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Die Lunge von Covid-19-Patienten durchläuft zwei Stadien. Ein Update zu den neusten Corona-Studien

In den Abwässern Oberitaliens lässt sich das Virus schon Ende 2019 nachweisen. Kinder haben seltener Antikörper als ihre Eltern. Und ein altbekanntes Cortisonpräparat hilft schwerkranken Covid-19-Patienten. Diese und weitere Forschungsergebnisse zu Sars-CoV-2 und Covid-19.

Sechs Monate ist es her, dass das neue Coronavirus in China entdeckt wurde. Seither ist die Welt eine andere geworden, auch die der Wissenschaft. Die Flut an wissenschaftlichen Studien, die sich mit Sars-CoV-2 und Covid-19 befassen, ist kaum noch zu überschauen. Damit Sie den Überblick behalten, berichten wir in diesem Blog über eine Auswahl an Publikationen. Die neusten Ergebnisse finden Sie jeweils am Anfang des Artikels.

2. Juli: Die Lunge von Covid-19-Patienten durchläuft zwei Stadien

ni. · Mit einer Autopsie können Ärzte ihre zu Lebzeiten des Patienten gestellten Diagnosen überprüfen. Bei einer neuen Krankheit wie Covid-19 kann die Leichenöffnung zudem einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Krankheit liefern. Anders als bei der klassischen Autopsie, bei der das Gewebe von Auge und unter dem Mikroskop betrachtet wird, geht die molekulare Autopsie einen Schritt weiter. Mithilfe von modernsten Analyseverfahren liefert sie einen Einblick in die molekularbiologischen Mechanismen von Krankheiten.

Eine solche molekulare Autopsie hat eine Schweizer Forschergruppe an 16 Personen durchgeführt. Sie alle waren in den Kantonen Basel-Landschaft und Basel-Stadt an Covid-19 gestorben. Die Wissenschafter interessierten sich für die in den Lungen abgelaufene Immunantwort gegen Sars-CoV-2. Diese charakterisierten sie anhand von Parametern wie der Anzahl Viren im Organ, der Zahl der Entzündungszellen und anhand davon, welche Genabschnitte bei den Zellen abgelesen wurden. Diese Daten setzten sie in Bezug zu klinischen Parametern wie dem Krankheitsverlauf.

So konnten die Forscher bei den Leichen zwei immunologische Signaturen in den Lungen nachweisen, die bei schwerem Covid-19-Verlauf nacheinander auftreten. So ist das Organ in der ersten Phase stark vom Virus besiedelt, das Gewebe aber noch weitgehend intakt. In dieser Phase sind die molekularen Entzündungsparameter stark erhöht. Sie klingen später aber wieder ab. In dieser zweiten Phase scheint das Virus zwar kontrolliert, doch das Lungengewebe zeigt jetzt Zeichen der Zerstörung sowie Ablagerungen von Proteinen des sogenannten Komplementsystems.

Ihre Befunde hätten Implikationen für die Behandlung von Covid-19-Patienten, schreiben die Studienautoren. So stünden in der ersten Phase der Immunantwort gegen das neue Coronavirus antivirale Medikamente wie Remdesivir und breit wirksame Entzündungshemmer im Vordergrund. Später könnten dann Arzneimittel hilfreich sein, die die Aktivität von Komplement-Eiweissstoffen hemmten.

29. Juni: War das neue Coronavirus schon im März 2019 in Barcelona?

ni. · Nein, das ist kein Schreibfehler. Auf einzelnen Medienportalen ist derzeit zu lesen, dass spanische Forscher das neue Coronavirus Sars-CoV-2 schon im März 2019 im Abwasser von Barcelona nachgewiesen haben wollen. Das gibt der populären Hypothese Auftrieb, wonach das Virus schon Monate vor den ersten bekannten Infektionsfällen – diese traten nach offizieller Darstellung im Dezember 2019 in Wuhan, China, auf – in der menschlichen Population zirkuliert haben könnte. Die jüngsten Berichte beziehen sich auf eine Studie von Wissenschaftern der University of Barcelona. Ihre Arbeit ist bereits am 13. Juni auf dem Preprint-Server medRxiv erschienen, hat bisher aber für wenig Aufsehen gesorgt.

Die Forschergruppe von Albert Bosch hat in zwei Kläranlagen in Barcelona nach dem neuen Krankheitserreger gesucht. In einem ersten Schritt haben sie wöchentliche Wasserproben analysiert, um die Entwicklung der Covid-19-Pandemie in der Grossstadt nachzuzeichnen. Denn auch wenn der Ansteckungsweg bei diesem Virus hauptsächlich über die Atemwege führt, wird es auch mit dem Stuhl ausgeschieden. Die Spur des Erregers sollte sich daher auch im Abwasser finden lassen.

