Switzerland

Der Vers zur Woche: Badespass, und zwar subito!

Urs Bühlers «Gereimtheiten» sind Woche für Woche dem aktuellen Geschehen und den saisonalen Stimmungslagen in Stadt und Region Zürich gewidmet. Jeden Samstag erscheint hier ein neuer Vers.

Illustration: Philipp Meier

28. November – Badespass, und zwar subito!

Wir meiden heute See und Fluss –
es ist zu kalt zum Schwimmen,
doch nicht zum Urnengang: Es muss
der brave Schweizer stimmen,
der brave Zürcher auch.

Und worum geht's beim Plebiszit?
Zum Beispiel: Gratisbaden!
Leicht antizyklisch, wie man sieht,
man spürt an den Gestaden
schon winterlichen Hauch.

Im Juni fordert man gewiss
Laubbläsersubventionen,
im Juli aber dann mit Schmiss
Skiplausch für Millionen –
und subito, Frau Mauch!

21. November – Der grösste Übeltäter

Zürich ist ein bisschen eitel:
Von der Sohle bis zum Scheitel
putzt die Stadt sich gern heraus.
Müll und Schmutz sind ihr ein Graus.
Ach, sie will halt glänzen.

Strassen fegt man blank nach Festen,
Gelder wäscht man, weisst die Westen.
Bei Verdacht auf Sprayerei
ruft man gleich die Polizei,
setzt dem Schmierfink Grenzen.

Doch der schlimmste Übeltäter
ist der Herbst. Und zwar verrät er
ziemlich wenig Sachverstand –
streut sein Laub mit loser Hand,
statt nach Kunst zu streben.

Und so hört man Bläser dröhnen,
Besen zischen, Nachbarn stöhnen:
Täglich grüsst der Sisyphus,
da man täglich putzen muss.
Muss man wirklich? - Eben.

14. November – Kein Wort davon . . .

Kein Wort von diesem Thema, nein!,
heut' soll es uns verschonen.
Es sprechen doch tagaus, tagein
davon schon Millionen.

Der Vers hier, er bleibt unverseucht,
das will ich garantieren.
Schon der Gedanke wird verscheucht
an diese blöden . . . Viren.

Verflixt, jetzt ist es doch passiert,
es lässt sich nicht verwischen:
Wann immer man zur Zeit parliert,
drängt Covid sich dazwischen!

7. November – Tigermücke, adieu

Ganz Zürich schaut nach Übersee,
wo Trump und Biden ringen.
Den Sieger feiert man in spe,
dabei gäb’s vor der Tür, juhee!,
’nen Durchbruch zu besingen.

Ein Ekel hat kapituliert
in Wollishofen neulich:
Die Tigermück’ ist ausradiert
zum Glück! Die Bestie transferiert
gern Viren – unerfreulich.

Das alles ist ja schön und gut,
nur etwas ist zum Flennen:
Das Virus, das grad so blöd tut,
hat mit der Mücke nix am Hut.
Corona bleibt im Rennen.

Illustration: Philipp Meier

31. Oktober – Halloween-Spleen

Jetzt gellt’s und bellt’s in allen Ecken,
da Masken diese Welt erschrecken –
nicht medizinisch indiziert,
nein, diese Fratzen hier gebiert
ein etwas abgefahr'ner Spleen:
Es ist mal wieder Halloween!

Ach, hört mir auf mit dem Getue,
verstaut ihn in der Mottentruhe,
den Grusel- und Kulturimport:
Die Kelten sind schon lange fort,
und was Amerika betrifft,
sind dessen Geister leicht versifft.

Man kann's auch anders formulieren:
Damit wir alle uns maskieren,
braucht's heutzutage keinen Brauch,
das weiss man seit Corona auch.
Verhülle täglich dein Gesicht:
Das ist jetzt nichts als Bürgerpflicht!

