierkorridore oder die zusätzlichen Pflichten für Jäger – verloren, die unbestritten waren.

Das Bild, dass der Wolf im Wallis grundsätzlich unerwünscht sei, sei schlicht falsch. «Wir Jäger haben uns immer für eine intakte Artenvielfalt eingesetzt», sagt Klaus Walpen, Vorstandsmitglied von Jagd Schweiz. Das neue Jagdgesetz wäre ein Bekenntnis zum Wolf gewesen und hätte dessen Akzeptanz – dank dem «verbesserten Schutz» vor dem Raubtier – in den Alpenregionen verstärkt, so Walpen.

So aber zeige sich erneut, dass diejenigen Kantone zuweilen auch bei Themen das Sagen hätten, bei denen sie von der Realität des Terrains (zu) weit entfernt seien, ist sich die Jagdgruppe einig. Die Gegner hätten in ihrer üppig dotierten Nein-Kampagne mit Bildern hantiert, die emotional verfangen, mit der Realität aber wenig zu tun gehabt hätten – etwa mit Sujets von putzigen Luchsen, die weiterhin geschützt geblieben wären. «Wir müssen zugeben, ihr Marketing war besser», sagt Daniel Kalbermatter, Präsident des Walliser Jägerverbandes. Selber habe man bewusst auf eine Emotionalisierung der Kampagne verzichtet und mit Fakten überzeugen wollen.

Kann man der Regierung trauen?

Einer der entscheidenden Gründe für das Nein dürfte ein gewisses Misstrauen in die kantonalen Behörden gewesen sein. Würden Sie mit den zusätzlichen Kompetenzen verantwortungsvoll umgehen? Die Walliser Regierung stand dabei besonders im Fokus – nicht zuletzt, weil sie die Volksinitiative «Für einen Kanton Wallis ohne Grossraubtiere» zur Annahme empfiehlt. Hinzu kommt, dass die Geschäftsprüfungskommission des Walliser Grossrats – im Zusammenhang mit illegalen Chalet-Bauten in Verbier – erst diese Woche harsche Kritik am Staatsrat übte. Kurz: Das Vertrauen in die Behörden war schon grösser.

Der zuständige Staatsrat Jacques Melly betont, dass ein Ja zur Grossraubtier-Initiative den Umgang mit dem Wolf kaum verändern würde und der Spielraum des Kantons aufgrund der Bundesgesetzgebung ohnehin stark eingeschränkt sei. Er bedauere, dass die Gegner des Jagdgesetzes die Themen vermischt hätten. Zudem zeige das überdeutliche Ja zum Jagdgesetz, dass im Wallis selbst das Vertrauen der Bürger mehr als intakt sei.

Abgeschlachtete Schafe

Auch Melly kann seinen Unmut gegenüber der städtischen Bevölkerung, der «gewisse Realitäten der Alpen unbekannt» sei, nicht verbergen. Er habe mit eigenen Augen Dutzende Schafe gesehen, die vom Wolf regelrecht abgeschlachtet worden seien. «Das ist grausam. Wir müssen eine Antwort darauf finden», so Melly. Herdenschutzhunde oder Zäune seien nicht überall anwendbar.

Es gelte nun, schnellstmöglich ein neues Gesetz auf die Beine zu stellen, das auch den Umgang mit dem Wolf regle. «Das Problem ist da und muss gelöst werden», sagt Melly. Geschehe dies nicht bald, sei ein (weiterer) Rückgang der Alpwirtschaft unausweichlich. Damit ginge nicht nur eine jahrhundertealte Tradition verloren, sondern auch ein wichtiges Standbein der Walliser Landwirtschaft und des Tourismus.

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