Switzerland

Jetzt spricht FCSG-Sportchef Alain Sutter: «Die Fan-Reaktionen gegen Hefti waren logisch»

BLICK: Alain Sutter, bricht St. Gallen diese Saison ein?
Alain Sutter:
Die Saison hat ja noch gar nicht begonnen und wir haben noch nichts erreicht. Deshalb können wir gar nicht einbrechen. Bei uns muss jedem bewusst sein, dass alles neu ist. Alles, was nun kommt, hat nichts mehr mit der vergangenen Saison zu tun. Man kann die neue Spielzeit nicht mit der alten vergleichen.

Sie haben schon ganz schön Substanz verloren.
Es ist eine neue Mannschaft, acht Spieler gingen, sechs kamen dazu. Es braucht wieder Zeit, um dieses Team weiterzuentwickeln. Wir haben den Prozess mit Peter Zeidler vor zwei Jahren begonnen und dieser Weg war Ende Saison noch nicht zu Ende, sondern geht jetzt weiter.

Also ist die Wiederholung von Platz 2 unrealistisch.
Wir gehen in jedes Spiel, um es zu gewinnen und dominant aufzutreten. Der Grundsatz, wie wir Fussball spielen wollen, bleibt der gleiche. Was am Ende dabei herauskommt, werden wir sehen.

Gerade der Wechsel von Silvan Hefti zu YB sorgte für viel Wut bei den Fans. Können Sie diese Wut nachvollziehen?
Es liegt in der Natur der Sache. Du bist Captain, einer von hier, eine Integrationsfigur und dann wechselst du innerhalb des Landes zum grössten Konkurrenten – die Reaktionen waren logisch.

Verstehen Sie ihn?
Ich war überrascht. Ich erwartete einen Wechsel ins Ausland.

Hatten Sie denn ein Angebot für ihn aus dem Ausland auf dem Tisch?
Nein.

Gut, bei YB wird er das Drei- bis Vierfache verdienen.
Das kommentiere ich nicht.

Sein Vertrag lief noch ein Jahr. Gab es nie eine Chance mit ihm zu verlängern?
Nein. Es war seit 2018, als ich zu St. Gallen kam, klar, dass er den nächsten Schritt machen will.

Zwischenzeitlich gab es Gerüchte, dass auch noch Jordi Quintillà zu YB wechsle.
Das war nur dummes Geschwätz.

Peter Zeidler soll getobt haben wegen des Hefti-Wechsels.
Das kann ich mit einem klaren Nein beantworten. Dass der Trainer nicht himmelhoch jauchzt, wenn prägende Spieler gehen, ist normal. Aber es war immer ein Dialog.

Peter Zeidler betritt die Loge im Kybunpark. «Hoher Besuch, ich will nur kurz Hallo sagen», sagt der Trainer schmunzelnd und streckt die Faust entgegen. «Von dir hatten wir es gerade», sagt Sutter. Waren Sie sauer, Herr Zeidler? «Ja klar, Alain und ich kommunizieren nur noch via E-Mail … » Ein schallendes Lachen und der Trainer ist schon wieder durch die Tür.

Cedric Itten empfand einen Wechsel nach Schottland als Aufstieg. Hätten Sie das als Spieler auch so gesehen?
Das ist hypothetisch. Aber ich halte die Glasgow Rangers schon für eine Hausnummer, ich kann den Wechsel nachvollziehen. Es ist auch ein guter Schritt für ihn, nicht direkt in die Premier League zu gehen. Sondern zu einer Mannschaft, die dominiert. Das machts für Stürmer einfacher, Tore zu schiessen. Und ihn zu halten, da hatten wir ebenfalls keine Chance.

Wie auch bei Ermedin Demirovic, weil er nur ausgeliehen war. Heisst das in Zukunft, dass Sie auf solche Leihgeschäfte verzichten wollen?
Nein. Leihgeschäfte gehören dazu, die werde ich immer machen, wenn es Sinn macht. Du bekommst so Spieler, die du sonst nie bekommen würdest, und sie helfen dir eine bestimmte Zeit lang, die Mannschaft besser zu machen. Das war bei Ashimeru, Sierro und Demirovic so. Und es half allen weiter: Uns für ein Jahr. Dem Spieler in seiner Entwicklung. Und dem Besitzerklub beim Marktwert.

Warum haben Sie selten die Option, einen zu kaufen?
Weil es für uns finanziell nicht realistisch ist. Da können wir nicht konkurrieren.