Tatsächlich konnten die Forscher zeigen, dass die im Abwasser gefundenen Mengen an Sars-CoV-2-Erbgut mit dem im Frühling in der Stadt einsetzenden Rückgang der Fallzahlen parallel verliefen. In einem zweiten Schritt untersuchten sie dann auch noch aufbewahrte Wasserproben, auch solche aus dem Jahr 2019. Und da machten sie zwei unerwartete Funde. Zum einen liess sich das Virus im Abwasser der Kläranlagen schon 41 Tage vor dem ersten offiziellen Infektionsfall in Barcelona nachweisen; dieser stammt vom 25. Februar 2020. Zum andern – und das ist das Spektakuläre der Studie – fanden die Forscher in einer Wasserprobe vom 12. März 2019 Genomsequenzen, die auf die Präsenz von Sars-CoV-2 hindeuten sollen. Laut den Studienautoren zeigt das erstaunliche Ergebnis, dass das Virus schon lange vor den ersten Berichten über die weltweit ersten Covid-19-Fälle in Barcelona zirkulierte.

Aufgrund dieses einen Ergebnisses auf das Vorhandensein des Virus im März 2019 in Barcelona zu schliessen, ist einigen Kommentatoren der Studie jedoch zu früh. Auch die Virologin Isabella Eckerle von der Universität Genf äussert sich in einem Tweet sehr skeptisch: Für einen Beweis müsste schon die (oder zumindest eine Teil-)Sequenz des Virus vorgelegt werden. Nur so könne man anhand von phylogenetischen Analysen zeigen, dass es sich dabei um eine frühe Variante von Sars-CoV-2 handle, so Eckerle.

Andere Forscher weisen darauf hin, dass in der Probe vom 12. März 2019 nicht Sars-CoV-2 nachgewiesen wurde, sondern lediglich zwei Genomabschnitte (von mehreren gesuchten), die auf Sars-CoV-2 hindeuten könnten. Interessanterweise liessen sich diese beiden Erbgutschnipsel weder in früheren noch in späteren Wasserproben der Kläranlage finden. Ein Forscher schreibt dazu in seinem Kommentar, dass auch eine Kontamination im Labor zu dem Ergebnis geführt haben könnte.

30. Juni: Das HIV-Mittel Lopinavir-Ritonavir ist bei Covid-19 nutzlos

ni. · Wie andere Substanzen gehörte das bei HIV-Patienten eingesetzte Kombinationspräparat Lopinavir-Ritonavir seit Beginn der Corona-Pandemie zu den Hoffnungsträgern bei der Behandlung von schwer erkrankten Covid-19-Patienten. Diese Hoffnung hat sich nun zerschlagen. Wie ein Sprecher der britischen Recovery-Studie am Montag in einer Medienmitteilung schreibt, hat sich bei der Überprüfung der Substanz kein klinischer Nutzen für die Behandelten ergeben.

In der drei Monate dauernden Evaluationsstudie waren 1596 Covid-19-Patienten – zusätzlich zur üblichen Therapie – mit dem HIV-Medikament behandelt worden. Bei der Berechnung der Mortalitätsrate nach 28 Tagen zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied zur Vergleichsgruppe von 3376 Patienten, die das Mittel nicht bekommen hatten. In beiden Gruppen waren gut 20 Prozent der Personen nach dieser Zeit gestorben.

Laut der Mitteilung der University of Oxford hatte das Medikament auch keinen günstigen Einfluss auf das Risiko der Patienten, eine künstliche Beatmung zu benötigen. Damit hat die Recovery-Studie nach dem von Präsident Trump als Wundermittel angepriesenen Malariamittel Hydroxychloroquin schon den zweiten medikamentösen Hoffnungsträger bei Covid-19 zu Grabe getragen. Bei einer anderen Substanz, Dexamethason, die zu Beginn nur wenige auf dem Schirm hatten, ist allerdings das Gegenteil passiert: Die Studie konnte nachweisen, dass sich damit bei Schwerkranken Leben retten lassen.

25. Juni: Covid-19 im globalen Süden: Jung, aber häufig vorerkrankt

rtz. · In den Industrieländern wird eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus vor allem für Menschen jenseits des Pensionsalters gefährlich: Sie sind es, die am ehesten schwere Verläufe durchmachen oder dem Virus erliegen. Deswegen, so lautete eine in den letzten Wochen häufig wiederholte These, könnte der globale Süden trotz vergleichsweise schlechterer medizinischer Versorgung weniger hart von der Pandemie getroffen werden. Denn die Bevölkerungen Afrikas, Südamerikas und Südostasiens seien so jung, dass dort mit einer noch höheren Anzahl milder Verläufe und einer entsprechend niedrigeren Quote schwerer Erkrankungen und Todesfälle zu rechnen sei.

Dem widerspricht nun eine Studie von Forschern des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock, Deutschland. Die Menschen in Ländern des globalen Südens seien nicht weniger von der Pandemie betroffen, wenngleich die Bevölkerung dort im Durchschnitt jünger sei, schreiben die Forscher. Dies, weil der Anteil der Menschen im Erwerbsalter mit Vorerkrankungen dort deutlich höher ist als in Europa.

