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Mauerbau um jeden Preis in Arizona

Eine neue Grenzmauer zu Mexiko war 2016 das grosse Wahlkampfversprechen von Donald Trump. In Arizona sprengt die Regierung dafür nun ganze Berghänge weg.

Kaum ein Versprechen Donald Trumps war 2016 so ambitioniert wie die Ankündigung, an der Südgrenze der USA eine neue Grenzbefestigung zu bauen. Seine Kritiker belächelten das Projekt lange – doch vier Jahre später müssen sie erkennen, dass Trump sein Vorhaben tatsächlich durchboxt.

Auf 725 Kilometern, also knapp einem Viertel der 3200 Kilometer langen Grenze zwischen den USA und Mexiko, dürfte laut Experten bis Ende Jahr tatsächlich eine neue Befestigung errichtet sein. Zwar baut die Regierung über weite Strecken vor allem die bereits bestehende Mauer aus, doch diese «Nachbesserungen» sind nicht zu unterschätzen: Bisherige simple, kniehohe Fahrzeugbarrieren werden durch neun Meter hohe Stahlstreben ersetzt; teilweise ist die neue Mauer auch ergänzt um Stacheldraht und eine ausgeklügelte Beleuchtungs- und Videoüberwachungsanlage.

Trumps neue Grenzbefestigung wird in Südarizona gebaut.

Trumps neue Grenzbefestigung wird in Südarizona gebaut.

Martin Santos

Mehr als vierzig Gesetze zum Naturschutz hat die Regierung ausser Kraft setzen lassen, um den Bau in den Grenzstaaten Texas, New Mexiko, Arizona und Kalifornien voranzutreiben. Sie stützt sich dabei auf ein nach den Terroranschlägen von 2001 erlassenes Gesetz (Real ID Act); zudem rief sie an der Südgrenze den Notstand aus, was ihr weitere Vollmachten sicherte.

Vor allem in Arizona schreitet der Mauerbau mit grossen Schritten voran, denn im Gegensatz zu anderen Grenzstaaten klagt die gliedstaatliche Regierung in Phoenix nicht gegen die Pläne. Auch befindet sich in Arizona weniger Grenzland in Privatbesitz als etwa in Texas. Bemerkenswert sind vor allem die Bauarbeiten in den entlegenen Wüstenregionen im Südosten Arizonas: Dort gab es bisher über lange Strecken gar keine physische Befestigung zwischen den USA und Mexiko, weil Berglandschaften eine natürliche Grenze bilden. Inmitten dieser unwegsamen Region sprengen nun Baufirmen ganze Felshänge mit Dynamit weg, um Serpentinenstrassen zu schaffen, auf denen Lastwagen die Stahlträger für die Grenzmauer transportieren können. Behauptungen mancher Demokraten, Trump werde lediglich die bestehende Mauer etwas ausbessern, werden hier Lügen gestraft.

Gleichzeitig ist fraglich, wie sinnvoll eine Grenzbefestigung an diesem Ort überhaupt ist: Es gibt keine Strassen oder Dörfer, in denen Schmuggler untertauchen könnten, und mehr als die Hälfte des Jahres wird es dort über 40 Grad heiss. Die Sprengarbeiten betreffen auch den Guadalupe Canyon, ein Naturschutzgebiet und die Heimat bedrohter Arten wie des Jaguars. Der Tierschützer Myles Traphagen von der Organisation Wildlands Network warnt im Gespräch davor, dass die neue Grenzbefestigung zwar keine Menschen, aber Tiere bei der Migration behindern werde. «Es ist nicht nur die Mauer, es ist die Beleuchtung während der ganzen Nacht, die enormen Schaden anrichtet.»

Doch nicht nur Tierschützer sind alarmiert. «Die Zerstörung dort ist jenseits jeder Vorstellungskraft», sagt der Fotograf John Kurc, der die Bauarbeiten seit Wochen täglich mit Drohnen dokumentiert.

Das Abstruse sei, sagt Kurc, dass die neue Grenzmauer teilweise an Berghängen vorbeiführe, die auf der mexikanischen Seite höher seien als die Mauer. Schmuggler könnten also einfach über die Grenzbefestigung springen. «Bei dem Ganzen geht es nur um die Eitelkeit unseres Präsidenten.» Kurc veröffentlicht seine Aufnahmen in den sozialen Netzwerken; «mein Ziel ist es, den Menschen zu zeigen, wozu es geführt hat, wen wir zum Präsidenten gewählt haben».

Auch im Südosten Arizonas, inmitten der Sonora-Wüste, sprengen die Bauarbeiter unwegsames Gelände für die neue Grenzmauer weg. Dort verwüsten sie einerseits Naturschutzgebiete, in denen der berühmte Saguaro-Kaktus wächst, andererseits den Ureinwohnern heilige Gebiete. Bei einer Kongressanhörung im Februar sagte der Vorsitzende des Indianersstammes Tohono O’Odham aus, dass die Sprengarbeiten mitten durch die Ruhestätten ihrer Vorfahren verliefen. Unter Tränen flehte er die Abgeordneten an, das Projekt zu stoppen. «Es ist so, als würde man eine Mauer mitten durch euren Friedhof Arlington bauen.» Seit Wochen kommt es immer wieder zu teilweise gewaltsamen Ausschreitungen zwischen protestierenden Ureinwohnern und Mitarbeitern des Grenzschutzes.

Fraglich ist, ob es mit den neuen Grenzbefestigungen tatsächlich gelingt, illegale Zuwanderung und Drogenhandel zu unterbinden. In einem im Juli veröffentlichten Bericht des Generalinspektors im Ministerium für Inlandsicherheit heisst es, dass beim Mauerbau «keine vernünftige Methodik angewandt wurde, um ausfindig zu machen, welche Regionen am meisten von neuen physischen Barrieren profitieren würden und was dies den Steuerzahlen kosten würde.» 15 Milliarden Dollar hat der Mauerbau bisher gekostet. Zwei Drittel davon wurden vom Budget des Pentagons abgezogen; mit den Geldern hätten unter anderem Schulen und Kindertagesstätten auf Militärbasen renoviert werden sollen.

Bekanntlich gelangt das Gros der Drogen und der Papierlosen jedoch über die legalen Grenzübergänge in die USA – etwa in Nogales in Arizona, wo erst Anfang Oktober der grösste Drogenfund in der Geschichte des Gliedstaats sichergestellt wurde: 800 Pfund Methamphetamin, versteckt in einem Lastwagen.

In der Grenzstadt Nogales hat Trump die seit 1995 bestehende Mauer nicht ersetzt, aber mit Stacheldraht verstärkt. Bei einem Besuch Anfang Oktober äusserten die Anwohner gemischte Meinungen zu dem Projekt; 95 Prozent der Bevölkerung in Nogales sind hispanischstämmig. Ein junger Familienvater vor seinem Wohnhaus erzählt, er lebe seit zwanzig Jahren hier, und unter Trumps Präsidentschaft habe sich das Leben in Nogales kaum verändert.

Eine ältere Dame vor ihrem Haus mit direktem Blick auf die Grenzmauer sieht das anders. Sie stellt sich als Ortensia vor und erzählt, sie finde es gut, dass Trump die Grenzmauer ausbaue. Seit er der Präsident sei, kämen weniger papierlose Zuwanderer nach Nogales; früher seien die Sans-Papiers durch ihren Vorgarten gerannt. Sie fühle sich nun sicherer – im November werde sie wieder für Trump stimmen.

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