24. Oktober – Heizpilzvergiftung

Nun dürfen Zürcher Wirte zelten
und zahlen null Gebühr dafür:
Der Stadtrat lässt es gnädig gelten.
So tafeln Gäste vor der Tür
und trotzdem nicht im Regen.

Es fragt sich nur, wie man sich warmhält.
Der Heizpilz, heisst es, tut nicht gut,
und wenn die Wahl auf etwas Charme fällt,
schürt man doch lieber echte Glut:
ein Cheminée? Zu verwegen.

Das alles scheint nicht praktikabel –
zehn Racletteöfen müssen her,
auch Fondue wärmt ganz formidabel.
Dann wird flambiert. Ein Flammenmeer!
Wer ruft die Feuerwehrkollegen?

17. Oktober – Altweibersommer, trotz allem

Das Wörtchen «Weib», du gutes Kind,
das darf man nicht mehr kennen.
Und weisst du, alte Leute sind
Senioren heut zu nennen.

Siehst du die Sonne heiter glühn,
im Gold des Herbstes gleissen,
dann will das aber weiterhin
Altweibersommer heissen!

10. Oktober – Schluss mit Salsa

Der Salsa-Tanz ist eng und heiss,
es wallt das Blut, es tropft der Schweiss,
Bauch dicht an Bauch, und jeder weiss:
Das mag vergnüglich sich gestalten,
jedoch bezüglich Abstandhalten
birgt's leider ein paar Tücken.

Denn es gehört zum Salsa-Rausch
besonders auch der Partnertausch –
drum wird's in Zürich nun in Bausch
und Bogen öffentlich verboten.
So tanzt man jetzt auf leisen Pfoten
halt Polonaise: Bauch an Rücken.

3. Oktober – Herbstblues mit Güx

Ich sitz’ vor einem Glas mit Gin
und werde melancholisch.
Und wär’ der Gin nicht bald dahin
würd’ ich wohl alkoholisch.

Ach, alles wechselt, nichts vergeht,
verfärbt sind Busch und Bäume.
Der Wind verirrt sich, wenn er weht,
und jagt zerzauste Träume.

Die Wolke hängt, und jeder weiss:
Auch sie muss weiterziehen.
Der Sommer? Der war prall und heiss,
doch war er bloss geliehen.

26. September – Sport an den Urnen

Ach, Zürich und sein Stadion,
das ist wie einst in Babylon:
Welch ein Gewirr von Stimmen!
Es geht um Türme, Tore, Geld
und wie so oft auf dieser Welt,
will jemand das Podest erklimmen.

Nun also hat das Volk das Wort,
zum vierten Mal: das Wort zum Sport.
Es wird die Urnen speisen.
Was wohl der Fussball dazu denkt?
Der Mensch, der dessen Flugbahn lenkt,
denkt selbst. Wie weit? Es wird sich weisen.

Illustration: Philipp Meier

19. September – Klimasünder

Der Sommer? Ach, ich weiss nicht recht,
da wird mir von der Hitze schlecht.
Der Herbst? Nun gut, den mag ich nicht,
der Nebel schluckt das Sonnenlicht.

Der Winter? Meistens ist’s mir halt
dann bald zu dunkel und zu kalt.
Der Frühling? Na, da spriesst es mir
zu ungezügelt vor der Tür!

Um es in Kürze abzuleiten:
Man hat’s nicht so mit Jahreszeiten.
Der Mensch verflucht sie nicht zu knapp
und schafft sie – Klimasünder! – ab.

12. September – Kei Schüüssete

Es isch im Zürcher Albisgüetli
nomalerwiis ja zimli gmüetli.
A äim Septämberwuchenänd
tüend s aber i de Schützeschtänd
fascht pauselos Patrone chöpfe:
lönd s rauche, rattere und chlöpfe.

Doch wer s gärn ruig hät, wird s jetzt gnüsse:
Es git das Jahr keis Chnabeschüüsse.
E Minichilbi hät s, suscht nüüt!
Defür isch s heiss, drum lönd sich d Lüüt
die letschte Badi-Taag na gfalle –
und d Sunne uf de Ruggä knalle.

