Switzerland

Die Fifa eröffnet Niederlassungen in aller Welt – und entfremdet sich von der Schweiz

Der Weltfussballverband expandiert nach Paris und prüft weitere Destinationen. Der Präsident Gianni Infantino wirkt stets, als könne er nicht schnell genug ins nächste Flugzeug steigen.

Versteht es glänzend, Kontakte zu internationalen Politikern aufzubauen: der Fifa-Präsident Gianni Infantino.

Versteht es glänzend, Kontakte zu internationalen Politikern aufzubauen: der Fifa-Präsident Gianni Infantino.

Arnd Wiegmann / Reuters

Gianni Infantinos Verhältnis zu Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist hervorragend, die beiden Männer sehen sich oft. Der Fifa-Präsident war am 7. Dezember 2018 zu Besuch im Pariser Elysée-Palast, mitten in der Hochphase der Gelbwesten-Proteste, und erneut am 4. Juni 2019, dem Tag vor seiner Wiederwahl am Fifa-Kongress. An den anschliessenden Frauen-Weltmeisterschaften verfestigte sich die Freundschaft des Politikers und des Fussball-Funktionärs noch einmal, wie Insider schildern. Der Franzose und der Schweizer verstehen sich spätestens seit dem Turnier auf einer persönlichen Ebene.

Dass Infantino mit Schweizer Politikern ähnlich gut befreundet ist, wäre unbekannt. Mit dem ehemaligen Bundesanwalt Michael Lauber traf er sich ebenfalls mehrfach, doch das ist eine andere, eher unglückliche Geschichte.

Der Fifa-Präsident versteht es glänzend, Kontakte zu internationalen Politikern aufzubauen, er sprach am G-20-Gipfel und speiste am Weltwirtschaftsforum in Davos mit Donald Trump. Doch er vernachlässigt es bis jetzt, zu Hause in der Schweiz ein ebenso solides Netzwerk zu schaffen. Eher erweckt Infantino den Eindruck, er begreife Kritik aus dem Inland an seinem Verband als persönliche Beleidigung und könne in solchen Fällen nicht schnell genug ins nächste Flugzeug steigen.

Eine in dieser Woche lancierte Interview-Offensive dürfte an dem Bild nur wenig ändern, zumal Infantino mit manchen Aussagen das Bild eher noch bestätigte. «Heutzutage ist die Fifa in der Welt wieder salonfähig», behauptete er im «Blick» und führte zur Begründung aus: «Ich war in den letzten Wochen beim Premierminister in Italien, beim Präsidenten in Frankreich, beim US-Präsidenten und beim US-Bundesanwalt.» Als seien hektische Reiseaktivitäten ein Beleg für eine gute Reputation.

Infantino ist sich des Problems, als ewiger Abwesender wahrgenommen zu werden, sogar bewusst. «Ich habe es verpasst, vor allem im deutschsprachigen Raum, die Fakten richtig zu kommunizieren», sagte er in Bezug auf Bemühungen, Korruption zu erschweren.

Auch Mailand war im Gespräch

Trotz ihrem opulenten Hauptsitz auf dem Zürichberg eröffnet die Fifa unter Infantino eine ausländische Niederlassung nach der nächsten, mittlerweile sind es bereits elf. Der Weltfussballverband ist nun in Barbados, Indien, Malaysia, Neuseeland, Panama, Paraguay, Senegal, Südafrika, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kongo-Brazzaville und Äthiopien stationiert.

Büros in anderen Kontinenten liessen sich noch als Absichtserklärung verkaufen, fussballerische Entwicklungshilfe zu betreiben. Doch Anfang 2021 soll auch eine Aussenstelle im Nachbarland Frankreich den Betrieb aufnehmen. Im Umfeld der Fifa heisst es, dass Fachleute bereits weitere Standorte eruieren. Unter anderem war zuletzt Mailand als Option im Gespräch. Es ist unklar, ob das immer noch der Fall ist.

