Switzerland

«Gelassenheit und Coolness»: Seilbahn-Präsident Hans Wicki will nicht schliessen

(wap) Der Bundesrat sei unter Druck geraten und müsse nun «Gelassenheit und Coolness» an den Tag legen, sagte der Präsident von Seilbahnen Schweiz, Hans Wicki, in der Samstagsrundschau von Radio SRF 1. Den Vorschlag des italienischen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte, die Skisaison europaweit erst nach Weihnachten und Neujahr beginnen zu lassen, lehnt er ab. Italien habe eigene Interessen, so Wicki: Das Datum sei offensichtlich so gewählt, dass es ausgerechnet die Ski-Weltmeisterschaft im italienischen Cortina d'Ampezzo nicht gefährde. Diese soll im Februar stattfinden.

Auch die Schweiz habe deshalb das Recht, für ihre eigenen Interessen einzustehen, sagte Wicki. Eine Schliessung der Skigebiete über Weihnachten und Neujahr habe grosse wirtschaftliche Konsequenzen. Für die Bergbahnen bedeute dies, dass fast die Hälfte des saisonalen Umsatzes wegbrechen würde. Dabei seien die Folgen für die Gastronomie und das lokale Zuliefergewerbe nicht mitgerechnet.

Weiter verwies Wicki auf das Schutzkonzept von Seilbahnen Schweiz, das vom BAG gutgeheissen worden war. Für viele Betriebe sei dies mit grossen Investitionen verbunden gewesen. So hätten etwa die Titlisbahnen, bei denen Wicki Verwaltungsratspräsident ist, technische Anlagen angeschafft, um Gondeln bei jeder Fahrt frisch zu desinfizieren. Die Skigebiete zu schliessen, nachdem die Bahnen diese Investitionen getätigt hätten, gehe nicht.

Verhandlungen zwischen Tourismusregionen und Bund laufen

Ausserdem sei die Angst vor einem «neuen Ischgl» Fehl am Platz. Viele Schweizer Skigebiete seien bereits seit rund zwei Monaten offen. In dieser Zeit sei es zu keinem einzigen Superspreader-Event gekommen. «Ischgl liegt in Österreich», sagte Wicki: In der Schweiz sei die Situation anders. «Après-Ski wird in diesem Jahr in Schweizer Skigebieten nicht gefördert», sagte er.

Bilder von Menschenmengen an Seilbahnstationen, wie sie unlängst der «Blick» veröffentlicht hatte, konterte Wicki mit dem Verweis auf den öffentlichen Verkehr. In Trams stehe man zu Stosszeiten dicht an dicht, das scheine aber niemanden zu stören. Vereinzelt könne es bei Bergbahnen zu kurzen Stausituationen kommen, diese dauerten jedoch nicht lange. Ausserdem würden die Schutzkonzepte ständig aktualisiert, die Betreiber lernten aus der Erfahrung. Wo die Schutzkonzepte nicht eingehalten würden, müsse rigoros durchgegriffen werden. «Man soll schwarze Schafe eliminieren und nicht die ganze Herde strafen», sagte Wicki.

Wicki vertrat die Haltung des Bergtourismus anstelle des Walliser Staatsratspräsidents Christophe Darbellay, der ursprünglich in die Samstagsrundschau eingeladen worden war. Dieser hatte abgesagt, weil er direkt in dringende Verhandlungen zwischen den Tourismusregionen und dem Bundesrat involviert sei, die heute Samstag stattfänden, so eine Information von Radio SRF 1.

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