5. September – Noch einmal Sommer

Nun steht der Sommer auf der Kippe,
zum letzten Mal wohl schöpft er Mut:
Noch einmal legt er eine Schippe
im Freien nach und schürt die Glut.

Noch einmal steigst du aus den Hosen
und in den temperierten See:
Der Wellengang massiert den Zeh,
das Sonnenlicht spendiert Almosen.

Doch nachts wird's kühl, bald spürst du's kratzen
im Hals und weisst: Der Herbst ist nah.
Er schleicht sich an auf leisen Tatzen,
dann aber knackt's – und er ist da.

29. August – Verhüllungspflicht

Es gilt nun also auch beim Shoppen
in Zürich die Verhüllungspflicht:
Das Stöffchen bleibt auf dem Gesicht.
Denn um das Virus jetzt zu stoppen,
hilft selbst das schönste Lächeln nicht.

Die Dame an der Kasse brummelt:
«Die Klappe zu und Maske auf!»
Und einer klagt: «Mir raubt's den Schnauf!»,
derweil er an der Maske fummelt.
So nimmt das Schicksal seinen Lauf.

22. August – Fehlprognosen

Wird's' morgen heisser? Kommt der Regen?
Als Laie weiss man es halt nicht.
Drum gibt's – und manchen gilt's als Segen –
ja einen Wetter(vor)bericht.
So auch in diesen Wochen.

Bloss scheint zurzeit auf die Prognosen
nicht grad besonders viel Verlass.
Da geht doch manches in die Hosen,
ein Abend wird bedenklich nass:
So war das nicht versprochen!

Mit hausgemachten Bauernregeln
ist man vielleicht doch besser dran:
Da fällt Grillieren, Wandern, Segeln
zwar auch ins Wasser dann und wann.
Doch hat man's selbst verbrochen.

Chronologie der Verse:

15. August – Sommerloch

Willkommen tief im Sommerloch:
Aus dieser heissen Höhle kroch
schon manche Zeitungsente.
Da bringt auch Tratsch und Klatsch es weit,
denn in der Saure-Gurken-Zeit,
geht Relevanz in Rente.

Weil's so nicht weitergehen kann,
fängt bald der Alltag wieder an,
politisch und so weiter.
Dann füllt das Treiben unsrer Stadt
fast von alleine unser Blatt.
Es grüsst: Ihr Schreibarbeiter!

8. August – Hiergeblieben!

Ob Jungfraujoch, ob Genfersee,
Zermatt, Tessin, Graubünden:
Wer Ferien macht, soll jetzt per se
das eig’ne Land ergründen.
Und höchstens unsre Träume münden
ins Meer der weiten Welt.

So steigt man also in den Zug,
setzt sich vielleicht ans Steuer
und braucht nun weder Pass noch Flug.
Das Hotel ist zwar teuer,
doch abends brätelt man am Feuer
und spart so ganz viel Geld.

In Zürich aber ist, momoll!,
so mancher bloss am Kreisen:
«Wenn ich im Lande bleiben soll,
brauch ich auch nicht zu reisen.
Viel Sommer zu gesalz’nen Preisen
krieg ich auch hier bestellt!»

1. August – Der Kuss der Helvetia

Bekanntlich steigt mit dem August
die allgemeine Feierlust:
In Zürich und im ganzen Stand
bejubelt man das Vaterland
mit Pauken und Raketen.

Ganz gerne auch mit Rütlischwur
und Schweizerpsalm und Fahnen, nur:
Bekanntlich ist in diesem Jahr
fast nichts mehr so, wie es mal war –
so auch bei diesen Feten.

Die grossen sind schon abgesagt,
die Reden bestenfalls vertagt.
Doch Krethi und auch Plethi, ja!,
umschlingen eng Helvetia.
Lässt sich das wohl vertreten?

