Switzerland

Europa bringt die Fallzahlen unter Kontrolle, die USA nicht – und alles Weitere zum Coronavirus in 26 Grafiken

Welches Land ist wie stark vom Virus betroffen? Was unternehmen Regierungen im Kampf gegen Sars-CoV-2? Die wichtigsten Daten und Fakten zum Coronavirus.

Die Johns-Hopkins-Universität hat für den 24. Juni noch keine Daten publiziert, weshalb die meisten Grafiken momentan auf Stand 23. Juni verbleiben.

Mehr als drei Monate lang herrschte in der Schweiz die «ausserordentliche Lage» gemäss Epidemiengesetz. Der Bundesrat hatte am 16. März die Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung verschärft. Läden, Restaurants, Bars sowie Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe wurden geschlossen, genau wie Schulen und Universitäten – am 19. Juni wurde die «ausserordentliche Lage» aufgehoben.

Ziel des Lockdowns war es, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und vor allem zu verhindern, dass viele Menschen gleichzeitig erkranken und das Gesundheitssystem kollabiert. Nachdem die Fallzahl bis Anfang April immer weiter gestiegen war, ist dieses Wachstum nun seit einiger Zeit abgeflacht. Eine Mehrheit der Patienten ist wohl bereits wieder genesen. Laut den Zahlen der Kantone gab es bisher über 31 000 Fälle.

Über 31 000 Fälle in der Schweiz

Bestätigte Coronavirus-Fälle in der Schweiz (in Tausend)

1 Wechsel der Datenquelle von der Johns-Hopkins-Universität (JHU) zu den Angaben der Kantone.

Die Zahlen zeigen jedoch auch, dass die Fallzahlen seit Ende Mai nicht mehr abgenommen haben. Seit einer Woche steigt die Zahl der täglichen Neuinfektionen sogar wieder leicht. Der Präsident der Covid-19-Task-Force, Matthias Egger, ist deshalb skeptisch, ob weitere Lockerungsschritte derzeit sinnvoll sind.

Fallzahlen in der Schweiz steigen leicht an

Täglich bestätigte Neuinfektionen in der Schweiz, Durchschnitt der letzten 7 Tage

Lineare Skala

Die einschränkenden Massnahmen in der Schweiz scheinen jedoch zunächst gewirkt zu haben. Darauf weisen Berechnungen des Forscherteams um Tanja Stadler an der ETH Zürich hin. Anhand der bestätigten Infektionen, der Zahl der Hospitalisierungen und der Todesfälle hat die Arbeitsgruppe rekonstruiert, wie sich die sogenannte Reproduktionszahl in der Schweiz seit Anfang März entwickelt hat. Diese Zahl muss unter 1 liegen, damit das exponentielle Wachstum gestoppt wird. Denn so steckt eine infizierte Person im Mittel weniger als eine weitere an.

Laut den Berechnungen lag die Reproduktionszahl kurz nach Beginn des Lockdowns bis Mitte Mai unter 1. Inzwischen ist sie jedoch wieder etwas angestiegen. Zurzeit liegt R mit 95 Prozent Wahrscheinlichkeit zwischen 0,9 und 1,4 (Schätzung reicht bis zum 13. Juni). Allerdings ist auch der Unsicherheitsbereich seit Mitte Mai sehr gross, was wohl auch mit den sehr geringen neuen Fallzahlen zu tun hat. Eine Reproduktionszahl um 1 muss in der momentanen Phase der Pandemie nicht unbedingt ein Warnzeichen ein, da sich aufgrund der niedrigen Infektionszahlen auch nur wenige Menschen anstecken.

Reproduktionszahl in der Schweiz liegt etwa bei 1

Schätzung der Reproduktionszahl, basierend auf den bestätigten Fällen in der Schweiz

1 13.–16. März: Grossteil der Lockdown-Massnahmen treten in Kraft.

2 27. April: Erste Lockerungen treten in Kraft.

3 11. Mai: Geschäfte und Schulen wieder geöffnet.

4 6. Juni: Veranstaltungen bis 300 Personen wieder erlaubt, Freizeitbetriebe öffnen.