Laut der Studie, für die Marilia Nepomuceno und ihre Kollegen Daten der Global Burden of Disease Database ausgewertet haben, leiden in Brasilien und Nigeria Erwachsene in fast jedem Alter häufiger an Vorerkrankungen als in Italien. Damit steigt auch ihr Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19. Bei den Menschen Anfang 20 in Brasilien und Nigeria liegt der Anteil derjenigen, die an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leiden, mehr als zwei Mal höher ist als in Italien. Auch bei chronischem Nierenversagen und der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) ist die Prävalenz, also der Anteil der Erkrankten in der Bevölkerung, in Brasilien und Nigeria bei Menschen über 40 Jahren im Vergleich zu Italien deutlich höher. Bei Frauen in Nigeria können die Unterschiede in der Prävalenz sogar bis zu viermal höher sein als in Italien.

Es sei deshalb anzunehmen, dass dort die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter weitaus anfälliger für schwere Formen von Covid-19 sei als in Europa, schliessen Nepomuceno und ihre Kollegen. Die Arbeit erscheint in den «Proceedings of the National Academy of Sciences» (PNAS).

23. Juni: Machen Mutationen das Coronavirus gefährlicher?

rtz. · Die zurzeit zirkulierenden Coronaviren unterscheiden sich im Erbgut jeweils an etwa 10 bis 15 Stellen von denjenigen, die zu Anfang der Pandemie auftauchten. Eine davon könnte das Virus möglicherweise leichter übertragbar machen. Warum man sich deswegen vorerst keine Sorgen machen muss, erklärt unsere Wissenschaftsredaktorin Stephanie Kusma in einem separaten Artikel.

22. Juni: Wann kommt die befürchtete «zweite Welle»?

rtz. · Abermals befasst sich eine Studie mit der Frage, wie schnell nach der Aufhebung von strikten Massnahmen der sozialen Distanz ein Wiederanstieg der Fallzahlen zu erwarten ist. Leonardo López und Xavier Rodó vom Barcelona Institute for Global Health haben dazu verschiedene Szenarien modelliert (es handelt sich um ein modifiziertes SEIR-Modell); die Ergebnisse erscheinen in der jüngsten Ausgabe von «nature human behaviour». Die Forscher fokussieren auf die Dynamik der Covid-19-Epidemie in Spanien, vergleichen ihre Ergebnisse aber auch mit den Verläufen in Neuseeland, Japan, den USA und anderen Ländern.

Die Ergebnisse der Forscher legen nahe, dass eine zweite Welle umso früher eintritt, je kürzer ein strikter Lockdown durchgehalten wird. Bei einem 30-tägigen Lockdown prognostiziert die Simulation bereits für die zweite Julihälfte einen erneuten, rapiden Anstieg der Infektionszahlen. Bleiben die Massnahmen für 60 Tage in Kraft, verzögert sich die zweite Welle bis in den September. Nach einem 90-tägigen Lockdown wäre ein erneuter Anstieg der Infektionszahlen sogar erst Anfang Dezember zu erwarten. Dies jeweils für den Fall, dass alle einschränkenden Massnahmen am Ende des Lockdowns gleichzeitig aufgehoben werden und dass diese Regelungen für alle Bevölkerungsgruppen gleichermassen gelten.

Dies verglichen die Forscher mit modifizierten Strategien, bei denen die Bevölkerung nach und nach aus dem Lockdown entlassen wird beziehungsweise besonders gefährdete Menschen länger an die Schutzmassnahmen gebunden bleiben. Beide Strategien verringerten die zu erwartende Anzahl Infizierter und Toter.

19. Juni: Abwasser als Frühwarnsystem für Sars-CoV-2

rtz. · In Abwasserproben aus Turin, Mailand und Bologna haben Forschende das neuartige Coronavirus nachgewiesen. Das teilt das Instituto Superiore di Sanità in Rom mit. Die frühesten Proben, die das Virus enthalten, wurden demnach in Turin und Mailand am 18. Dezember 2019 entnommen; die älteste mit dem Virus belastete Probe aus Bologna stammt vom 29. Januar 2020. Damit ist ein weiterer Nachweis dafür erbracht, dass das Virus keineswegs erst Anfang Jahr nach Oberitalien eingeschleppt wurde, sondern bereits einige Wochen früher dort zirkulierte. Dies hatten Wissenschafter bereits vermutet, insbesondere weil gegen Ende des Jahres 2019 in der Region eine ungewöhnliche Häufung von schlimmen Lungenentzündungen beobachtet wurde. Doch war damals von einem neuen Virus noch nicht die Rede, geschweige denn ein präziser Test verfügbar. Die nun untersuchten Abwasserproben wurden im Rahmen von regelmässigen, standardisierten Kontrolluntersuchungen genommen, wie es sie überall gibt.

