Switzerland

Food-Bestellungen haben sich verdoppelt: Der Velokurier verdrängt den Kellner

Das Jahr 2020 ver­ändert unser Leben tiefgreifend. Manches wird vielleicht nie mehr so sein wie vor Co­rona – wie wir arbeiten, reisen, leben. Nichts aber lässt es uns unmittel­barer spüren als die Art und Weise, wie wir essen.

In der Gastronomie, einem wichtigen sozialen Bindemittel – von der Dorfbeiz bis zum Gourmetlokal –, hinterlässt der Lockdown eine Spur der Verwüstung. Laut Bundesamt für Statistik entspricht der Einbruch im zweiten Quartal 21'000 Vollzeitstellen im Vergleich zum Vorjahr. Der Branchenverband Gastrosuisse meldet Umsatzeinbussen von bis zu 66 Prozent. Und die Aussichten sind ungewiss. Niemand weiss, ob die ­Gäste je wieder so zahlreich erscheinen wie zuvor. Oder eine zweite Welle die Wirte wieder zum Schliessen zwingen wird.

Die Gewinner der Krise

Nichts von diesem Elend ist im Berner Mattequartier zu spüren. Wir stehen in einem frisch gestrichenen weissen Gewerberaum an der Gerberngasse. Ein bisschen Industrial Chic in diesem dorfähn­lichen Viertel. Die ­Firma Eat.ch eröffnet hier in diesen ­Tagen ihren neuen «Hub». Das Unternehmen vermittelt Online-Esslieferungen zwischen Restaurants und Kunden. In Reih und Glied stehen die nigelnagelneuen E-Bikes, parat für ihren Einsatz, um die Mahlzeiten von den Restaurants zu den Kunden zu liefern.

Bisher boten Dritte den Vertrieb an. Jetzt hat Eat.ch den Kurierdienst Scoober ins Geschäft inte­griert. Damit deckt das ­Unternehmen mit dem leuchtorangen Logo neu die ganze Dienstleistungskette ab. 25 Scoober-F­ahrer werden an der Aare morgens losfahren und abends auschecken. Der Hub in Bern ist nach Zürich der zweite. Und er wird nicht der letzte sein. «Wir planen weitere Hubs in Lausanne, Genf, Freiburg und an­deren Schweizer Städten», sagt Geschäftsführer Dominic Millioud (42).

Das Land wird mit stets demselben Konzept überzogen: eine Zentrale mitten in der City, sichtbar in trendiger ­Umgebung, mit optimalem Distanzverhältnis zu Food-An­bietern und Abnehmern. O-Ton Mil­lioud: «Der ­Go-to-Punkt einer Stadt.» ­Velos, Rucksäcke, Jacken – alles erscheint im einheitlichen, sofort erkennbaren Eat.ch-Look. «Mehr Branding geht nicht», schwärmt der Chef. Der Ausdruck Offensive ist hier angebracht.

Ein Hauch von Silicon Valley

Eat.ch, im Besitz des niederländischen Tech-Giganten Just Eat Takeaway.com, ist der Krösus im Schweizer Delivery-Geschäft. Es ist sonnenklar: Wir sind bei einem Krisengewinner zu Gast. Im Hub weht ein Hauch von Silicon Valley, dem Epizentrum der New Economy in Amerika, wo Halbgötter in Turnschuhen herrschen.

Die Pandemie hat dem digitalisierten Business ­einen immensen Schub verliehen, auch und ge­rade in der Schweiz. «Wir haben in unserer Wachstumsstrategie anderthalb Jahre gewonnen», bilanziert Mil­lioud. Corona habe man «extrem gespürt», sagt er, «das Volumen hat sich verdoppelt». Quasi über Nacht musste Millioud – «durfte!», betont er – personell aufstocken; für das Back Office in Zürich, aber auch Fahrerinnen und Fahrer.

Während Restaurants dichtmachen, floriert das digitalisierte Home-Delivery-Geschäft. Die Menschen sind nach wie vor vorsichtig und essen seltener auswärts. Auch bei den Konkurrenten von Eat.ch – Smood, Mosi’s oder Uber Eats – läuft es rund. Im Dezember schätzte Millioud im SonntagsBlick, dass der Markt in diesem Jahr auf 1,4 Milliarden Franken wächst. Was nun wohl deutlich übertroffen wird.

Des einen Freud ist des anderen Leid

Der Kontrast zum Beizensterben veranschaulicht dramatisch, was der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter den Prozess der «schöpferischen Zerstörung» nannte. In der beschleunigten Version, in der nicht bloss ­einzelne Marktteilnehmer durch andere verdrängt, sondern wie heute ganze Branchen auf den Kopf gestellt werden, heisst das «Disruption».

Doch Eat.ch-Chef Mil­lioud sieht die Entwicklung seines Unternehmens nicht als schädlich für das herkömmliche Kulinarik-Geschäft – im Gegenteil. «Wir haben mit Eat.ch für Wirte einen zusätz­lichen Verkaufskanal positioniert», sagt er. Neben dem klassischen Restaurant­betrieb und dem Takeaway-Service, wo die Leute vorbeikommen, also die dritte Stufe, das Ausliefern des Essens. «Der Wirt kanni­balisiert sich damit nicht.»

Und die Provision von 30 Prozent, die Eat.ch von den Restaurateuren einsteckt? «Wir haben unsere Kommissionen während Corona sicher nicht erhöht, sondern sie in ge­wissen ­Bereichen sogar gestrichen», sagt Millioud. Man müsse auch bedenken, wie viel Aufwand in Organisation und Distribution stecke. Dazu werde das ganze System profes­sionell aufgebaut. «Das kostet viel Geld.» Auch die Kritik der Gewerkschaften an den Arbeits­bedingungen im Business weist Millioud zurück.

Eine Welt ohne die gewohnten, analogen Gastrobetriebe wünscht sich indes auch Millioud nicht: «Essen bestellen ersetzt nie einen Restaurant­besuch.»

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