Switzerland

Die zweite Welle ist in den Spitälern angekommen – aber die Zahlen zu den Intensivpflegeplätzen sind nach wie vor ungenau

Die Zahl der Corona-Patienten auf den Intensivstationen nimmt zu, die ersten Spitäler verschieben Wahleingriffe. Bis Anfang kommender Woche könnten mehr als ein Drittel aller Kantone ihre Kapazitätsgrenzen erreicht haben. Einzelne Spitäler bekunden aber Mühe, ihre Daten korrekt weiterzuleiten.

Medizinisches Personal auf der Intensivstation im Spital Pourtalès in Neuchâtel während der ersten Corona-Welle im März.

Medizinisches Personal auf der Intensivstation im Spital Pourtalès in Neuchâtel während der ersten Corona-Welle im März.

Jean-Christophe Bott / Keystone

Wie gut ein Land die Corona-Krise bewältigt, hängt unmittelbar mit der Zahl der verfügbaren Betten in der Intensivpflegestation (IPS) zusammen. Je höher diese Kapazität ist, umso belastbarer ist das Gesundheitswesen und umso grösser die Wahrscheinlichkeit, dass die Zahl der Todesfälle verhältnismässig tief gehalten werden kann.

Noch vor Wochenfrist bezeichnete die Schweizerische Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI) die Zahl der Intensivpflegeplätze als «ausreichend». Diese Aussage dürfte demnächst überholt sein. Laut einer Prognose der ETH-Plattform icumonitoring.ch werden bereits Anfang kommender Woche zehn Kantone 80 bis 100 Prozent ihrer IPS-Kapazitäten ausgeschöpft haben (Aargau, Freiburg, Neuenburg, Nidwalden, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn, St. Gallen, Wallis und Zug).

Mehr Betten, weniger Patienten

Die Plattform stand nach der ersten Welle in der Kritik, weil sie eine Überlastung der IPS-Kapazitäten prognostizierte, was aber nie eintraf. Inzwischen wurde das Modell verfeinert, wie der ETH-Professor Thomas Van Boeckel gegenüber dem ETH-Newsdienst festhält. Auch die Spitäler hätten die Berichterstattung verbessert, was die Zahl der Intensivbetten angeht. Es scheine immer noch Spitäler zu geben, die Mühe haben, die Informationen korrekt weiterzuleiten. Dies sei aber mittlerweile selten.

Gemäss den Zahlen des Koordinierten Sanitätsdiensts der Armee (KSD) verfügen die Schweizer Spitäler derzeit über knapp 1080 Intensivpflegeplätze, inklusive des dazu benötigten Fachpersonals. Als realistisches Szenario für einen Maximalausbau gilt die Zahl von 1400 IPS-Betten, auch hier mit Personal. Der KSD erhebt mittlerweile zweimal täglich die Belegung der IPS-Betten in allen Kantonen. Veröffentlicht werden die Zahlen aber nur zwei Mal pro Woche, jeweils am Dienstag und Freitag. Ein Vergleich der aktuellsten Zahlen mit jenen der Vorwoche zeigt, dass die Zahl der Covid-19-Patienten in den Intensivstationen stark angewachsen ist.

Am 23. Oktober zählte der KSD schweizweit noch 144 Corona-Patienten in der IPS, am Dienstag waren es bereits 200. Überraschend ist aber: Die Zahl der belegten IPS-Betten war diese Woche deutlich tiefer als noch in der Vorwoche. Am vergangenen Freitag lagen noch 732 Patienten auf der IPS, am Dienstag waren es noch 681. Die Erfahrungen aus der ersten Welle zeigen, woher dies rühren kann: Zum einen sinkt aufgrund der tieferen Mobilität die Zahl der Arbeits- und Verkehrsunfälle. Zum anderen zögern Patienten aus Angst vor einer Ansteckung, das Spital aufzusuchen, obwohl sie sich dringend in Behandlung begeben müssten – mit fatalen Folgen.

Noch haben die meisten Spitäler Kapazitäten

Betten in Intensivpflegestationen

Kanton Total belegt Covid-19-Patienten frei
AI 0 0 0 0
LI 0 0 0 0
OW 0 0 0 0
NE 14 13 9 1
SH 8 7 2 1
SO 15 14 4 1
SZ 11 9 4 2
VS 25 22 10 3
ZG 8 5 3 3
FR 24 20 10 4

Nicht nur die Auslastung der Intensivkapazitäten ist gesunken, einzelne Spitäler haben bereits zusätzliche Betten bereitgestellt, wenn auch im einstelligen Bereich. Der Kanton Aargau verfügte gemäss KSD-Erhebung Ende letzter Woche über gesamthaft 50 IPS-Plätze, diese Woche waren es 52. Das Kantonsspital ­Baden hat am Montag die erste Eskalationsstufe aktiviert und die Zahl der Intensivpflegeplätze von zehn auf zwölf erhöht, wie Barbara Hürlimann, Leiterin Abteilung Gesundheit, bestätigt.