Zuletzt verloren Sie den 16-jährigen Federico Crescenti an Red Bull Salzburg. Was sagen Sie zu dieser neuen Entwicklung, dass man die Spieler immer jünger ködert?
Das ist keine neue Entwicklung. Das ist seit Jahren oder Jahrzehnten so, Lionel Messi kam auch mit 13 aus Argentinien nach Barcelona. Es ist ein Business-Modell für die grossen Vereine. Einzelne Grossvereine haben 70, 80 Spieler unter Vertrag und verleihen diese. Vielleicht schaffts einer in die ersten Mannschaft – aber die anderen werden insgesamt gewinnbringend verkauft, weil ein 16-Jähriger ja noch wenig kostet. Die Klubs haben sogar einen eigenen Lohnmanager für Leihen. Ich finde das legitim, und es ist ein Geschäftsmodell, das funktioniert.

Also können Sie Crescenti verstehen, dass er St. Gallen verlassen hat?
Nein, nicht wirklich, da er bei uns ein ideales Umfeld hatte, um sich weiterzuentwickeln, und in einem Verein war, der sehr stark auf eigene junge Spieler setzt.

Und die soziale Verantwortung, dass man einen jungen Menschen aus seinem Umfeld reisst?
Letztlich ist das die Verantwortung der Eltern, bis die Spieler 18 Jahre alt sind.

Peter Zeidler und Sie haben im Doppelpack bis 2025 verlängert. Macht es denn Spass, immer wieder die besten Spieler zu verlieren und dann wieder bei Null anzufangen?
Als wir angefangen haben, musste man erst den Klub auf wirtschaftlich gesunde Beine stellen. Dann sportlich weiterentwickeln. Nun wären wir in diesem Sommer ohne Coronakrise das erste Mal imstande gewesen, investieren zu können, und hätten auf dem Transfermarkt andere Entscheidungen treffen können. Ich finde unser Projekt super spannend, so wie es ist, und wir werden alles tun, um noch stabiler zu werden.

Ein grosser Traum von Matthias Hüppi wäre ein Cupfinal.
Diesen Traum haben viele, aber der Sport ist kein Wunschkonzert. Wir werden alles daran setzen, dass wir den Cupfinal live als Teilnehmer einmal miterleben dürfen.

Haben Sie eigentlich eine Ausstiegsklausel im Vertrag?
Nein.

Haben Sie jemals bereut, nicht Nati-Manager geworden zu sein?
Nein, denn ich bin sehr glücklich und zufrieden, beim FCSG zu sein und gemeinsam mit allen involvierten Personen diese aussergewöhnliche Saison erlebt zu haben.

Im Mai sagten Sie, es sei nicht der Zeitpunkt, um Fussball zu spielen. «Im Fussball aber werden Körpersäfte ausgetauscht, die Jungs schwitzen, unter Umständen kann Blut fliessen. Fussball ist ein Kontaktsport. Und wenn ich mir das Ganze vor Augen führe, dann stimmen viele Dinge nicht.» Wie hat sich Ihre Sicht auf die Dinge entwickelt?
Schon als es weiterging, hatte sich die Situation so weit verändert, dass man bedenkenlos Fussball spielen konnte. Aber alle, die im Fussball in der Verantwortung stehen, müssen sich sehr genau über die Gesundheit der Spieler Gedanken machen. Man sieht, zu wie vielen Verletzungen der dichte Spielplan schon geführt hat.

Einige Spieler gingen zuletzt im Streit. Andreas Wittwer sagte, er sei «sehr enttäuscht von Sutter, dem das Menschliche so wichtig sein soll». Wie auch Moreno Costanzo oder sogar Tranquillo Barnetta.
Es liegt in der Natur der Sache. Wenn du so viele Veränderungen hast in einem Projekt, so viele Personen, die gehen oder gehen müssen, dann geht nicht jeder glücklich und zufrieden. Bei jedem steckte eine Geschichte dahinter, die wie bei einer Medaille zwei Seiten hat. Aber ich will nicht in die Details gehen und Polemik machen.

Den Alain Sutter, den viele als zu weich einschätzten, den gibt es jedenfalls nicht. Sie waren bisher ein knallharter Sportchef.
Es gab viele harte Entscheide, die ich zusammen mit dem Verwaltungsrat in den zweieinhalb Jahren treffen musste. Aber ich konnte immer in den Spiegel schauen. Es ging immer um die Sache – und wenn Du diese Rolle nicht erträgst, kannst du nicht Sportchef sein.

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