Switzerland

Libyen: Trial verklagt Zuger Firma wegen Dieselschmuggels aus Libyen

Das Unternehmen mit Sitz in Zug hat gemäss einem gemeinsam von Trial International und Public Eye am 2. März veröffentlichten Bericht geschmuggelten Diesel aus Libyen gekauft. Aufgrund der Analyse von Beweisen im Laufe der Recherchen kam Trial International zum Schluss, dass der Schweizer Rohstoffhändler sich möglicherweise eines Kriegsverbrechens schuldig gemacht hat, wie Trial am Samstag mitteilte.

Die Untersuchung von Trial International und Public Eye hat ein internationales Netz für den Schmuggel von subventioniertem Diesel aus Libyen rekonstruiert. Der Treibstoff wurde demnach mit Hilfe einer bewaffnete Gruppe aus Tanks in Libyen gestohlen. Mit Fischerbooten wurde er von zwei maltesischen Geschäftsmännern in internationalen Gewässern auf grössere Schiffe umgeladen und dann nach Malta gebracht.

Damit dieser Diebstahl rentabel war, brauchte das Netzwerk internationale Käufer. An diesem Punkt trat die Kolmar Group auf den Plan und soll zum Schmuggel beigetragen haben.

Nach Informationen von Trial International und Public Eye hat das Schweizer Unternehmen zwischen Frühling 2014 und Sommer 2015 über zwanzig Schiffsladungen mit insgesamt mehr als 50'000 Tonnen Diesel aus Libyen gekauft und in Tanks der maltesischen Hauptstadt Valetta gelagert.

Das Unternehmen bestritt den Kauf von libyschem Diesel in einer Stellungnahme vom 2. April nicht, hob aber hervor dass «Kolmar Group AG nie in illegale Aktivitäten, insbesondere Schmuggel, verwickelt» gewesen sei. Das Unternehmen habe bei den Transaktionen mit libyschem Gasöl ihren branchenüblichen Kundenüberprüfungsprozess ("Know-Your-Customer") befolgt.

Eine Reihe von Indikatoren hätten Kolmar davor abschrecken müssen, diese Transaktionen vorzunehmen, schreibt Trial. «Die gesammelten Beweise erscheinen uns ausreichend, um eine Anzeige bei der Bundesanwaltschaft zu rechtfertigen, die jetzt prüfen muss, ob Kolmar diese Hinweise wissentlich ignorierte», erklärte Trial-Direktor Philip Grant. «Wenn das der Fall ist, hat sich das Unternehmen möglicherweise eines Kriegsverbrechens schuldig gemacht.»

Wenn ein Unternehmen wissentlich gestohlene Rohstoffe eines Landes kauft, das sich in einer Kriegssituation befindet, könnte es der Plünderung schuldig gesprochen werden. Das sei sowohl gemäss dem Römer Statut des Internationalen Strafgerichtshofes (ICC) als auch nach Schweizer Strafrecht ein Kriegsverbrechen.

Die Bundesanwaltschaft bestätigte am Samstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, die Klage erhalten zu haben. Mehrere Vertreter des Schmuggelnetzwerks sind zurzeit in Italien vor Gericht.

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