Eine Studie des Marktforschungsinstituts Intervista im Auftrag der ETH und des Kantons Zürich zeigt, wie stark die täglich zurückgelegte Distanz der Schweizerinnen und Schweizer seit Beginn der einschränkenden Massnahmen abgenommen hat.

Nach dem 16. März war in allen Altersgruppen die täglich zurückgelegte Distanz pro Person im Mittel auf deutlich unter 10 Kilometer gesunken. Personen unter 25 Jahren passen ihr Verhalten am stärksten an, sie hatten sich laut den Daten vor den Einschränkungen am meisten bewegt. In den ersten Tagen nach den ersten Lockerungen war zunächst kein deutlicher Anstieg in der Mobilität sichtbar. Seit Anfang Mai sind die Menschen jedoch wieder etwas mehr unterwegs.

Die Schweizerinnen und Schweizer bewegen sich wieder mehr

Mittlere täglich zurückgelegte Distanz pro Person (Medianwert) in der Schweiz, nach Altersgruppen, in Kilometern

1 13. März: Der Bundesrat schliesst Schulen, verbietet Veranstaltungen mit über 100 Personen, in Bars/Restaurants sind max. 50 Personen erlaubt.

2 16. März: Der Bundesrat erklärt die «ausserordentliche Lage». Bars, Restaurants und viele Läden müssen schliessen.

3 27. April: Erste Lockerungen treten in Kraft.

4 11. Mai: Geschäfte und Schulen wieder geöffnet.

5 30. Mai: Ansammlungen von 30 Personen wieder erlaubt

Die Studie basiert auf den Bewegungsdaten von rund 2500 Personen, die mittels einer App ihren Bewegungsverlauf tracken lassen. Die Zahlen wurden so gewichtet, dass sie für die Schweizer Bevölkerung von 15 bis 79 Jahren repräsentativ sind.

In der Statistik der wöchentlichen Todesfälle in der Schweiz sieht man zudem nun, wie schwerwiegend die erste Welle der Covid-19-Pandemie im Vergleich zu einer Grippewelle ist. In der Kalenderwoche 14 (endete am 5. 4.) wurden 411 Todesfälle bei Menschen über 65 Jahren mehr verzeichnet, als statistisch zu diesem Zeitpunkt zu erwarten wäre. In den Folgewochen ist die Zahl aber wieder zurückgegangen, in der Kalenderwoche 18 (endete am 3. 5.) gab es bereits keine Übersterblichkeit mehr – durch den Lockdown dürfte eine weitaus grössere Übersterblichkeit verhindert worden sein. In der Kalenderwoche 22 (endete am 31. 5.) lag die Zahl der Todesfälle mit 879 gar unter dem unteren Wert der statistisch erwarteten Bandbreite von Todesfällen, der bei 956 lag. Auch in Kalenderwoche 24 starben einige Menschen weniger als statistisch erwartet wurde.

Leichte Untersterblichkeit in der Schweiz

Statistisch erwartbare und tatsächlich eingetroffene Todesfälle pro Woche bei Menschen über 65 Jahren in der Schweiz

Erwartete Todesfälle (Bandbreite)

Tatsächliche Todesfälle

1 Starke Grippewelle

2 Hitzewelle

3 Starke Grippewelle

4 Corona-Welle

Das Total der Übersterblichkeit während der ersten Corona-Welle beträgt 1054 Todesfälle – in der Grippesaison 2015 starben 1322 Menschen mehr, als statistisch erwartet worden war. Sämtliche Fälle der jetzigen Übersterblichkeit Covid-19 anzurechnen, wäre falsch, denn die Lungenkrankheit ist selten die einzige Todesursache. Viele Patienten haben zum Teil schwere Vorerkrankungen. Bei den Personen unter 65 Jahren gibt es laut den Zahlen des Bundesamtes für Statistik gegenwärtig keine Übersterblichkeit.

Aufgeschlüsselt nach Kantonen zeigt sich, dass nicht mehr wie anfangs das Tessin, sondern der Kanton Genf am stärksten vom Coronavirus belastet ist. Dort sind laut Zahlen der Kantone schon 1032 Personen pro 100 000 Einwohner mit dem Virus infiziert.

