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Macron macht den Libanesen Hoffnung

Emmanuel Macron sucht in Beirut die Nähe zum Volk und führt damit die libanesischen Politiker vor. Frankreichs Hilfe werde nicht in korrupte Hände fallen, verspricht er. Die von ihm geweckten Hoffnungen kann er aber kaum erfüllen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bei seinem Besuch in Beirut.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bei seinem Besuch in Beirut.

Thibault Camus / EPA

Nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut hat sich der französische Präsident Emmanuel Macron am Donnerstag als erster ausländischer Staatsgast einen Eindruck vor Ort verschafft. Frankreich fühlt sich als ehemalige Mandatsmacht immer noch eng verbunden mit Libanon. Seit Jahren versucht Paris an Reformen gebundene internationale Hilfskredite für das Zedernland zu organisieren. Doch trotz der Aussicht auf viele Milliarden Dollar erwies sich die libanesische Elite bisher als resistent gegenüber dem Reformdruck.

«Libanon ist nicht allein», twitterte Macron. Er wolle in den nächsten Tagen eine Konferenz organisieren, um Hilfsgelder zu sammeln, bekräftigte der französische Staatschef nach dem Empfang durch seinen libanesischen Amtskollegen Michel Aoun am Flughafen. Diese Hilfe werde aber direkt an das libanesische Volk gehen und nicht in korrupte Hände geraten, gelobte Macron. Gleichzeitig richtete er eine Warnung an die Elite: «Ohne Reformen wird Libanon weiter sinken.»

Keine Angst vor dem Volk

Danach wagte Macron, was auf diese mitfühlende Weise noch kein hoher libanesischer Politiker gewagt hatte. Zunächst besuchte er die französischen Rettungskräfte, die im Hafen bei der Suche nach Vermissten helfen. Dann mischte er sich im völlig verwüsteten Stadtviertel Gemmayzeh unter das leidgeprüfte Volk. Er hörte sich die Sorgen der Menschen an, hielt sie bei den Händen und nahm einzelne in die Arme. «Nicht ein libanesischer Politiker hat das getan», schrieb die libanesische Journalistin Luna Safwan auf Twitter.

Macron besucht den Ort der Katastrophe, begleitet von hochrangigen Mitglieder der libaneischen Regierung.

Macron besucht den Ort der Katastrophe, begleitet von hochrangigen Mitglieder der libaneischen Regierung.

Imago

Die Explosion vom Dienstag hat gemäss bisherigen Zahlen 137 Menschen das Leben gekostet, über 5000 wurden verletzt, und mehr als 300 000 verloren ihr Dach über dem Kopf. Der Gesamtschaden beträgt schätzungsweise 5 Milliarden Dollar. Auch zwei Tage nach der Katastrophe müssen sich die Einwohner der verwüsteten Stadtteile weitgehend alleine um die Aufräumarbeiten kümmern. Umso lauter versuchten sie sich bei Macron Gehör zu verschaffen: «Revolution», «Michel Aoun ist ein Terrorist» und «das Volk will den Sturz des Regimes», skandierte die Menge.

Zumindest im Ausland werden die Hilferufe der Libanesen erhört. Neben Frankreich wollen auch viele andere europäische Länder humanitäre Güter und Rettungskräfte schicken. Die EU koordiniert die Entsendung von 100 Feuerwehrleuten mit Fahrzeugen, Spürhunden und Ausrüstung. EU-Präsidentin Ursula von der Leyen versprach Libanon zudem 33 Millionen Euro zusätzliche Hilfsgelder. Auch die USA, Russland, Iran und zahlreiche arabische Länder bieten ihre Hilfe an oder lieferten bereits Medikamente und Feldlazarette.

Macron verspricht eine neue Ära

Um Libanon langfristig wieder auf die Beine zu bringen, braucht es jedoch mehr als grosszügige Soforthilfen. Das weiss auch Macron: «Ich bin hier, um eine neue politische Initiative zu lancieren», erklärte er den Menschen auf der Strasse. Bei seinen Treffen am Nachmittag werde er den libanesischen Politikern einen «neuen politischen Pakt» vorschlagen. «Dies muss der Anfang einer neuen Ära sein.» Er werde einen Systemwechsel, ein Ende der konfessionellen Spaltung und einen entschlossenen Kampf gegen die Korruption fordern. Zudem verlangte er später am Abend eine internationale Untersuchung zu den Ursachen der Explosion.

Ob Macron die Hoffnungen der Libanesen, die seit Monaten auf der Strasse einen politischen Wandel fordern, erfüllen kann, ist fraglich. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass zumindest ein Teil der Bevölkerung die ehemalige Mandatsmacht als Hoffnungsträger sieht. So verfasste der libanesische Finanzexperte und Kolumnist Dan Azzi vor zwei Jahren einen fiktiven Brief an seinen Grossvater. Darin fleht er ihn inständig an, nicht an den Demonstrationen für die Unabhängigkeit 1943 teilzunehmen: «Wenn Du diesen Brief liest, bleib verdammt nochmals zu Hause und protestiere nicht gegen die Franzosen.»

Azzi mahlte sich in den schönsten Farben aus, wie herrlich das Leben unter den Franzosen heute wäre. Die Libanesen hätten einen EU-Pass, mit dem sie problemlos reisen könnten. Sie hätten rund um die Uhr Strom, ein funktionierendes Abwassersystem und deshalb auch saubere Strände. Es gäbe ein gutes öffentliches Verkehrsnetz mit Zügen, Bussen und Trams, eine Altersvorsorge und ein humanes Gesundheitswesen. Und vor allem existierte keine schwerbewaffnete Miliz wie der schiitische Hizbullah mit seiner eigenen, israelfeindlichen Aussenpolitik.

Hoffnungslose Realität

Die Realität sieht nun jedoch ganz anders aus, und Libanon kann das Rad der Zeit nicht zurückdrehen. Bevor Macron mit den Anführern der acht wichtigsten Parlamentsfraktionen zusammenkam, traf er Präsident Aoun, Regierungschef Hassan Diab und Parlamentspräsident Nabih Berri. Während Diab ein politischer Newcomer ist, sind Berri und Aoun Veteranen des Bürgerkriegs und Verbündete des Hizbullah. Zusammen mit weiteren Kräften verfügen sie über eine Mehrheit im Parlament.

Und genau hier liegt der Knackpunkt. Der Hizbullah ist nicht der Hauptgrund für die Korruption. Aber mit diesem verdeckt operierenden Staat im Staat, dessen oberstes Ziel der Jihad gegen Israel und nicht der Wohlstand der Bevölkerung ist, wird es äusserst schwierig, transparentere Strukturen aufzubauen. Die Miliz verschärft die Polarisierung zwischen den Konfessionen und schreckt westliche sowie arabische Investitionen aus dem Golf ab.

Libanon sitzt in der Zwickmühle: Ein Systemwechsel, wie ihn sich Macron vorstellt, kann von aussen nur schwer erzwungen werden. Er muss von unten geschehen. Genau das aber kann eine totalitäre Organisation wie der Hizbullah nicht zulassen.

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