23. Juli – Kunst kommt von Kämpfen

Vor meinem Fenster singt ein Spatz,
da schreit der Nachbar: «Heb dä Latz!»
Der Vogel trällert munter weiter
und stimmt die ganze Strasse heiter.

Bis auf den Nachbarn, der beschliesst,
dass man auf laute Spatzen schiesst:
Holt aus dem Kasten die Kanone.
Es kracht in der Gefahrenzone.

Dann hält er ein, der Ballermann.
Die Strasse hält den Atem an.
Und unser Spatz? Bleibt munter oben
und singt! Man muss ihn dafür loben.

Was lernen wir aus dem Gedicht?
Ob man sie fördert oder nicht:
Die Kunst lässt sich nicht unterkriegen.
Erst recht nicht, wenn die Kugeln fliegen.

16. Juli – Abschied im Zürich-Newsletter

Vier Jahre: rund vierhundert Verslein
gereimt, geschüttelt und gerührt.
Mitunter schien es wohl, als wär’s ein
Beschwipster, der die Feder führt
(dann floss die Tinte blauer).

So gilt der Dank den Abonnenten,
die klaglos jeden Reim geschluckt
(im Gegensatz zu Zeitungsenten,
die hin und wieder halt gedruckt)
und mancherlei Kalauer.

Nun übernimmt der Algorithmus
das Steuer: Ziemlich jeden Tag
verschickt er News und was so mitmuss.
Mag sein, dass er nicht dichten mag,
doch sicher ist er schlauer.

9. Juli – Ferienreif

Das Leben ist uns lieb und teuer,
doch manchmal auch nicht ganz geheuer:
Es wimmelt von Gefahren!
Sie scheinen überall zu lauern,
im Tram, am Schreibtisch, hinter Mauern,
im Trüben wie im Klaren.

Ob da ein Superspreader hustet,
dir Viren in den Nacken prustet?
Ach, sind wohl nur Bakterien . . .
Hör auf, dich ständig umzublicken,
sonst wird die Angst dich noch ersticken.
Relax – und schöne Ferien!

2. Juli – Maskenball

Kein Böögg, kein Fest, kein Schützenkönig:
Da bleibt den Zürchern heuer wenig
im Sinne einer Feier.
Die Guggen gingen früh schon flöten,
auch Raver schlucken ihre Kröten.
Was kommt noch? Weiss der Geier!

Nun hat der Bundesrat Erbarmen
und schickt uns allen einen warmen
Appell. Man muss sich fügen:
Ab Montag wird, nicht unerwartet,
der grosse Maskenball gestartet,
in allen Trams und Zügen.

25. Juni – Heisse Debatte

Nun also ist der Sommer hier,
versengt uns Hirn und Denken,
steigt in den Kopf, der will dafür
sich tief ins Wasser senken.

Die Hitze blüht, der Grillrost glüht,
die Zürcherinnen gähnen,
und mancher will sich leicht verfrüht
schon in den Ferien wähnen.

Wie man auch re- und transpiriert,
der Alltag geht doch weiter:
Es wird noch heisser debattiert,
doch sicher nicht gescheiter.

18. Juni – Pro Mundschutz

Zurzeit gilt eine Maskenpflicht,
zum Beispiel bei den Basken. Nicht
in Zürich aber, also zeigen
sich Lippen frei in Tram und Bus.
Doch kaum ein Lächeln und kein Kuss
pflegt diesen zu entsteigen.

Ein Mund, der Lebenslust verrät,
gilt hier schon fast als Rarität.
So will ich nun den Vorschlag wagen:
Ihr solltet mit dem hehren Ziel,
uns vor dem tristen Mienenspiel
zu schützen, Mundschutz tragen!

11. Juni – Gratisnass für alle

Im Freibad kann, wie man wohl weiss,
der Mensch im Freien baden.
Er planscht vergnügt und spült den Schweiss
von Schultern, Bauch und Waden:
Die meisten mögen das.