Ähnliche Ergebnisse liegen aus Frankreich, aus Spanien und den Niederlanden, aber auch aus der Schweiz vor: Forscher der Empa haben in Abwasserproben aus Lugano und Zürich eine Belastung mit Sars-CoV-2 nachweisen können, und zwar beginnend mit Proben, die schon Ende Februar genommen wurden. Damals war in Lugano nur ein einziger Infektionsfall bekannt, in Zürich gab es dazumal 6 Fälle.

Die Ergebnisse sind nicht nur rückblickend interessant. Vielmehr beabsichtigen die Forscher, auf der Basis engmaschiger Probenentnahmen aus dem Abwasser und effizienter Analyseverfahren ein Frühwarnsystem für die Ausbreitung von Sars-CoV-2 aufzubauen. Mit diesem könnten allfällige regionale Ausbrüche rasch entdeckt und entsprechend gegengesteuert werden.

Übrigens: Dass das Virus im Abwasser gefunden wurde, bedeutet keineswegs, dass eine Ansteckung via Trinkwasser möglich ist. Denn die Viren, die die Forscher im Abwasser dingfest machen, sind bereits tot.

17. Juni: Wie anfällig sind Kinder?

rtz. · Abermals kommt eine Studie zu dem Ergebnis, Kinder seien – anders als bei anderen Infektionskrankheiten – nicht die Treiber der Epidemie. Forscher von vier Spitälern in Süddeutschland haben untersucht, wie viele Kinder und Eltern aus einer Stichprobe von 5000 Personen Antikörper gegen Sars-CoV-2 gebildet haben. Entsprechende Antikörper wurden lediglich bei 45 Erwachsenen und 19 Kindern gefunden.

Eine abschliessende Antwort auf die Frage, welche Rolle Kinder bei der Übertragung und Verbreitung des neuartigen Coronavirus spielen – und ob die Öffnung von Schulen und Kindergärten weitgehend gefahrlos möglich ist –, ist damit aber immer noch nicht gegeben. Warum, haben wir hier ausführlich erläutert.

16. Juni: Ein altbekanntes Medikament weckt neue Hoffnungen

rtz. · In Oxford wurden mit dem Medikament Dexamethason beachtliche Behandlungserfolge bei schwerkranken Covid-19-Patienten erzielt. Das weckt Hoffnungen, insbesondere weil es sich bei dem Medikament um ein äusserst günstiges, lange bewährtes Cortisonpräparat handelt. Damit kommt es auch für die Behandlung von Patienten in armen oder weniger wohlhabenden Ländern infrage.

Über diese Ergebnisse haben wir in einem separaten Artikel berichtet.

15. Juni: Nur 11 Prozent der Genfer haben sich infiziert

lsl. · Das wahre Ausmass der Covid-19-Pandemie ist schwer abzuschätzen, denn viele der Infizierten haben sich nie testen lassen. Um den Verlauf der Epidemie dennoch nachvollziehen zu können, haben Forscher im Kanton Genf breitflächige Antikörpertests durchgeführt. Die Ergebnisse haben sie in der Zeitschrift «The Lancet» publiziert.

Im Blut von fast 2800 zufällig ausgewählten Personen haben die Forscher über fünf Wochen hinweg nach Antikörpern gesucht. Diese Moleküle werden im Körper gebildet, um das Virus abzuwehren, und lassen sich auch mehrere Wochen nach einer Infektion noch nachweisen.

Im Verlauf der Studie nahm der Anteil der Personen, die Antikörper aufwiesen, zu: von 5 Prozent der getesteten Personen in der Woche vom 6. April auf 11 Prozent in der letzten Woche, jener vom 9. Mai. Bei Kindern und älteren Menschen über 65 Jahren fiel das Ergebnis seltener positiv aus. Entweder steckten sie sich weniger häufig an – was bei den alten Menschen auf effektive Schutzmassnahmen zurückzuführen sein könnte – oder sie bildeten seltener Antikörper.

Das bedeutet, dass sich sogar in einem so stark betroffenen Kanton wie Genf nur jeder zehnte Einwohner mit dem Virus angesteckt hat. Zum Vergleich: Mit den gängigen Virustests gab es in Genf auf 10 000 Einwohner 104 positiv Getestete, 35 waren es in der ganzen Schweiz, 44 in Grossbritannien und 63 in den USA (Stand 15. Juni, Quelle: corona-data.ch). Der Kanton Genf gehört demnach zu den am stärksten betroffenen Regionen weltweit.

In einer anderen Publikation in der Zeitschrift «Nature» hat eine Forschergruppe anhand der Todesfälle in Europa berechnet, dass sich zwischen 3,2 und 4 Prozent der Bevölkerung mit dem Virus infiziert haben – mit starken regionalen Schwankungen.

Damit dürfte nach der ersten Infektionswelle auch erst ein kleiner Teil der Bevölkerung immun gegen eine erneute Infektion sein. Wobei noch nicht klar ist, wie lange die Immunität im Fall von Sars-CoV-2 überhaupt anhält.