Die lateinische Schweiz ist stärker betroffen als die Deutschschweiz

Anzahl der Coronavirus-Fälle pro 100 000 Einwohner, nach Kanton

Die lateinische Schweiz ist stärker betroffen als die Deutschschweiz - Anzahl der Coronavirus-Fälle pro 100 000 Einwohner, nach Kanton

Im internationalen Vergleich wird deutlich, dass die Ausbreitungskurve in der Schweiz derzeit sehr flach verläuft.

Auch in den USA flacht die Kurve nun ab

Bestätigte Coronavirus-Ansteckungen nach Land und Anzahl Tagen seit dem 100. Fall

Auch in den USA flacht die Kurve nun ab - Bestätigte Coronavirus-Ansteckungen nach Land und Anzahl Tagen seit dem 100. Fall

Trotz diesen ermutigenden Zahlen: Die Schweiz ist vergleichsweise stark vom Coronavirus betroffen. Sie schafft es auf die Liste der 25 Länder mit den meisten Fällen pro Kopf.

Katar ist derzeit pro Kopf am stärksten betroffen

Bestätigte Coronavirus-Fälle auf 100 000 Einwohner, 25 Länder mit den meisten Erkrankungen auf 100 000 Einwohner

stark gebremste oder gestoppte Ausbreitung**

0100020003000KatarBahrainChileKuwaitPeruSingapurUSAArmenienOmanPanamaWeissrusslandSchwedenBrasilienBelgienSpanienIrlandSaudiarabienVAEGrossbritannienMoldauRusslandItalienPortugalSchweizEcuadorFrankreich

Dieser Pro-Kopf-Vergleich der Infizierten ist mit Vorsicht zu geniessen. Erstens, weil in Ländern mit kleinerer Bevölkerung der Pro-Kopf-Anteil schneller ansteigt als in grösseren Ländern, und zweitens, weil viele Länder sehr unterschiedliche Testverfahren haben.

Die Schweiz testet mehr als Südkorea

Testhäufigkeit in ausgewählten Ländern

Land Stand
Bahrain 27.5. 194 995
Russland 27.5 65 163
Italien 27.5. 59 644
Grossbritannien 27.5. 57 172
Deutschland 24.5. 47 747
Österreich 27.5. 47 462
Vereinigte Staaten 27.5. 46 432
Norwegen 27.5. 44 684
Schweiz 27.5. 44 418
Südkorea 27.5 16 046

Aussagekräftiger für einen Ländervergleich ist darum die Zahl der Verstorbenen. Doch auch hier kommt die Schweiz pro Einwohner auf eine relativ hohe Zahl. Auf 100 000 Einwohner sind bisher in der Schweiz rund 23 Personen an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben.

Andere Länder sind jedoch stärker betroffen. Belgien, mit 11 Millionen Einwohnern ähnlich gross wie die Schweiz, verzeichnet mehr als dreimal so viele Tote pro Kopf. Belgien zählt allerdings auch die Todesfälle in Pflegeheimen, während andere Länder nur die Todesfälle in Spitälern berücksichtigen. Grossbritannien liegt nun bei der Anzahl Toten vor Kopf ebenfalls vor Spanien und Italien.

Belgien und Grossbritannien haben im Vergleich zur Einwohnerzahl am meisten Tote zu beklagen

Anzahl Corona-Tote pro 100 000 Einwohner

BelgienGrossbritannienSpanienItalienSchwedenFrankreichUSANiederlandeIrlandPeruBrasilienEcuadorChileKanadaSchweizMexikoPortugalMoldauPanamaArmenienIran85,0464,6960,6257,3850,6844,3737,0535,4835,4426,2725,1325,0224,0522,9722,9718,5314,9813,8212,8312,612,06

Die Todeszahlen sind jedoch mit einer Unsicherheit behaftet, denn in den meisten Ländern gehören zu dieser Statistik nicht nur jene Personen, die an Covid-19 gestorben sind, sondern auch jene, die im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion gestorben sind. Das sind also zum Beispiel Personen, die einen Herzinfarkt erleiden und sterben und die positiv auf das Coronavirus getestet wurden, aber keinerlei Symptome gezeigt haben.