So ist’s in Zürich höchst beliebt,
in Fluss und See zu schwimmen –
was nun den Linken Hoffnung gibt
auf freie Wählerstimmen:
Sie fordern Gratisnass.

Das sieht nicht nur der Kommunist
schon angelegt im Namen:
Weil ja das Freibier gratis ist,
ist’s auch das Freibad. Amen.
Dem Freisinn ist’s zu krass.

4. Juni – Langhalsige Quarantäne

Ihr habt die Quarantäne
schon früher absolviert.
Und eure steile Mähne
war akkurat frisiert,
als Coiffeurscheren ruhten.

Nun sonnt sich, ihr Giraffen,
die Stadt in eurem Glanz,
der Griesgram streckt die Waffen
vor eurer Eleganz.
Willkommen hier, ihr Guten!

Die Zürcher sind unsäglich
in euch verknallt wie nie:
Ihr tragt den Kopf tagtäglich
noch höher gar als sie –
zu Recht, wie wir vermuten.

28. Mai – Untreue Seele

Mein Zürich, niemals würd ich dich
mit Haut und Haar verlassen!
Mein Herz schlägt unabänderlich
für dich und deine Gassen:
Verfallen bin ich dir.

Doch meine Treue – du verzeihst –
kann nicht um dich nur kreisen.
Man darf, wie du wahrscheinlich weisst,
nun endlich wieder reisen.
So lange war ich hier!

Ich nehm den Zug, doch nicht nach Wien
zum Städte-Ranking-Leader.
Mich zieht’s ins liebliche Tessin:
Es ruft. Doch komm ich wieder
zu dir, ins Heimrevier.

21. Mai – Küssen verboten

Es sass auf einer Zürcher Wiese
ein Paar, und zwar nach der Devise,
dass man sich nah ist. Nun, die zwei,
sie blieben züchtig, frei von Küssen –
und hätten’s besser wissen müssen.
Dann kam die Polizei herbei.

Es gab ein ziemliches Gezeter:
die Abstandsregel, die zwei Meter!
Der Bussenzettel ward gezückt.
Doch immerhin, Beamte schafften
es nicht, die beiden zu verhaften –
weil aus Distanz das niemals glückt.

14. Mai – Weltstillstand

Nun kehrt der Alltag sanft zurück,
mit den bekannten Mühlen.
Ist es ein Pech, ist es ein Glück?
Wir sitzen zwischen Stühlen
und wissen es nicht recht.

So schön er ist, der frische Schwung
an Theken, Wirtshaustischen:
Es klopft auch die Erinnerung
in den Gedächtnisnischen
wie ein sedierter Specht.

Es führt uns der Gedankenfluss
zu diesen Nächten, Tagen,
für die der Mensch auch danken muss:
Man soll nicht nur beklagen,
wenn manches einmal ruht.

Mitunter stand die Welt fast still,
so schien’s in diesen Wochen.
Die Zeiger sind, wenn man so will,
noch langsamer gekrochen.
Und manchmal tut das gut.

7. Mai – Gezänk und Geschrei

«Öffnen!», fordern viele nun.
«Schliessen!», bellen andre.
Der ruft: «Rennen!», jener: «Ruhn!»
In Gedanken wandre
ich an einem Strand.

Das Gezänke und Geschrei
um die Wahl der Mittel
hält sich also auch im Mai,
unter gleichem Titel
und im ganzen Land.

Leute, glättet eure Stirn,
stutzt die Löwenmähne,
lüftet einmal euer Hirn
nach der Quarantäne!
Bloss: Reicht nicht die Hand.

30. April – Tag der Heimarbeit

April, April, dein Abschied naht,
viel gab es nicht zu lachen.
Da stehn wir nun vor deiner Saat,
so rat- und wortlos, in der Tat:
Du warst ein rechter Drachen.