12. Juni: Viele haben im Lockdown mehr, aber schlechter geschlafen

ni. · Bis zu 50 Minuten länger haben Personen während des Lockdowns geschlafen. Das zeigt eine Studie der Universität Basel und der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel. Für ihre Arbeit haben Christine Blume und ihre Forscherkollegen 430 Personen in der Schweiz, Deutschland und Österreich befragt. Da die Probanden zwei Fragebögen ausfüllten – einen für die Zeit vor und einen für die Zeit nach dem Shutdown in ihrem Land –, ähnelt die Untersuchung einem medizinischen Experiment.

Mit der sechs Wochen im März und April abdeckenden Studie wollten die Forscher – zu ihnen zählt auch der Basler Chronobiologe Christian Cajochen – herausfinden, wie sich der Lockdown auf die Schlafdauer und die Schlafqualität der Menschen auswirkte. Fachleute gehen davon aus, dass viele Schlafstörungen das Resultat unseres modernen Lebensstils sind. Dabei diktiert nicht die auf das Sonnenlicht ausgerichtete innere biologische Uhr unsere Schlaf- und Wachphasen, sondern der hektische Arbeitsrhythmus und das Freizeitverhalten. Ist die Diskrepanz zwischen diesen beiden Taktgebern gross, kommt es zu einer Art dauerhaftem Jetlag, was nachweislich die körperliche und geistige Gesundheit schädigt.

Im Lockdown arbeiteten über 85 Prozent der Teilnehmer der Basler Studie im Home-Office. Bei ihnen fiel nicht nur der Arbeitsweg weg. Sie dürften auch ihre Arbeitszeiten flexibler gestaltet haben können. Dadurch sollte sich der sogenannte soziale Jetlag – dieser bemisst sich am Unterschied in der Schlafenszeit und der Schlafdauer zwischen den Arbeitstagen und den freien Tagen – verringert haben. Diesen Effekt konnten die Forscher tatsächlich nachweisen. So reduzierte sich bei den Befragten während des Lockdowns der Unterschied bei der Schlafenszeit (zwischen Werktagen und Freitagen) um durchschnittlich 13 Minuten; bei der Schlafdauer verringerte sich der Unterschied um 25 Minuten.

Wie die Analyse weiter zeigt, schliefen die Befragten während des Lockdowns täglich um durchschnittlich 13 Minuten länger als zuvor; einzelne Probanden schliefen sogar bis zu 51 Minuten länger. Trotzdem führte das Mehr an Schlaf nicht zu einer Verbesserung der wahrgenommenen Schlafqualität. Im Gegenteil: Die Befragten beurteilten ihre Schlafqualität während des Lockdowns sogar als etwas schlechter als in den Wochen zuvor. Wie die Basler Forscher schreiben, dürfte das damit zusammenhängen, dass die Corona-Krise und der damit verbundene Lockdown für die Befragten in vielerlei Hinsicht belastend gewesen ist.

Die Forscher räumen ein, dass ihre Studienergebnisse nicht eins zu eins generalisierbar seien. So waren zum Beispiel drei Viertel der Befragten Frauen. Die meisten Probanden waren zudem eher gut ausgebildete Personen, die insgesamt keine grösseren Schlafprobleme hatten. Gerade letztere Faktoren dürften dazu geführt haben, dass der positive Effekt von flexibleren Arbeitszeiten in der Studie eher unter- denn überschätzt würde, so die Forscher. Am meisten vom Home-Office profitieren dürften die sogenannten späten Chronotypen, also Personen, deren biologische Uhr ein vergleichsweise spätes Aufstehen erfordert.

10. Juni: Traten die ersten Covid-19-Fälle schon im Herbst in Wuhan auf?

ni. · Nach verschiedenen Studien sind die ersten Fälle von Covid-19 in Wuhan, China, Ende November oder Anfang Dezember aufgetreten. Gleichzeitig gibt es aber auch Hinweise darauf, dass das neue Coronavirus schon Wochen oder Monate früher in Südchina zirkuliert haben könnte. Diese Ansicht vertritt nun auch eine amerikanische Forschergruppe der Harvard Medical School in Boston. Für ihre Untersuchung haben John Brownstein und seine Kollegen anhand von Satellitenaufnahmen die Parkplatzbelegung von sechs Spitälern in Wuhan sowie die aus dieser Gegend stammenden Internetanfragen nach Begriffen wie «Husten» und «Durchfall» analysiert.

Obwohl die Parkplatzbelegung der Kliniken zwischen 2018 und 2020 generell zugenommen hat, liess sich laut den Forschern in den über 100 Satellitenbildern ab August 2019 ein starker Anstieg nachweisen. Fünf der sechs Spitäler erlebten zwischen September und Oktober ein besonders grosses Besucheraufkommen. In dieser Zeit verzeichnete die chinesische Suchmaschine Baidu einen deutlichen Anstieg bei den Suchanfragen nach «Husten» und «Durchfall». Der Begriff «Durchfall» sei dabei besonders interessant, schreiben die Forscher. Denn dieser sei spezifischer für Covid-19 als «Husten», der parallel zur Grippesaison jährliche Peaks zeige.

