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Die EZB sieht durch die Corona-Pandemie keine Gefahr für eine drohende Deflation

Europas Notenbanker haben auf die erste Welle der Pandemie mit einem gigantischen Anleihekaufprogramm reagiert. Dennoch ist die Inflationsrate derzeit negativ, was die Präsidentin Lagarde aber nicht als Deflation verstanden wissen will. Im Dezember dürfte die EZB mit einer Aufstockung der Käufe auf die zweite Pandemiewelle reagieren.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde will trotz negativer Inflation nicht von einer Deflation sprechen.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde will trotz negativer Inflation nicht von einer Deflation sprechen.

Chris Ratcliffe / Bloomberg

Die Präsidentin Christine Lagarde und die Mitglieder des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB) haben am Donnerstag der Versuchung widerstanden, sofort mit neuen Massnahmen auf die zweite Welle der Corona-Pandemie in Europa zu reagieren. Erst am Mittwoch hatte mit Deutschland das bevölkerungsreichste und wirtschaftlich stärkste Mitgliedsland eine neuerliche Reduktion des öffentlichen Lebens für den November angekündigt. In vielen Mitgliedsländern der Währungsunion gab es ähnliche oder sogar stärkere Einschränkungen schon in den Wochen zuvor. Diese haben die wirtschaftlichen Aktivitäten im Oktober bereits gedämpft und werden sich im November noch sehr viel stärker auswirken.

Negative Inflation bis ins Jahr 2021

Lagarde kündigte an, dass die EZB im Dezember all ihre Instrumente angemessen rekalibrieren werde, um im Euro-Raum günstige Finanzierungskonditionen für Unternehmen und Bürger aufrechtzuerhalten und so die wirtschaftliche Erholung zu unterstützen sowie etwaigen negativen Einflüssen durch die Pandemie zu begegnen. Die Basis für die Rekalibrierung sollen unter anderem die dann vorliegenden neuen wirtschaftlichen Projektionen der hauseigenen Ökonomen der EZB sein. Die Präsidentin betonte, dass der EZB-Rat den bestmöglichen Mix von all seinen Instrumenten anwenden werde, um seine Ziele zu erreichen. Zu diesen Zielen gehört eine Teuerung von unter, aber nahe 2%. Davon ist die Euro-Zone allerdings derzeit weit entfernt. Im September lag die Inflationsrate bei –0,3%. Lagarde erwartet noch bis ins Frühjahr 2021 eine negative Inflation. Von einer Deflation wollte die Französin allerdings nicht sprechen, da es sich durch die Pandemie um einen Einmaleffekte handele.

Im Frühjahr hatten die Notenbanker auf die erste Welle der Pandemie mit einer erheblichen Ausweitung ihrer laufenden Wertpapierkäufe durch das sogenannte Pandemie-Notfall-Kaufprogramm (PEPP) sowie weitere subventionierte Kredite für Geschäftsbanken reagiert. Inzwischen hat die EZB ein Paket über 1350 Mrd. € zum Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen geschnürt. Dazu kommen subventionierte Kredite für Banken im Gesamtvolumen von rund 3000 Mrd. €. Die Wertpapierkäufe will die Zentralbank im Hinblick auf die zu erwerbenden Vermögensklassen, den Zeithorizont und die verschiedenen Mitgliedstaaten weiter flexibel handhaben. Bei früheren Kaufprogrammen hatte sich die Notenbank für den Erwerb klare Regeln auferlegt, beispielsweise maximal 33% einer Anleihe zu erwerben und sich an den Grössenverhältnissen der Mitgliedsländer der Euro-Zone zu orientieren (sogenannter Kapitalschlüssel).

Rekalibrierung aller Massnahmen im Dezember

Beobachter erwarten, dass die Notenbank im Dezember ihr Pandemie-Kaufprogramm volumenmässig und zeitlich ausdehnen wird. Etliche Marktteilnehmer rechnen mit einer Aufstockung der Käufe um weitere 300 Mrd. bis 500 Mrd. € und mit einer Verlängerung des Programms von Ende Juni bis Ende Dezember 2021. Derzeit hat die Notenbank im Rahmen ihrer schon beschlossenen Kaufprogramme genügend Feuerkraft, um noch bis weit ins nächste Jahr Anleihen erwerben und so die Renditen der Papiere niedrig halten zu können.

Im Dezember werden die EZB-Vertreter zudem mehr Informationen darüber haben, wie sich die Pandemie in Europa entwickelt und welche wirtschaftlichen Folgen sich bis dahin daraus ergeben haben. Ferner wird man dann mehr über den Ausgang der amerikanischen Präsidentschaftswahlen, den Stand der Brexit-Gespräche zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU sowie über die Budgets der Euro-Mitgliedsländer für das Jahr 2021 haben. All dies kann die Notenbank in die Rekalibrierung ihrer Massnahmen einfliessen lassen.

Grosse Risiken für die Konjunkturentwicklung

Im zweiten Quartal war die Wirtschaft im Euro-Raum um 11,8% eingebrochen. Allerdings ist es im Quartal danach zu einer starken Erholung gekommen, bei der rund die Hälfte des Einbruchs wettgemacht wurde. Diese Erholung wird im vierten Quartal merklich abflachen, erwartet die EZB. Ob die Wirtschaftsleistung wieder schrumpfen werde, wie im zweiten Quartal, sei derzeit schwierig vorherzusagen, meinte Lagarde. Es war fast nicht nötig, dass die Präsidentin am Donnerstag nach der Ratssitzung vor Medienvertretern betonte, die Risiken für die Konjunkturentwicklung seien im Vergleich mit den Chancen derzeit sehr viel grösser.

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