Verzieh dich jetzt. Der Mai ist nah,
bringt einen frischen Namen:
Der Erste heisst jetzt halt, nun ja,
der Tag der Heimarbeit, und da
bleibt man zu Hause. Amen.

23. April – Die Sonne höhnt

Die Sonne strahlt und lacht dich aus,
bald lädt der See zum Bade,
die Tierwelt lebt in Saus und Braus –
und du daheim seufzt: «Schade.»
Zum Glück gibt’s Schokolade
(wenn’s geht, auf dem Balkon).

Das schönste Wetter – im April!
Du winkst ihm still am Fenster,
so wie das Reglement es will,
und siehst schon bald Gespenster.
Der Lenz? Für manche grenzt er
zurzeit an einen Hohn.

Man bleibt jetzt nämlich meist zu Haus,
um keinem zu begegnen.
Im Mai darf man wohl wieder raus.
Dann wird’s vier Wochen regnen.

16. April – Alles fällt aus

In Zürich ist das Sechseläuten
mit eiteln Gockeln, rechten Bräuten
ein fixer Punkt im Jahreskreis,
weil schliesslich jedes Kind hier weiss:
Sobald’s dem Böögg den Kopf verjagt,
ist endlich Frühling angesagt.

Je früher es den Hut ihm lüpft,
sein Pfeiflein durch die Lüfte hüpft,
je besser wird der Sommer,
wohlan denn nun, so komm’ er!

Bloss ist halt dieses Jahr hienieden
von allen anderen verschieden:
Es fällt so ziemlich alles aus,
vom Opernball bis zu den Staus,
vom Kinderumzug bis hin zum Knall,
gefolgt zum Glück von Winters Fall.

Das alles fehlt, ein harter Schnitt,
man fühlt auch mit den Zünftern mit
und stammelt, halb benommen:
Der Sommer? Längst gekommen!

9. April – Beim Konjunktiv

Wir liefern hier vor dem Karfreitag
den möglichst fein gereimten Beitrag.
Drum baden diesmal wir an Ostern
die süssen Fladen in den Toastern,
in denen wir zur Not selbst Küken
und bunt bemalte Eier büken,
bevor wir wild den Rasen schneiden,
auf dem so mild die Hasen weiden.

Ach, was wir doch nicht alles täten,
wenn uns die Dichter darum bäten,
alleine um des Wohlklangs willen:
um Hunger nach dem Reim zu stillen!
Doch vor das Ganze schiebt sich kühn
der Donnerstag und gibt sich grün.
So atme durch, ganz fest und tief:
Es bleibt ja bloss beim Konjunktiv!

2. April – Stundendiebstahl

Am Sonntag kam der Dieb vorbei
auf ziemlich leisen Sohlen,
hat mitten in der Nacht um zwei
uns hinterrücks bestohlen,
verschwand dann ohne Spur.

Wir merkten nichts und schliefen tief,
bis uns um zehn, wie üblich,
die gute Kirchenglocke rief:
Da stimmte uns betrüblich
der Blick auf unsre Uhr.

Sie zeigte neun! Uns wurde klar:
Es fehlt uns eine Stunde!
Wer immer sie auch nahm, fürwahr:
Im Herbst, so geht die Kunde,
bringt er sie uns retour.

26. März – Der Koller

Im Restaurant wär ich so gern
und dann in einer Bar noch!
Das Kino läg mir auch nicht fern,
da ist es dunkel zwar, doch
tanzen tausend Bilder.

Die tanzen jetzt an meiner Wand,
dem Beamer ist’s zu danken,
und Lieferanten bieten Hand,
mit Currys nachzutanken,
mal schärfer und mal milder.

Das alles hält man sicher aus,
vielleicht für ein paar Wochen.
Doch irgendwann kommt dann im Haus
der Koller raufgekrochen
und macht uns wild und wilder.