Global haben sich Millionen Menschen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert. Es sind bereits 189 Länder von der Pandemie betroffen. Von den über 9 Millionen Menschen, deren Ansteckung mit dem Virus bestätigt wurde, gelten über 4,6 Millionen bereits wieder als genesen, das sind rund 50 Prozent (Stand: 23. 6.). Diese Zahlen melden die Forscher der Johns-Hopkins-Universität, die täglich die Daten aus der ganzen Welt zusammentragen.

Die weltweit bestätigten Infektionszahlen steigen weiter an

Zahl der bestätigten Coronavirus-Fälle weltweit (in Millionen)

Gezeigt werden in den folgenden Grafiken immer bestätigte Coronavirus-Ansteckungen. Die Anzahl bekannter Infizierter hinkt stets der Realität hinterher. Es ist davon auszugehen, dass die Zahl der effektiv mit dem Virus infizierten Personen überall höher liegt. Zum einen werden in vielen Ländern nur Risikopatienten und Patienten mit starken Symptomen getestet. Zum anderen verstreichen zwischen der Ansteckung und dem Auftreten erster Symptome etwa fünf Tage, und auch der Sars-CoV-2-Test und seine Auswertung brauchen Zeit.

Wenn es darum geht, das weltweite Fortschreiten der Epidemie zu zeigen, ist der beste Anhaltspunkt die Zahl der Toten. Denn im Gegensatz zu den bestätigten Fallzahlen, wo es grosse Unsicherheiten wie unterschiedliche Zählweise und hohe oder niedrige Testing-Intensität gibt, sind die Todeszahlen in der Regel verlässlich, auch wenn es hier Unterschiede in der Methode der Erfassung geben kann.

Weltweit sind bis anhin über 450 000 Personen an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Absolut am meisten Tote haben die USA, Grossbritannien, Italien und Brasilien. Die folgende Grafik zeigt, wie sich die tägliche Anzahl der Toten entwickelt. Dabei rechnen wir für jeden Tag den Durchschnitt der letzten sieben Tage.

Welche Länder den Höhepunkt der ersten Infektionswelle hinter sich haben

Tägliche Anzahl der Coronavirus-Toten, gleitender Durchschnitt über die letzten 7 Tage, Länder sortiert nach der Gesamtzahl der Toten

In der Grafik wird sichtbar, dass die tägliche Zahl der Toten in vielen stark betroffenen Ländern zurückgeht. Schaut man jene 30 Länder mit den meisten Corona-Toten an, dann haben mehr als zwei Drittel den Peak vorerst überschritten. Etliche Länder (rot eingefärbt) verzeichnen aber täglich noch immer steigende Todesfallzahlen.

In vielen Schwellenländern sind die Fallzahlen stark angestiegen, Brasilien, Russland und Indien zählen nach den USA am meisten Fälle. Warum die Fallzahlen dort zuerst langsamer gestiegen sind, nun aber stärker wachsen, kann mehrere Gründe haben – etwa weniger Testkapazitäten, aber auch lokale Besonderheiten.

Steigende Fallzahlen in vielen Schwellenländern

Bestätigte Coronavirus-Ansteckungen nach Land und Anzahl Tagen seit dem 100. Fall

Steigende Fallzahlen in vielen Schwellenländern - Bestätigte Coronavirus-Ansteckungen nach Land und Anzahl Tagen seit dem 100. Fall

Besonders viele der Länder, die nun zum ersten Mal stark steigende Fallzahlen zu beklagen haben, liegen in Lateinamerika. Auch in Kolumbien und Chile zeigt sich deutlich, dass die Kurve noch nicht abflacht, in Peru ist nur eine leichte Krümmung erkennbar.

Immer mehr Hotspots in Lateinamerika

Bestätigte Coronavirus-Ansteckungen nach Land und Anzahl Tagen seit dem 100. Fall

Immer mehr Hotspots in Lateinamerika - Bestätigte Coronavirus-Ansteckungen nach Land und Anzahl Tagen seit dem 100. Fall

In manchen Ländern waren die Infektionszahlen kurzzeitig stark gesunken und steigen jetzt wieder. Im Iran beispielsweise wird mit der zweiten Corona-Welle gekämpft. In der ersten Juniwoche registrierten die dortigen Gesundheitsbehörden nach offiziellen Angaben 20 323 Neuinfizierte. Dabei übertraf die Zahl der neu Erkrankten am 4. Juni sogar die bisherige Rekordzahl von Ende März. Gleichzeitig nahmen auch die Todesfälle zu.

