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Deutscher Aussenminister Maas zu Gesprächen über Hilfe und Reformen im Libanon – die neusten Entwicklungen nach der Explosion in Beirut

Die Explosion am Hafen der libanesischen Hauptstadt gehört zu den fünf schwersten weltweit der letzten hundert Jahre. Mindestens 158 Personen kamen ums Leben, über 6000 wurden verletzt.

Die neusten Entwicklungen:

  • Mehr als eine Woche nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut reist der deutsche Aussenminister Heiko Maas am Mittwoch (12. 8.) in den Libanon, um mit Präsident Michel Aoun, Vertretern verschiedener gesellschaftlicher Gruppen und mit Hilfsorganisationen zu sprechen. Deutschland hatte am Wochenende 20 Millionen Euro für die Bewältigung der Folgen der Katastrophe zugesagt. «Wir wollen unsere Hilfe mit den Vereinten Nationen und über erfahrene Hilfsorganisationen schnell nach Beirut direkt zu den Menschen bringen», versprach Maas. Bei dem eintägigen Aufenthalt will der SPD-Politiker über wirtschaftliche Hilfe sprechen und gleichzeitig für Reformen werben, die auch von vielen Libanesen gefordert werden. «Das Land braucht jetzt einen kraftvollen Aufbruch und es braucht tiefgreifende wirtschaftliche Reformen», sagte Maas vor seinem Abflug aus Berlin. «Nur so wird der Libanon seine Jugend für eine gute Zukunft gewinnen, nur so wird das nötige Vertrauen aufgebaut.» 
  • Der libanesische Ministerpräsident Hassan Diab hat an einer Pressekonferenz seinen Rücktritt erklärt. Das teilte Diab am Montagabend (10. 8.) in einer Fernsehansprache mit. Korruption habe die verheerende Explosion im Hafen von Beirut verursacht, erklärte der bisherige Regierungschef und weiter: «Heute befolgen wir den Willen des Volkes und seiner Forderung, diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, die für diese Katastrophe verantwortlich sind». Der Rücktritt Diabs bedeutet gleichzeitig auch das Aus für seine gesamte Regierung. Zuvor waren bereits mehrere seiner Minister aus ihren Ämtern ausgeschieden. Die Regierungsbildung im Libanon kann lange dauern – es gibt viele unterschiedliche Interessen. Eine zentrale Rolle wird die Iran-treue Hizbullah spielen, gegen die im Libanon nicht regiert werden kann.
  • Nach dem angekündigten Rücktritt der libanesischen Regierung ist es in der Hauptstadt Beirut erneut zu Zusammenstössen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen. Demonstranten versuchten, eine Betonabsperrung zum Parlament im Zentrum der Stadt zu überwinden, wie am Montag (10. 8.) auf Bildern des libanesischen Senders LBCI zu sehen war. Dabei warfen sie auch Steine. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein, um die Menge zu vertreiben.
  • Die Schweiz hat an der internationalen Geberkonferenz mindestens vier Millionen Franken Direkthilfe zugesagt. Damit soll die schwer von der Explosionskatastrophe getroffene Bevölkerung in der Hauptstadt Beirut direkt unterstützt werden. Die humanitäre Hilfe soll vor allem in den Wiederaufbau, in Unterkünfte und ins Gesundheitswesen fliessen, wie ein Sprecher des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Sonntag (9. 8.) auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mitteilte. Direkt Hilfsgelder an die von Kritikern als korrupt bezeichnete libanesische Regierung will die Schweiz nicht zahlen, wie Botschafterin Monika Schmutz Kirgöz am Freitag in einem Interview darlegte. 
  • An der Geberkonferenz wurde ebenfalls beschlossen, dass die EU über ihren Gemeinschaftshaushalt zusätzliche 30 Millionen Euro für Nothilfen bereitstellt. Das Geld ergänzt den Betrag von 33 Millionen Euro, der bereits direkt nach der Explosionskatastrophe in Beirut zugesagt worden war, wie die EU-Kommission am Sonntag (9. 8.) mitteilte. Es solle über die Vereinten Nationen und andere Organisationen unter strenger Überwachung nach Libanon fliessen und zur Versorgung der am stärksten betroffenen Menschen eingesetzt werden. Die Video-Geberkonferenz fand am Sonntag auf Einladung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron statt. Rund 30 Staaten und Organisationen nahmen daran teil, darunter auch der amerikanische Präsident Donald Trump.
  • Bei Zusammenstössen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten in Beirut sind über 200 Menschen verletzt worden. Das teilte das libanesische Rote Kreuz am Sonntag (9. 8.) mit. Ein Polizist ist ums Leben gekommen. Tausende von Demonstranten protestierten im Zentrum Beiruts zunächst friedlich gegen die Führung des Landes, die sie für die Explosion verantwortlich machen. Dann schlug der Protest jedoch in Gewalt um. Einige Demonstranten versuchten, Absperrungen zum Parlament zu durchbrechen und warfen Steine. Die Sicherheitskräfte setzten massiv Tränengas ein. Augenzeugen berichteten auch, sie hätten Schüsse gehört. Einige Demonstranten stürmten das Gebäude der Bankenvereinigung. Andere drangen in das Aussen-, das Wirtschaft- und das Energieministerium ein, wie lokale Medien meldeten. Der getötete Polizist habe Menschen helfen wollen, die in einem Hotel im Zentrum Beiruts festgesessen hätten, erklärten die Sicherheitskräfte. 