19. März – Im falschen Film

Home-Office? U-Haft? Quarantäne?
Wo immer ich mich jetzt auch wähne:
Ich bin im falschen Film und Stück!
Die Welt steht still und dreht und dreht sich
doch immer schneller. Es versteht sich,
dass ich bald nicht mehr richtig tick.

Mein Hirn entlockt sich zähe Reime,
der Versfuss stinkt, doch seine Keime
sind immerhin (noch) nicht viral.
Ich fläz mich in die Hängematte,
ein Gläschen Wein packt mich in Watte,
die Sonne lacht doch ganz normal.

12. März – Ganz keimfrei

Ein Wort diktiert in dieser Zeit
die fetten Headlines weit und breit.
Man weiss jedoch, die Poesie
keimt frei und beugt sich besser nie
thematischen Diktaten.

So bleiben diese Reime auch
ganz keimfrei, ohne Schall und Rauch.
Lehn dich zurück und atme ein
und aus. Ganz tief. Die Luft ist rein.
Das Glück, es kommt in Raten.

5. März – Böse Viren

Sei mir willkommen, lieber März,
gestatte, dass ich singe:
Bist du gekommen, pocht mein Herz,
der Puls macht Freudensprünge.

Die Wünsche, die ich an dich hab,
sind wirklich ganz bescheiden:
Tilg alle Fehler, die es gab,
hilf künftige vermeiden!

Säe stille Eintracht in der Welt,
lass Sommervögel tanzen,
und pflastre, wie es uns gefällt,
die Strassen mit Romanzen.

Derweil die Sonne lockt und lacht,
sollst du uns sanft massieren.
Und wenn es keine Mühe macht:
Vertreib die bösen Viren!

27. Februar – Die gute alte Grippe

Corona hier, Corona da,
bald fühl ich mich umzingelt.
Der Kopf ist schwer, das Fieber nah,
und an der Haustür klingelt
wohl bald die Ambulanz.

Ich fürchte, dass – es geht schon los! –
ich bald ins Koma kippe.
Der Doktor kommt und sagt: «’s ist bloss
die gute alte Grippe.»
Wo bleibt der Freudentanz?

20. Februar – Viel zu früh

Schon blüht der Krokus – viel zu früh!
Es zwickt die erste Zecke,
man tanzt auf Rasen im Tutu
statt auf ’ner weissen Decke.

Ach, Februar, du bist zu warm,
das pfeifen längst die Spätzchen
vom Dach. Fürwahr, es wirkt dein Charme
leicht überhitzt, mein Schätzchen.

So schick uns doch ein bisschen Schnee,
für unsre Wintersachen.
Man kann jetzt, bitte sehr, versteh,
nicht Frühlingsferien machen!

13. Februar – Zwei Stürme

Nach Petra kam Sabine,
die machte miese Miene
zu ziemlich üblem Spiel:
Sie hatte schlechte Laune.
Und blies – man hör’ und staune –
uns weg, wie’s ihr gefiel.

Zwei Stürme in zwei Wochen:
so mancher Baum gebrochen
und manches Herz dazu.
Macht so viel Frauenpower
die Männer etwas schlauer?
Vielleicht. Doch jetzt ist Ruh.

«Gereimtheiten» und Zürich-Newsletter

zz. Seit über vier Jahren giesst der Zürich-Redaktor Urs Bühler jede Woche die Tagesaktualität in Reime. Sein Vers zur Woche bildete jeweils den Abschluss des Zürich-Newsletters der NZZ, den der Feuilleton-Redaktor Philipp Meier illustriert. Eine Auswahl ist unter dem Titel «Zürcher Gedrechseltes» 2018 im NZZ-Libro-Verlag veröffentlicht worden (samt Meiers Zeichnungen). Seit dem 20. Juli erscheint der Zürich-Newsletter in neuer Form (zu abonnieren unter www.abo.nzz.ch/newsletter). Urs Bühlers «Gereimtheiten» erscheinen seither wöchentlich auf nzz.ch sowie auf den Social-Media-Kanälen der NZZ.

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