Auch wenn die Befunde mit einem frühzeitigen Auftreten von Sars-CoV-2 im Herbst 2019 vereinbar sind: Ein Beweis sind sie nicht, das schreiben auch die Autoren der Studie. Eindeutiger wäre die Situation, wenn im Nachhinein noch der Virusnachweis bei Spitalpatienten gelänge, die im Spätsommer oder Herbst 2019 wegen unklaren respiratorischen Symptomen in Wuhan hospitalisiert waren. Dass das möglich ist, hat der Fall eines Patienten in Frankreich gezeigt. Dafür muss im Spital aber noch biologisches Material wie Auswurfsekret oder Blut für eine Nachuntersuchung gelagert sein.

9. Juni: Weitere Hinweise für die Wirksamkeit von Remdesivir

ni. · Das ursprünglich gegen Ebola entwickelte Medikament Remdesivir gehört seit Beginn der Corona-Pandemie zu den vielversprechendsten Therapien für Patienten mit Covid-19. Nach positiven Ergebnissen in klinischen Studien erteilten die USA bereits Anfang Mai eine Ausnahmebewilligung für den Einsatz der Substanz in Spitälern. Die amerikanische Herstellerfirma Gilead hat inzwischen auch eine Zulassung in der Europäischen Union beantragt, wie die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) am Montag mitteilte.

Von Remdesivir ist der grösste Nutzen dann zu erwarten, wenn das Mittel möglichst früh im Krankheitsverlauf verabreicht wird. Welchen Effekt es dann erzielen kann, haben Forscher der amerikanischen National Institutes of Health in Hamilton bei Rhesusaffen untersucht. Im Gegensatz zu unbehandelten Tieren entwickelten Rhesusaffen, die 12 Stunden nach der Infektion mit Sars-CoV-2 Remdesivir erhalten hatten, deutlich weniger Schäden in ihren Lungen. Dieses Ergebnis ging mit einem weiteren Befund einher: Bei den behandelten Affen liess sich im tiefen Atemtrakt nur ein Hundertstel der Coronaviren verglichen mit den unbehandelten Tieren nachweisen.

Ihre Ergebnisse unterstützten eine frühzeitige Behandlung von Covid-19-Patienten mit Remdesivir, schreiben Emmie de Wit und ihre Forscherkollegen in ihrem Artikel. Ein Wermutstropfen bleibt allerdings: Trotz der klinischen Verbesserung liess sich bei den behandelten Tieren keine Reduktion der Virusausscheidung nachweisen. Das bedeutet, dass die Therapie mit Remdesivir keinen grossen Einfluss auf die Infektiosität des Individuums haben dürfte.

8. Juni: Schützt die Tuberkulose-Impfung vor Covid-19?

ni. · Seit längerem wird darüber diskutiert, ob die seit Jahrzehnten verwendete Impfung gegen Tuberkulose (BCG) auch vor Covid-19 schützt. Die Idee ist nicht abwegig, gibt es doch wissenschaftliche Evidenz, dass mit BCG geimpfte Personen auch einen gewissen Schutz vor verschiedenen Infektionskrankheiten haben. Fachleute führen dieses Phänomen auf eine unspezifische Wirkung der Vakzine zurück, die vor allem den angeborenen Teil des Immunsystems gegen Eindringlinge stärken soll.

Um den Nutzen der Tuberkulose-Impfung gegen Sars-CoV-2 abzuklären, griff David Levine von der University of California in Berkeley, USA, zu einem Trick. Er verglich die Daten über die bestätigten Covid-19-Fälle und die Covid-19-Sterberaten in Spanien und in Italien. Der Wissenschafter wählte diese beiden Länder für seine Analyse, weil sie sich bei der Häufigkeit der Tuberkulose-Impfung stark unterscheiden. Während Spanien bis 1981 ein nationales BCG-Impfprogramm für alle Bürger betrieb, wurden in Italien nur wenige Risikopersonen geimpft. In anderer Hinsicht wie der Lebenserwartung, der Altersverteilung oder der Häufigkeit von Risikofaktoren wie Diabetes oder Übergewicht seien sich die Länder dagegen sehr ähnlich, so Levine.

Die Analyse, die erst als wissenschaftlich noch nicht begutachteter Preprint vorliegt, zeigt nun folgendes Bild: Vergleicht man die Covid-19-Fallzahlen und -Mortalitätsraten bei Personen, die vor und nach dem Stopp des nationalen BCG-Impfprogramms in Spanien geboren wurden (41- bis 49-Jährige bzw. 31- bis 39-Jährige), scheinen die älteren Semester in Spanien besser mit dem Coronavirus zurechtgekommen zu sein als ihre Altersgenossen in Italien. Das spreche für einen «Fetzen von Evidenz», dass die BCG-Impfung vor einer Covid-19-Erkrankung schützen könnte, schreibt Levine.