Am Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut hat sich am Dienstagabend (4.8.) kurz nach 18 Uhr (Ortszeit) eine heftige Explosion ereignet. In Videoaufnahmen war zu sehen, wie eine Rauchwolke aufstieg, entweder von einem Feuer oder einer ersten, kleineren Explosion. Kurz darauf ereignete sich die weitere, deutlich gewaltigere Explosion, die eine Druckwelle auslöste und enorme Zerstörungen anrichtete. Die Wucht der Druckwelle war sogar noch im 240 Kilometer entfernten Zypern wie ein Erdbeben spürbar.

Spezialisten der britischen Universität Sheffield schätzen laut einem BBC-Bericht die Explosionskraft auf etwa ein Zehntel der amerikanischen Atombombe, die am 6. August 1945 die japanische Stadt Hiroshima im Zweiten Weltkrieg verwüstet hat. Es sei «ohne jede Frage eine der grössten nicht-nuklearen Explosionen der Geschichte» gewesen.

Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums sind mindestens 158 Personen ums Leben gekommen, über 6000 wurden verletzt. Vier Tage nach der Explosionskatastrophe werden noch immer rund 21 Personen vermisst, wie das libanesische Gesundheitsministerium am Samstag (8. 8.) mitteilte. Die Bergungsarbeiten gingen unterdessen weiter.

Beirut vor und nach der Explosion

Beirut, 5. August 2020 (Bild: Planet Labs Inc. via AP)

Laut libanesischen Medienberichten lösten Schweissarbeiten im Hangar 12 ein Feuer aus. Dieses liess wenig später die dort ungesichert gelagerten 2750 Tonnen Mengen Ammoniumnitrat explodieren. Die Zollbehörden hatten in den vergangenen Jahren in mehreren Schreiben an die Justizbehörden auf die Gefahr aufmerksam gemacht, die von dem Material ausgeht. Die zuständigen Stellen aber ignorierten das Problem.

Von der Explosion betroffene Gebäude und Orte in Beirut

Die Detonationsstelle liegt in einem Warenlager am Beiruter Hafen

Von der Explosion betroffene Gebäude und Orte in Beirut - Die Detonationsstelle liegt in einem Warenlager am Beiruter Hafen