Die Niederlassung in Paris ist angesichts der Nähe Infantinos zu Macron keine Überraschung. Einen Tag nach einem neuerlichen Treffen der beiden Männer in Paris, das am 5. Oktober 2020 stattfand, gab der Weltfussballverband die Eröffnung offiziell bekannt. Das neue Büro solle die Beziehungen der Fifa mit Frankreich, der französischsprachigen Welt, der Unesco sowie der Agence Française de Développement festigen, heisst es in der Stellungnahme. Die Arbeitsgruppe «Choose France» arbeite nun die Details aus.

Wirklich notwendig ist das Pariser Büro nicht, schon gar nicht mitten in der Corona-Krise. In sämtlichen Bereichen der Arbeitswelt werden derzeit Besprechungen ins Digitale verlegt, was oft besser funktioniert als erwartet. Verbandspräsidenten französischsprachiger Nationen könnten Infantino ausserdem weiterhin in Zürich treffen, der Reiseaufwand aus Westafrika oder Kanada wäre praktisch identisch. Und: Unter den neu eröffneten Regionalbüros befinden sich bereits zwei an frankofonen Standorten, in Dakar und Brazzaville.

Die Niederlassung im Nachbarland ist also von zweifelhaftem Nutzen. Umso bedeutsamer ist ihre Symbolik: Der Hauptsitz in Zürich wird für die Fifa immer unwichtiger. Der mächtigste Sportverband der Welt sendet mit seinem Expansionskurs eine klare Botschaft an seine Kritiker. Man ist immer weniger auf die Schweiz angewiesen.

Zweifel am hiesigen Rechtsstaat

In Hintergrundgesprächen kokettieren Fifa-Vertreter seit längerem mit der Option, sogar den Hauptsitz ins Ausland zu verlagern. Die Einstellung ausländischer Fachkräfte sei in der Schweiz kompliziert geworden, heisst es bisweilen. Offiziell werden derartige Überlegungen klar dementiert. Doch auch die internationalen Leitmedien «New York Times» und «Le Monde» berichteten bereits über entsprechende Gedankenspiele, beide nannten Paris als potenziellen neuen Hauptsitz. Dort logierte der Weltfussballverband bereits von seiner Gründung 1904 bis zum Umzug in die Schweiz 1932. Das Umzugs-Szenario mag noch sehr unkonkret sein – die Entfremdung schreitet so oder so voran.

Objektive Gründe, sich ungerecht behandelt zu fühlen, hat Infantino kaum. Grosse Konzerne in Zürich oder Genf müssen bei Rekrutierungen dieselben bürokratischen Hürden bewältigen. Der Fiskus bevorteilt die Fifa sogar: Die Gewinnsteuer, die sie als Verein zu zahlen hat, ist nur halb so hoch wie jene einer Kapitalgesellschaft. Eine Initiative, dies zu ändern, scheiterte im November 2018 im Zürcher Kantonsrat.

Seit Juli läuft gegen Infantino ein Strafverfahren wegen des Verdachts, er habe den ehemaligen Bundesanwalt Lauber zu Amtsmissbrauch sowie zur Verletzung des Amtsgeheimnisses angestiftet. Als sich der stellvertretende Fifa-Generalsekretär Alasdair Bell zu dieser Angelegenheit äusserte, wurde deutlich, welch tiefe Kluft zwischen dem Verband und seinem Heimatland entstanden ist. Der Schotte bezeichnete das Vorgehen der Justiz als «absurd» und «grotesk», als zweifle er fundamental am Funktionieren des hiesigen Rechtsstaats.

Infantino vermied im «Blick» ein ähnlich breitschultriges Auftreten, doch er verstieg sich zur Behauptung, keine Ahnung zu haben, was ihm vorgeworfen werde: «Man warf mich der Weltöffentlichkeit zum Frass vor, ohne zu sagen, was ich falsch gemacht haben soll.»

Es ist unklar, ob Infantino Berater hat, die es wagen, ihm die Stirn zu bieten. Gäbe es diese, würden sie ihm möglicherweise klarzumachen versuchen, dass Strafverfahren auch ausserhalb der Schweiz passieren können. Es gibt Momente, in denen es nicht damit getan ist, ins nächste Flugzeug zu steigen.

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