In Iran steigt die Zahl der Infizierten wieder an

Bestätigte Coronavirus-Fälle, nach Status der Patienten (in Tausend)

In Schweden, das einen Sonderweg geht und von starken Einschränkungen des öffentlichen Lebens abgesehen hat, steigen die Fallzahlen weiterhin deutlich an. In der Ländervergleichs-Grafik oben ist zwar zu sehen, dass die tägliche Zahl der Toten zurückgeht, aber nicht so schnell wie etwa in Frankreich, Belgien oder Deutschland, sondern eher auf dem Niveau der USA.

In Schweden steigt die Zahl der Infizierten weiter an

Bestätigte Coronavirus-Fälle, nach Status der Patienten (in Tausend)

Während in allen umliegenden skandinavischen Ländern die täglich neu bestätigten Fälle immer weniger werden, sieht es in Schweden ganz anders aus. Auch die täglichen Todeszahlen sind in Dänemark und Finnland bei null oder im tiefen einstelligen Bereich angelangt. In Schweden zählt man weiterhin täglich zwischen 20 und 100 Tote.

Schweden als Sonderfall in Nordeuropa

Kumulierte bestätigte Coronavirus-Fälle pro Tag (in Tausend)

Russland meldet in Europa die höchste Zahl an infizierten Personen, darauf folgen Grossbritannien, Spanien und Italien.

In Europa haben Russland und Grossbritannien die meisten Fälle

Bestätigte Fälle des Coronavirus in europäischen Ländern, nach Status der Patienten (in Tausend)

0200400600RusslandGrossbritannienSpanienItalienFrankreichDeutschlandSchwedenBelgienWeissrusslandNiederlandePortugalUkrainePolenSchweizIrlandRumänienÖsterreichMoldauSerbienDänemarkTschechien

Viele Länder mit hohen Fallzahlen in Europa verzeichnen auch einen hohen Anteil verstorbener Patienten. In Grossbritannien sind knapp 43 000 Menschen an Covid-19 gestorben, in Italien über 34 000. In Deutschland sind es nur über 8 800 Verstorbene. Auch Russland verzeichnet wenige Tote, doch diese Zahlen sind umstritten.

Daten zur Übersterblichkeit in Europa zeigen, wie schwerwiegend die Covid-19-Pandemie im Vergleich zu einer Grippewelle ist. Das Netzwerk Euromomo trägt Daten aus verschiedenen europäischen Staaten zur Sterblichkeit zusammen.

In England weicht die Zahl der Todesfälle am stärksten vom statistisch erwarteten Wert ab, der Ausschlag übertrifft jenen der Grippe um ein Vielfaches. Auch in Spanien, Italien, Belgien oder den Niederlanden liegen die Werte höher als bei einer Grippewelle, die Übersterblichkeit ist dort aber wieder stark zurückgegangen. In Irland, Finnland oder Dänemark hingegen zeichnet sich keine Übersterblichkeit ab.

In England und Spanien sterben viel mehr Menschen als bei einer Grippewelle

Abweichung der wöchentlichen Todesfälle von der statistisch erwarteten Sterblichkeit (Anzahl Standardabweichungen), saisonbereinigt, für verschiedene europäische Länder und Regionen

In England und Spanien sterben viel mehr Menschen als bei einer Grippewelle - Abweichung der wöchentlichen Todesfälle von der statistisch erwarteten Sterblichkeit (Anzahl Standardabweichungen), saisonbereinigt, für verschiedene europäische Länder und Regionen

Viele europäische Länder haben in den vergangenen Monaten einschränkende Massnahmen erlassen. Auch Länder, die sehr strenge Massnahmen verhängt hatten, haben mittlerweile begonnen einige Geschäfte zu öffnen. Die folgende Karte zeigt die Lage in Europa im Überblick:

Übersicht der Einschränkungen und Lockerungen in Europa

Nationale Regelungen

Übersicht der Einschränkungen und Lockerungen in Europa - Nationale Regelungen

In den USA steigt die Zahl der bestätigten Infizierungen weiterhin stark an, die Gesamtzahl ist so hoch wie sonst nirgends. Seit Ende März werden in den Vereinigten Staaten mehr Fälle als in China oder Italien gezählt, mittlerweile sind es über 2 Millionen bestätigte Fälle.

