Switzerland

Google platziert eigene Kader bei Schweizer Firmen

Sandra Emme gehört zu den begehrtesten Managerinnen der Schweiz. Im vergangenen Jahr wurde sie gleich in zwei Verwaltungsräte gewählt, beim Basler Logistikkonzern Panalpina und bei Belimo, die in Hinwil ZH Antriebe für Heizungen, Lüftungen und Klimaanlagen herstellt.

Nun will sich auch Metall Zug mit der Wirtschaftsfachfrau verstärken, die seit 2011 bei Google Schweiz arbeitet, derzeit als Verantwortliche für die Luxus- und Finanzbranche. Die 47-Jährige soll an der Generalversammlung vom Mai in den Verwaltungsrat des Traditionsunternehmens gewählt werden, das durch seine Küchengeräte der Marke V-Zug bekannt ist.

Kurz nach der Wahl kommt Google zum Zug

Auffällig: Nur ein Jahr, nachdem Emme bei Belimo im Verwaltungsrat Einzug hielt, gab das Unternehmen diesen März bekannt, Google als künftigen Cloud-Anbieter gewählt zu haben. Die Konkurrenten Amazon und Microsoft haben das Nachsehen.

Das Gleiche geschah beim Zuger Touristikunternehmen Hapimag. Dort sitzt seit zwei Jahren mit Philipp Ries ein Manager von Google im Verwaltungsrat. Im vergangenen Jahr begann der Feriendienstleister, der zuvor während Jahren mit der Bürosoftware Office von Microsoft gearbeitet hatte, mit der Umstellung auf das Konkurrenzprodukt Google Suite. Haben die Google-Vertreter in den Verwaltungsräten von Belimo und Hapimag bei der Auftragsvergabe den Ausschlag gegeben? Nein, beteuern beide Firmen. Die Auswahl der neuen Plattform sei durch Fachabteilungen geschehen; den Entscheid habe die Geschäftsleitung ohne Einbezug des Verwaltungsrats vorgenommen.

«Inbegriff für den digitalen Wandel»

Doch der wachsende Einfluss von Google auf die Schweizer Wirtschaft stösst auf Kritik. Denn das Unternehmen, das einst mit einer Suchmaschine startete, ist heute einer der grössten Anbieter von Bürosoftware und Cloud-Anwendungen. So werden externe Informatik­angebote wie Speicherplatz, Rechenleistung und Applikationen bezeichnet, auf die über das Internet zugegriffen wird.

Google zählt in der Schweiz mehr als 2500 Mitarbeiter und nimmt stärker Einfluss auf Grosskonzerne und KMU als IBM und Microsoft, die hierzulande ebenfalls grössere Niederlassungen zählen. Beim jährlich stattfindenden Digitaltag ist Google einer von fünf Hauptsponsoren.

Mandat bei der Axa-Winterthur

«Google ist der Inbegriff für den digitalen Wandel», sagt der Topkadervermittler Björn Johansson, der Schweizer Firmen auch schon Manager des Technologieriesen vermittelt hat. Er sieht die Google-Kader bei Stellenbesetzungen im Vorteil gegenüber Fachleuten anderer grosser Informatikfirmen. «Google wird in der Schweiz am stärksten mit digitaler Innovation in Verbindung gebracht», sagt Johansson. Zudem sei das Unternehmen sehr offen, was die Bewilligung von Nebentätigkeiten ihrer Mitarbeiter betrifft.

Das trifft sogar für Patrick Warnking zu, den Chef von Google Schweiz. Er sitzt im Verwaltungsrat des Versicherers Axa-Winterthur und ist Mitglied der Beiräte der ETH und der Universität Zürich. Er tritt auch an Podien auf und hält Vorträge über die «digitale Revolution». Mit Anna Mossberg ist seit einem Jahr eine frühere Google-Spitzenfrau Verwaltungsrätin der Swisscom. Sie arbeitete zuvor im Management von Google Schweden.

«Nachdem die Firmen ihre Geschäftsleitungen mit Spezialisten aus der digitalen Welt verstärkt haben, nimmt das Fachgebiet nun immer mehr auch Einsitz in den Verwaltungsräten», sagt Rafael ­Paravicini vom Kadervermittler Heidrick & Struggles. Die Vielfalt in den Gremien gewinne stark an Bedeutung, sagt er. Das betreffe nicht nur die Geschlechterfrage, sondern auch die Kompetenzen. Informatik gehöre heute «in fast allen Branchen zu den Kernkompetenzen». (Redaktion Tamedia)