Ammoniumnitrat ist ein farbloses, kristallines Salz, das sich aus Ammoniak und Salpetersäure herstellen lässt. Aus dem Stoff (chemisch: NH4NO3) werden Düngemittel und Sprengstoff hergestellt. Ammoniumnitrat gilt so lange als ungefährlich, als es nicht vermischt und kühl gelagert wird. Eine weitere Gefahr droht, wenn grosse Mengen des Feststoffs auf kleinem Raum gelagert werden. Dann verhält sich Ammoniumnitrat wie ein Komposthaufen: Es kann sich erhitzen und Feuer fangen. In der Folge entstehen Gase, die – ähnlich wie vor einem Vulkanausbruch – einen hohen Druck erzeugen und irgendwann in Form einer heftigen Explosion durchbrechen. Unfälle sind häufig, so in dem Gefahrengutlager der chinesischen Stadt Tianjin, wo 2015 nach einer Serie von Explosionen 173 Menschen ums Leben kamen. In vielen Ländern ist der Umgang mit Ammoniumnitrat deshalb nur unter strengen Auflagen erlaubt. In der Schweiz und in Deutschland fällt die Verwendung des Stoffs unter das Sprengstoffgesetz. Beim Terroranschlag in Oklahoma 1995 mit 168 Toten verwendeten die Täter für die Bomben hauptsächlich Ammoniumnitrat.

Nach der Explosion wurde über allfällige Hinweise auf einen Anschlag spekuliert, die sich aber nicht verdichteten. Der libanesische Präsident Michel Aoun erklärte am Freitag vor Journalisten, bei den noch laufenden Ermittlungen solle untersucht werden, ob die Explosion durch Fahrlässigkeit verursacht worden sei. Es solle aber auch geprüft werden, ob es möglicherweise eine «ausländische Einmischung» durch eine Rakete oder Bombe gegeben habe. Dafür gibt es allerdings bisher keinerlei Anzeichen.

In der britischen BBC berichteten Augenzeugen am Dienstagabend, sie hätten einen sehr tief fliegenden Jet gesehen und kurz darauf die erste Explosion. Der amerikanische Präsident Donald Trump schürte die Gerüchte weiter und berief sich dabei auf angebliche Aussagen seiner Generäle. «Sie scheinen zu denken, dass es ein Anschlag war, dass es eine Art von Bombe war», sagte Trump am Dienstagabend (Ortszeit) im Weissen Haus. Zwei Militärvertreter sagten später anonym, sie wüssten nicht, woher Trump diese Informationen habe. Auch der amerikanische Verteidigungsminister Mark Esper sprach schliesslich von einem Unfall.

Spekuliert wurde aber auch darüber, ob ein israelischer Luftangriff die Explosion ausgelöst habe. Die Spannungen zwischen Israel und dem proiranischen Hizbullah haben in den vergangenen Wochen zugenommen. Israelische Regierungsstellen dementierten, etwas mit dem Ereignis zu tun zu haben. Israel hat inzwischen Beirut Unterstützung bei der Bewältigung der Folgen der Katastrophe angeboten.

Auch über einen Zusammenhang mit dem bevorstehenden Urteil des Uno-Libanon-Sondertribunals in Den Haag im Fall des Mordes an dem damaligen libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri wurde spekuliert. Das Urteil hätte am 7. August verlesen werden sollen. Angesichts der verheerenden Explosion wurde dies auf den 18. August verschoben. Hariri war 2005 nur wenige Kilometer vom Ort der Explosion entfernt bei einem Sprengstoffanschlag getötet worden, bei dem auch 21 weitere Personen ums Leben kamen.

Im Zuge der Ermittlungen zur verheerenden Explosion wurden am Freitag drei Verantwortliche des Hafens der libanesischen Hauptstadt festgenommen. Dazu zählten Zoll-Chef Badri Dahir, dessen Vorgänger Shafik Mirhi und Hafen-Direktor Hassan Kuraitim, meldete die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA am Freitagabend. Bereits am Vorabend waren 16-Hafenmitarbeiter verhaftet worden, darunter Mitglieder des Hafenvorstands und der Zollverwaltung. Was den Festgenommenen genau vorgeworfen wird, ging aus dem Bericht jedoch nicht hervor.

Gruppen von Aktivisten machen die Regierung für die Explosion verantwortlich und haben für Samstag Nachmittag zu Demonstrationen aufgerufen. Am Samstag sollen viele Opfer der Katastrophe beerdigt werden.

Besonders betroffen von der Explosion sind die Menschen, die in der Nähe des Hafens wohnen. Beiruts Gouverneur Marwan Abbud sagte am Mittwoch dem libanesischen Sender MTV, zwischen 200 000 und 250 000 Einwohner hätten ihre Unterkünfte verloren. Der Schaden liegen zwischen drei und fünf Milliarden Dollar, erklärte Abbud weiter, wie die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete.