Die vorsichtige Formulierung ist mit Bedacht gewählt. Denn erstens ist nur das Resultat bezüglich der Covid-19-Fallzahlen statistisch signifikant; bei der Mortalität liegt dagegen nur ein statistischer Trend für eine Reduktion vor. Zweitens fällt die nachgewiesene Risikoreduktion bei den Covid-19-Zahlen mit 3,8 Prozent (relativer Risikoreduktion) in Spanien minimal aus. Und drittens gibt es viele möglichen Störfaktoren wie zum Beispiel eine in Spanien und Italien unterschiedlich gute Entdeckung und Meldung von Corona-Fällen, die die Ergebnisse verfälscht haben könnte.

5. Juni: Zwei prominente Studien zurückgezogen

rtz. · Zwei prominente Studien zur Behandlung von Covid-19-Patienten erweisen sich als völlig unseriös. Das Problem: Die Daten für die beiden Studien stammten von der Firma Surgisphere; diese hielten aber einer Überprüfung nicht stand. Über die Studien und ihre Datengrundlage haben wir hier ausführlich berichtet, Medizinredaktor Alan Niederer hat den Forschungsskandal ausserdem kommentiert.

4. Juni: Strategien zur Reduktion von Kontakten

kus.  ·  Der erste Höhepunkt der Covid-19-Pandemie in der Schweiz ist vorbei, und die Massnahmen zur Abflachung der Infektionskurve werden zunehmend gelockert. Dabei soll die Zahl der Neuinfektionen trotzdem möglichst niedrig und die Kurve flach gehalten werden. Hierfür braucht es sinnvolle Massnahmen, denn komplett wieder zu einer Normalität zurückzukehren, wie sie vor Beginn der Pandemie herrschte, birgt stets die Gefahr einer zweiten Infektionswelle. Forschende aus England und der Schweiz haben nun modelliert, wie sich verschiedene Strategien zur Reduktion von Kontakten auf die Infektionskurve auswirken.

Sie untersuchten drei Strategien, wie sie in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift «Nature Human Behaviour» beschreiben: Im ersten Szenario haben nur Personen miteinander Kontakt, die wichtige Charakteristika teilen, etwa in der gleichen Nachbarschaft leben. Hier ist es laut den Forschern wichtig, dass die Attribute so gewählt sind, dass die Gruppen nicht zu gross werden. Die zweite Strategie zielt darauf ab, möglichst nur mit solchen Personen persönlichen Kontakt zu haben, die untereinander ebenfalls in Verbindung stehen. Das hiesse beispielsweise, dass ein geschlossener Freundeskreis untereinander den Kontakt hält, aber persönliche Kontakte mit Freunden ausserhalb dieses Kreises meidet. Im dritten Szenario schliesslich wird strategisch ein Netzwerk aus «sinnvollen» Kontakten gebildet, das ausschliesslich untereinander Kontakt hat. Das kann einerseits bei der Arbeit sein, aber andererseits auch die Entscheidung betreffen, welches Familienmitglied den Kontakt zu einer gefährdeten älteren Person hält.

Diese drei Szenarien (mit einer Kontaktreduktion um jeweils 50 Prozent) verglichen sie dann einerseits mit einem, in dem Personen unlimitiert Kontakt zueinander hatten, und einem weiteren, bei dem Kontakte nicht strategisch, sondern ungerichtet um die Hälfte eingeschränkt wurden. Wie sich zeigte, flachten die drei strategischen Interventionen die Kurve am deutlichsten ab, und das auch dann, wenn sie miteinander kombiniert wurden. Dieses Resultat blieb zudem erhalten, wenn die Forscher Faktoren wie die Infektiosität des Virus oder die Menge der Personen änderten. Letztere war aufgrund der Rechenkapazität der Computer auf 4000 beschränkt.

Die Forscher schliessen hieraus, dass drei verhältnismässig einfache Verhaltensmassnahmen – das Suchen von Gemeinsamkeiten, die Stärkung von Interaktionen innerhalb bestehender Gemeinschaften und wiederholte Kontakte mit immer denselben Personen – dazu beitragen können, die Infektionskurve flach zu halten.

3. Juni: Reproduktionsrate in der Schweiz

Spe. · Durch ein Bündel von Massnahmen ist es der Schweiz in den letzten Wochen gelungen, die Corona-Epidemie in den Griff zu bekommen. Aber immer noch ist unklar, welche Einschränkungen dabei eine Schlüsselrolle gespielt haben. Auf der Suche nach einer Antwort haben Forscher der EPFL modelliert, wie sich die Reproduktionszahl seit Ende Februar entwickelt hat. Die Gruppe von Jacques Fellay stützt sich dabei auf öffentlich zugängliche Daten zur Hospitalisierung von Covid-19-Patienten und zu Todesfällen.

