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Doping-Debatte bei Olympia 2012? Was steckt hinter dem «Energy Drink» der Briten?

An den Olympischen Spielen von 2012 regnete es Medaillen für das britische Team. Bild: Getty Images Europe

Doping-Debatte bei Olympia 2012? Was steckt hinter dem «Energy Drink» der Briten?

In zehn Tagen hätten die Olympischen Sommerspiele in Tokio begonnen. Doch da der Grossanlass wegen der Coronavirus-Pandemie um ein Jahr verschoben wurde, machen andere Geschichten rund um Olympia Schlagzeilen.

Konkret geht es um die Sommerspiele von 2012 in London und um ein umstrittenes Programm des britischen Dachverbands UK Sport. Dieser soll vor den Heim-Spielen rund 100 Athleten mit einem Wundermittel versorgt haben, das von britischen Steuergeldern finanziert wurde, wie die «Mail on Sunday» gestern aufgedeckt hat.

Das Mittel heisst «DeltaG» – eine Art Energy Drink, das Keton-Ester enthält. Ketone sind Kohlenstoff-Ketten, die vom Menschen natürlich produziert werden, wenn der Körper nicht genug Kohlenhydrate aufnimmt und stattdessen Fettreserven abbaut. Ketone heben auch den Insulinspiegel, machen satt und geben Energie, ohne grosse Stoffwechsel-Arbeit zu verursachen. Untersuchungen zufolge kann man in Ausdauersportarten mit Hilfe von Keton auf fünf Minuten Laufzeit zwischen drei bis sechs Sekunden herausholen.

Steuergelder für Versuchskaninchen

«DeltaG» wurde von Wissenschaftlern der Universität von Oxford für Spezialeinheiten des US-Militärs entwickelt. Mit dem Getränk sollten die Soldaten in der Lage sein, länger hinter den feindlichen Linien operieren zu können. Leistungssteigerungen funktionieren aber natürlich nicht nur bei Soldaten, sondern auch bei Spitzensportlern.

So investierte UK Sport mehrere Hunderttausend Pfund an Steuergeldern, um das Produkt an den eigenen Sportlern zu testen. Das alles soll noch während der ersten Testphase des Mittels am Menschen stattgefunden haben. Der britische Verband wählte über 90 Elitesportler in diversen olympischen Disziplinen aus, die für «DeltaG» als «Versuchskaninchen» herhalten sollten. Namen der Athleten werden keine genannt, nur die Sportarten Radsport, Hockey, Segeln, Leichtathletik, Schwimmen, Moderner Fünfkampf werden erwähnt.

Das Ganze lief ab, ohne die Langzeitfolgen von Keton zu kennen. Die Sportler mussten laut dem Bericht der «Mail» verbindliche Geheimhaltungserklärungen unterschreiben.

Legt sich ein Doping-Schatten über die Olympischen Spiele von London? Bild: EPA/ANP

«DeltaG» kann zwar die Leistungsfähigkeit des Körpers verbessern, hat aber auch starke Nebenwirkungen. Angeblich sollen rund 40 Prozent der Sportler im Versuchsprogramm diese verspürt haben. Die Beschwerden waren Magen-Darm-Probleme oder gar Erbrechen. 28 Sportler sollten die Einnahme des Drinks deshalb gestoppt haben.

In einem Statement streitet der Verband aber ab, dass sie Gesundheitsrisiken für die Sportler in Kauf genommen hätten, um deren Leistung zu fördern: «UK Sport wird nie um jeden Preis die Medaillen suchen».

Nicht auf der Dopingliste

Doch ist der Drink schon Doping? Nein, offiziell befindet sich Keton auch jetzt noch nicht auf der Liste verbotener Substanzen der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). Der britische Dachverband habe dies vor dem Versuch auch abgeklärt. Die WADA teilte damals aber bereits mit, dass sie ihre Position gegenüber Keton auch noch überdenken könnte.

Das veranlasste UK Sports dazu, die Verantwortung auf die Athleten abzuwälzen. «UK Sport garantiert und verspricht nicht, dass die Einnahme von Keton absolut mit den Welt-Anti-Doping-Regularien vereinbar ist, und schliesst daher jegliche Verantwortung für die Einnahme der Keton-Ester aus», zitiert die «Mail on Sunday» ein Informationsschreiben aus dem Versuchsprogramm.

Der Verband hatte für einen möglichen Krisenfall bereits Kommunikationskonzepte entwickelt, um eine allfällige Doping-Debatte in die gewünschten Bahnen zu lenken. Das Projekt mit «DeltaG» wollte man später auch noch der Öffentlichkeit vorstellen – allerdings erst nach dem Abschluss der Olympischen Spiele 2012 in London. (abu)

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