So verheerend war die Explosion in Beirut im Vergleich

Nichtnukleare Explosions-Unfälle mit bekannter Sprengstoffmenge, Trinitrotoluol-Äquivalent (TNT) in Tonnen (in Tausend)

0246810Munitionslager Hänigsen, DE (1946)*Halifax-Explosion, CA (1917)Munitionslager Fauld, UK (1944)Munition in Marinebasis, CY (2011)*Hafen von Beirut, LB (2020)**Texas-City-Explosion, US (1947)Oppauer Stickstoffwerke, DE (1921)*Eisenbahnunfall bei Ufa, RU (1989)Unglück von Dailly, CH (1946)Hafen von Tianjin, CN (2015)

Die Explosion verschärft unmittelbar die Versorgungslage im Land. Diese war in den vergangenen Monaten ohnehin schon heikel. Nun hat die Explosion nach Aussage des Leiters des Büros der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung in Libanon, Malte Gaier, das staatliche Elektrizitätswerk komplett zerstört. Mehrere Spitäler sind beschädigt. Auch die grossen Getreidesilos am Hafen hat die Explosion offenbar zerstört. Weil Libanon die meisten Lebensmittel importiert, hat das Land bereits jetzt grosse Mühe, genügend Getreide zu günstigen Preisen für die Bevölkerung bereitzustellen. Diese Situation wird sich durch den Verlust noch verschärfen. Gemäss Wirtschaftsminister Raoul Nehme reichen nach dem Verlust des gelagerte Getreides im zerstörten Silo die Getreidevorräte in Libanon noch für «etwas weniger als ein Monat». Um die Versorgung sicherzustellen, brauche das Land jedoch Vorräte für mindestens drei Monate.

Ein Helikopter kreist über dem zerstörten Areal beim Hafen von Beirut.

Ein Helikopter kreist über dem zerstörten Areal beim Hafen von Beirut.

Issam Abdallah / Reuters

Zahlreiche Staaten und Institutionen sicherten finanzielle Unterstützung zu oder helfen mit Rettungskräften oder Material. Auch die Schweiz hat zwei Teams mit Ingenieuren, Infrastrukturspezialisten, Logistikexperten, medizinischem Personal und anderen Fachleuten nach Beirut geschickt. Sie sollen unter anderem die Stabilität von Gebäuden prüfen. Die humanitäre Hilfe des Bundes werde sich auf die Bereiche Unterkunft und Medizin konzentrieren. Ausgeschlossen hat der Bund hingegen, Hilfsgelder an die libanesische Regierung zu zahlen. Im Zentrum sollen die Bedürfnisse der Bevölkerung stehen.

Die Vereinten Nationen wollen mit mindestens neun Millionen Dollar Soforthilfe die unmittelbare Not nach der Explosionskatastrophe mindern. Unter anderem sollen in Libanon Spitäler bei der Ausstattung für Intensivstationen und bei Medikamenten finanziell unterstützt werden.

Am Sonntag, 9. August, fand auf Einladung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron eine Video-Geberkonferenz statt. Rund 30 Staaten und Organisationen nahmen daran teil. Die EU hat daraufhin ihren Beitrag von 33 auf 63 Millionen Euro erhöht. Das Geld soll über die Vereinten Nationen und andere Organisationen unter strenger Überwachung nach Libanon fliessen und zur Versorgung der am stärksten betroffenen Menschen eingesetzt werden. Die Schweiz hat mindestens vier Millionen Franken Direkthilfe zugesagt.

Auch der amerikanische Präsident Donald Trump hat Libanon Hilfen zugesichert. Er habe dem libanesischen Präsidenten Michel Aoun gesagt, drei grosse Flugzeuge seien auf dem Weg nach Beirut, twitterte Trump am Freitag. Sie hätten medizinische Ausrüstungen, Nahrung, Wasser sowie Rettungskräfte an Bord. Laut Behördenangaben werden die Hilfen einen Wert von mehr als 15 Millionen Dollar haben. Mit den Medikamenten und sonstigen medizinischen Gütern könnten bis zu 60 000 Personen drei Monate versorgt werden.

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