In den USA steigt die Zahl der Infizierten nach wie vor

Bestätigte Coronavirus-Fälle pro Land (in Millionen)

Diese Entwicklung ist insbesondere darum besorgniserregend, weil die Ausbreitung des Virus in den USA kaum eingedämmt werden kann. Während die täglichen bestätigten Neuinfektionen in der EU stark zurückgegangen sind, steigen sie in den USA wieder an.

In den USA steigt die Zahl der Neuinfizierungen wieder, während sie in der EU stark zurückgegangen ist

Tägliche Anzahl der neu bestätigten Coronavirus-Fälle, gleitender Durchschnitt über die letzten 7 Tage (in Tausend)

010203040

Auch die Entwicklung der Zahl der Todesfälle in den USA macht wenig Hoffnung: Das Wachstum ist weiterhin stärker als in Frankreich, Italien oder Spanien, auch wenn es sich langsam auch etwas abflacht.

Zahl der Todesfälle in den USA steigt nun etwas weniger stark an

Coronavirus-Todesfälle nach Land und Anzahl Tagen seit dem 20. Todesfall

Zahl der Todesfälle in den USA steigt nun etwas weniger stark an - Coronavirus-Todesfälle nach Land und Anzahl Tagen seit dem 20. Todesfall

In vielen Gliedstaaten wurden teilweise harte Massnahmen ergriffen, um der Ausbreitung der Pandemie entgegenzuwirken. Kalifornien, New York oder Washington erliessen Ausgangssperren. Andere Gliedstaaten erliessen keine Ausgangssperren, beorderten jedoch die Menschen nach Hause und stellten das öffentliche Leben weitestgehend ein. Dazu zählten beispielsweise Illinois, Massachusetts oder Michigan. In Michigan und anderen Staaten kam es zu Protesten gegen diese sogenannten «stay at home»-Beschlüsse. Dies auch, nachdem Präsident Donald Trump dazu aufgerufen hatte, Michigan zu «befreien» und die Massnahmen zu lockern, um die Wirtschaftstätigkeit wieder aufzunehmen.

Wie die amerikanischen Gliedstaaten mit dem Coronavirus umgehen

Wie die amerikanischen Gliedstaaten mit dem Coronavirus umgehen

In den meisten Gliedstaaten sind inzwischen weitgehende Lockerungen in Kraft getreten, und Geschäfte, Restaurants und Kirchen können unter Einhaltung von mehr oder minder strengen Auflagen ihren Betrieb wieder aufnehmen. In einzelnen, besonders von der Pandemie betroffene Gliedstaaten, wie New York und Kalifornien werden die Massnahmen erst schrittweise und vorsichtiger gelockert, um einen Anstieg der Fallzahlen möglichst zu vermeiden.

Seit Ende März gibt es ausserhalb Chinas mehr Fälle als im Ursprungsland der Pandemie. Zudem ist in sämtlichen Provinzen ein grosser Teil der Patienten genesen.

Die meisten Fälle in China sind in der Provinz Hubei aufgetreten, von wo aus das Coronavirus sich in die ganze Welt ausbreitete. Nach Ausbruch der Krankheit riegelte die chinesische Regierung zunächst den Ursprungsort Wuhan ab, wenig später folgten weite Teile der Provinz Hubei. Wuhan hatte schnell provisorische Spitäler errichtet. Parallel dazu wurde die Produktion für Masken und andere benötigte Güter hochgefahren, da der Ausbruch während der Zeit um das chinesische Neujahr stattfand. Auch ausserhalb Hubeis schränkten die Behörden die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung ein.