Auch andere Spitäler haben auf die zweite Welle reagiert. Ebenfalls aufgestockt hat der Kanton Waadt, von 83 auf 85 Betten. Das Kantonsspital St. Gallen aktivierte am Mittwoch die erste von zwei Eskalationsstufen. Das Spital schuf zwar noch keine zusätzlichen IPS-Kapazitäten, wird aber gewisse Wahleingriffe, die eine Intensivpflege nach sich ziehen, ab nächster Woche reduzieren, wie Philipp Lutz, der Sprecher des Kantonsspitals St. Gallen und Mitglied der Task-Force des Spitals, erklärt. Dabei handle es sich etwa um planbare kardiologische Eingriffe.

Zweite Eskalationsstufe

Damit kann das Spital die Zahl der bestehenden 36 Intensivpflegeplätze in den nächsten Tagen auf 44 erhöhen. In der zweiten Eskalationsstufe ist gemäss Lutz ein Ausbau auf 56 Plätze möglich – mehr, als es momentan im gesamten Kanton gibt. «In der Intensivpflege ist nicht die Infrastruktur das Problem, sondern das Personal», sagt Lutz. Beatmungsgeräte könnten zugekauft oder gemietet werden, aber die Fachleute, die solche Geräte bedienen können, seien nicht über Nacht verfügbar.

Diese Ansicht vertritt auch die SGI. Die Gesellschaft geht davon aus, dass der Flaschenhals nicht bei den Betten oder den Beatmungsgeräten liegen wird, sondern beim Personal. «Die gesamte Behandlung kritisch kranker Patientinnen und Patienten erfordert spezifische Fähigkeiten, die Fachärztinnen und -ärzte für Intensivmedizin und Intensivpflegefachpersonen sich in langjähriger Ausbildung aneignen und durch Fort- und Weiterbildungskurse aufrechterhalten», wie die SGI auf Anfrage mitteilt.

Nach der Erfahrung mit der ersten Welle hat das Kantonsspital St. Gallen «IPS-Tandems» gebildet, Zweierteams mit einer Intensivpflege-Fachperson und einer weiteren Fachperson aus einem anderen Bereich. So sollen Engpässe mit bereichsfremdem Personal ausgeglichen werden, ohne auf das Fachwissen verzichten zu müssen. Das Spital habe zudem in der ersten Welle zusätzliches Personal für die IPS geschult, sagt Lutz. «Wir haben dort auf jene Leute gesetzt, die ohnehin schon eng mit der IPS gearbeitet haben, zum Beispiel in der Anästhesie.»

Lutz hält wenig von der Idee, an Spitälern Ad-hoc-Intensivpflegeplätze einzurichten, die bisher keine solche Abteilung hatten. «Intensivpflegeplätze müssen dort sein, wo man die Abläufe kennt.» Zudem gebe es gar nicht genügend Personal, um solche Abteilungen zu betreuen.

Austausch über Kantons- und Landesgrenzen

Bereits in der ersten Welle gut funktioniert hat der Austausch zwischen den Spitälern, auch über die Landesgrenze. Mehrere Schweizer Spitäler haben etwa Covid-19-Patienten aus dem Elsass übernommen, als die Intensivstationen dort überlastet waren. Auch das Kantonsspital St. Gallen hat damals zwei übernommen – der Kanton ist damals vergleichsweise gut durch die erste Welle gekommen.

Jetzt sieht es für mehrere Schweizer Kantone, die damals keine Kapazitätsprobleme bekundeten, deutlich weniger gut aus. Solange die Kapazitäten über Kantons- und Landesgrenzen hinweg ausgeglichen werden können, werden die Spitäler um eine Überlastung ihrer Intensivstationen zwar herumkommen.

Steigen die Fallzahlen allerdings in allen Regionen im gleichen Tempo weiter, dürfte es mittelfristig dennoch zu Engpässen kommen - weil dann erst recht das Personal fehlt, wie die SGI auf Anfrage mitteilt: «Wenn sich die Pandemie ausbreitet und zusätzlich immer mehr Intensivpersonal in Quarantäne muss, wird der sowieso bestehende Personalmangel im Intensivbereich noch verschärft.» Auf den Intensivstationen würden dann Pflegefachpersonen, Ärztinnen und Ärzte ausgerechnet in einer Zeit ausfallen, in der es durch das kalte Wetter auch in normalen Zeiten schon mehr Ausfälle gibt als in anderen Jahreszeiten.

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