Switzerland

Rätselhafter Mord an einer Frau in Oerlikon bleibt ungeklärt – Oberrichter sprechen erstinstanzlich verurteilten Ehemann frei

Ein gehörnter Ehemann ist vor dem Obergericht vom Vorwurf freigesprochen worden, seine Frau im Oktober 2009 auf offener Strasse erschossen zu haben. Er wird mit 780 664 Franken für die zu Unrecht erlittene U-Haft und weitere Unbill entschädigt.

In einem über dreistündigen Plädoyer am Obergericht forderte der Verteidiger einen Freispruch.

In einem über dreistündigen Plädoyer am Obergericht forderte der Verteidiger einen Freispruch.

Goran Basic

Fast elf Jahre sind vergangen seit jenem frühen Montagmorgen im Oktober 2009, als eine 41-jährige Frau bangalischer Herkunft in Zürich-Oerlikon wenige Schritte von ihrer Haustür entfernt mit mehreren Schüssen niedergestreckt wurde. Drei Kugeln trafen das Opfer, das gerade ins Auto steigen und zur Frühschicht in einem Laden im Flughafen fahren wollte, im Gesicht. Ein weiteres Geschoss bohrte sich in ihren Bauch, ein fünftes Projektil verfehlte die Mutter von zwei Buben. Ein durch den Lärm aufgeschreckter Zeuge beobachtete, wie jemand vom Tatort davoneilte, von der Waffe fehlt bis heute jede Spur.

Eineinhalb Stunden später klingelte die Polizei beim Ehemann des Opfers. Am Nachmittag wurde er auf den Posten gebracht und schliesslich bis Mai 2010 in Untersuchungshaft genommen. Die beiden Buben kamen in ein Heim. Im Laufe der Untersuchungen stellte sich heraus, dass die Frau vor ihrem Tod rund 3 Jahre lang mit einem verheirateten Mann fremdgegangen war. Der inzwischen 62-jährige Wittwer bestritt stets, dass er etwas mit der Tat zu tun gehabt habe. Bei einer ersten Untersuchung noch bei ihm zu Hause wurden weder an seinen Händen noch den Augenbrauen oder den Kleidern Schmauchspuren festgestellt. Bei einem zweiten Test, der im Polizeiposten vorgenommen wurde, fand man dann ein einziges Rauchpartikel – zu wenig, um als Indiz für eine Anklage auszureichen.

Unzulässige verdeckte Ermittlung

Doch die Staatsanwaltschaft blieb dran. Zwischen April 2014 und September 2015 gelang es schliesslich zwei verdeckten Ermittlern, als niederländische Hellseherin und türkischer Diamantenhändler getarnt, das Vertrauen des abergläubischen bengalisch-schweizerischen Doppelbürgers zu erschleichen und ihn zu einem Geständnis zu bewegen. Sie gaben vor, dass er sich und seine Familie dadurch vor dem bösen Geist der ermordeten Gattin und Mutter schützen könne.

Vom September 2015 bis April 2016 sass er ein zweites Mal in Untersuchungshaft. Im August 2018 verurteilte ihn das Bezirksgericht Zürich wegen Mordes zu 14 Jahren Freiheitsstrafe. Die Richter befanden zwar das Geständnis als nicht verwertbar, weil unzulässiger Druck ausgeübt und das Gebot des fairen Verfahrens verletzt worden sei. Die von der Staatsanwaltschaft über die Jahre zusammengetragenen Indizien reichten ihnen aber für einen Schuldspruch aus.

Keine belastbaren Beweise

Am Donnerstag nun hat der Berufungsprozess vor dem Obergericht stattgefunden. In einem mehr als dreistündigen Plädoyer forderte der Verteidiger einen Freispruch in dubio pro reo. Es seien trotz aufwendigen Untersuchungen keine echten Beweismittel gefunden worden. Der Tatort direkt beim Auto des Opfers lasse vermuten, dass ein Auftragsmörder dort gewartet und die Frau umgebracht habe. Allerdings hätten es die Untersuchungsbehörden viel zu früh unterlassen, auch in andere Richtungen zu ermitteln.

Laut dem Anwalt wäre dies für den Beschuldigten ein denkbar schlechter Ort für eine solche Tat gewesen. Es wäre ihm nämlich gar nicht möglich gewesen, innerhalb der wenigen Minuten bis zum Eintreffen der Polizei und unbeobachtet von Anwohnern über den Balkon zurück in seine Hochparterrewohnung zu gelangen und gleichzeitig auch noch die Waffe zu entsorgen.

Diese Argumentation überzeugte die Oberrichter und bewegte sie zu einem vollumfänglichen Freispruch. Sie sprachen dem Beschuldigten 660 664 Franken Schadenersatz für 453 Tage Haft sowie 120 000 Franken Genugtuung zu. «Eine derart dünne Indizienkette aus Vermutungen, Spekulationen oder Wahrscheinlichkeiten könne für eine Verurteilung nicht ausreichen, hielt Gerichtspräsident Rolf Naef bei der Urteilseröffnung fest. Objektive belastbare Beweise lägen keine vor.

Urteil SB180485 vom 24. 9. 2020; noch nicht rechtsgültig.

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