In Hubei werden keine aktuell erkrankten Patienten gemeldet

Bestätigte Coronavirus-Fälle in der Provinz Hubei, nach Status der Patienten (in Tausend)

1 Peking riegelt Wuhan ab, innert Stunden werden die Massnahmen auf weite Teile Hubeis ausgeweitet.

2 Fertigstellung des zweiten Notfall-Spitals in Wuhan.

3 In Hubei wird die Zählweise bei den Fällen geändert.

4 Die Zahl der momentan Erkrankten beginnt zu sinken.

5 Hubei lockert die Massnahmen ausserhalb von Wuhan.

6 Die Behörden korrigieren die Zahl der Toten in Wuhan um 1290 nach oben.

Am 14. März lockerten die Behörden in Hubei die Massnahmen ausserhalb von Wuhan. Auch andere Provinzen haben ihre Quarantäne in den letzten Tagen gelockert. Gegenwärtig sind in Hubei rund 63 600 Patienten genesen und rund 4500 Personen verstorben, inzwischen werden keine gegenwärtig Infizierten mehr gemeldet. Die Behörden haben die Zahl der Toten am 17. April jedoch stark nach oben korrigiert – dieses Vorgehen wirft Fragen auf.

China steht nun vor zwei Herausforderungen: Zum einen muss das Land die Wirtschaft wieder hochfahren, ohne einen neuen Ausbruch auszulösen. Zum anderen droht nun die Gefahr, dass Reisende aus dem Ausland die Krankheit wieder einschleppen.

Die Entwicklung der Pandemie kann in verschiedene Phasen eingeteilt werden: Zunächst trat das Virus in der chinesischen Provinz Hubei auf, dann breitete es sich im ganzen Land und in anderen Ländern in der Region aus. Die Zahl der bestätigten Fälle in China hat sich bereits im März aber stabilisiert, und die meisten Patienten sind wieder genesen. Das Virus ist auf den anderen Kontinenten angekommen und breitet sich immer weiter aus.

Eine Analyse von Nikolai Thelitz, Alexandra Kohler, Barnaby Skinner, Jonas Oesch, Balz Rittmeyer, Joana Kelén, Anja Lemcke, Julia Monn, Christian Kleeb, Dominik Batz, Kaspar Manz und Florian Seliger.

Hinweis: Um sich über die Gefahren, die mit dem Coronavirus einhergehen, wie auch über aktuelle Massnahmen in der Schweiz zu informieren, besuchen Sie die Informationswebseite des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Weitere Informationen auf Englisch erhalten Sie auf der Website der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die NZZ hat alle Artikel zum Coronavirus hier zusammengestellt. Alles zu den Symptomen und Tipps für den Alltag finden Sie hier.

Methodikhinweis: Dieser Artikel wird jeweils Montag bis Freitag aktualisiert. Für die Schweiz nutzen wir die Zahlen der Kantone, die das Statistische Amt des Kantons Zürich auf Github zur Verfügung stellt. Da vor dem 23. März nicht alle Kantone Zahlen rapportierten, nutzen wir bis zum 23. März die Zahlen der Johns-Hopkins-Universität (JHU). Bei internationalen Vergleichen verwenden wir auch für die Schweiz Zahlen der JHU, um die Vergleichbarkeit zu optimieren. Die Forscher der JHU erheben die Infiziertenzahlen aus verschiedenen Quellen, darunter von den Gesundheitsministerien, aber auch mittels inoffizieller und schneller Quellen wie Online-Nachrichtendiensten und lassen sie jeweils von offiziellen Stellen bestätigen (im Detail hier erklärt). Die Zahlen der JHU sind oft höher als jene der Behörden der einzelnen Länder, zum Beispiel als die des Robert-Koch-Instituts in Deutschland.

Alle Zahlen, die wir zeigen, beziehen sich nur auf die bestätigten Coronavirus-Infektionen in den jeweiligen Ländern. Es ist davon auszugehen, dass die Zahl der effektiven Corona-Infizierten überall höher liegt. Die Wissenschafter sind darauf angewiesen, dass die Regierungsstellen korrekte Angaben machen, was nicht immer sichergestellt ist. Zudem können national oder regional unterschiedliche Vorgehensweisen und eine variierende Häufigkeit von Tests einen Einfluss auf die Vergleichbarkeit der Fallzahlen haben. Die Zahlen der JHU weisen zum Teil kleine Lücken und Korrekturen auf. Mehr dazu, wie die NZZ Daten zum Coronavirus verwendet, lesen Sie hier.


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