Die Reproduktionszahl gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Laut den Forschern sank diese Zahl von 2,8 Ende Februar auf 0,4 Anfang April. Das entspricht einer Reduktion um 86 Prozent. Aus der Modellierung geht hervor, dass der Rückgang bereits am 6. März begann – also vor den Schulschliessungen und bevor der Bundesrat eine Schliessung von Geschäften, Bars und Restaurants anordnete. Als am 20. März Versammlungen mit mehr als fünf Personen verboten wurden, habe die Reproduktionszahl mit grosser Wahrscheinlichkeit bereits unter der kritischen Schwelle von 1 gelegen, schreiben die Forscher im «Swiss Medical Weekly». Das deckt sich mit früheren Modellierungen von Tanja Stadler von der ETH Zürich in Basel.

In den Labors des Instituts für Medizinische Virologie an der Universität Zürich werden derzeit Corona-Tests ausgewertet.

In den Labors des Instituts für Medizinische Virologie an der Universität Zürich werden derzeit Corona-Tests ausgewertet.

Annick Ramp / NZZ

Die Forscher warnen allerdings davor, deshalb das Versammlungsverbot oder andere Massnahmen des Bundesrates infrage zu stellen. Dem Lockdown sei eine intensive Informationskampagne des Bundes vorausgegangen. Diese habe vermutlich dazu geführt, dass die Bevölkerung bereits vor den Verboten die Abstands- und Hygieneregeln befolgt habe. Zudem sehen die Forscher einen Zusammenhang zwischen der Reproduktionszahl und dem Mobilitätsverhalten der Bevölkerung. Die Zahl der Fahrten zur Arbeit, zum Einkaufen und zur Erholung sei im fraglichen Zeitraum um 50 bis 75 Prozent zurückgegangen.

2. Juni: Das Virus befällt zuerst die Nase

rtz. · Sars-CoV-2 führt bei einem Grossteil der symptomatischen Infizierten zuerst zu Krankheitsanzeichen der oberen Atemwege, im späteren Verlauf sind auch die unteren Atemwege betroffen. Doch war bisher unklar, ob das Virus als Eintrittspforte das Gewebe im Rachenraum benutzt oder eher die Schleimhäute der Nase. Amerikanischen Wissenschaftern aus North Carolina ist es mit innovativen Methoden gelungen zu zeigen, dass das Virus besonders gut die Zellen der Nasenschleimhaut infizieren kann. Sie vermuten, dass sich das Virus von dort aus den Weg in die unteren Atemwege bahnt. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal «Cell» publiziert.

Dies fanden die Forscher heraus, indem sie zwei Ansätze miteinander kombinierten: Zunächst konstruierten sie anhand vorhandener Erbgutdaten ein künstliches, grün fluoreszierendes Sars-CoV-2-Virus. Ausserdem verwendeten sie eine hochsensible Methode zur Quantifizierung der ACE2-Rezeptormenge in menschlichen Zellen der Nasen-, Rachen- und Bronchialschleimhaut. So konnten sie feststellen, dass einerseits die Menge an ACE2 entlang des Weges von den oberen zu den unteren Atemwegen abnahm und andererseits das Virus die oberen Atemwege besser infizieren konnte.

1. Juni: Maske, Abstand und Visier – was nützt?

rtz. · Wer nach einer eindeutigen Antwort auf die Frage sucht, wie man sich im öffentlichen Raum oder bei der Arbeit am besten vor dem Erreger schützen kann, wird schnell frustriert – zu unterschiedlich sind die Einschätzungen und Empfehlungen. Jede Gesundheitsbehörde, jeder Experte scheint derzeit etwas anderes zu raten. Einen Überblick bietet eine neue Veröffentlichung im Fachmagazin «The Lancet»: Für ihre Metastudie haben die Wissenschafter 172 bis Anfang Mai erschienene Fallstudien aus 16 Ländern und 44 Vergleichsstudien ausgewertet. Insgesamt umfassen diese über 25 000 Fälle von Infektionen mit Sars-CoV-2, aber auch Mers und Sars.

Wer eine Maske trägt, sollte sich trotzdem an die Abstandsregeln halten; Konsumenten in einem Einkaufszentrum in Russland.

Wer eine Maske trägt, sollte sich trotzdem an die Abstandsregeln halten; Konsumenten in einem Einkaufszentrum in Russland.

Andrey Rudakov / Bloomberg

Demnach ist der effektivste Schutz vor einer Infektion ein Mindestabstand von einem, besser zwei oder sogar drei Metern. Bei Gesichtsmasken und Augenschutz ist die Schutzwirkung schon nicht mehr ganz so eindeutig. Insbesondere sei das Tragen einer Maske keine Alternative zum Abstandhalten, betonen die Forscher. Auch häufiges Händewaschen und generelle Hygiene schützen. Aber selbst alle Massnahmen zusammen böten keinen vollständigen Schutz. Mitarbeiter im Gesundheits- und Pflegebereich sollten Masken mit einem möglichst hohen Schutzniveau verwenden, also jene der Schutzklasse FFP2 oder N95.

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