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Schwuler Premier-League-Profi schreibt offenen Brief: «Lebe einen Albtraum»

Ein Premier-League-Fussballer schildert eindrücklich den grossen Zwiespalt seines Lebens. Bild: www.imago-images.de

Schwuler Premier-League-Profi schreibt offenen Brief: «Lebe einen Albtraum»

Homosexualität ist eines der letzten grossen Tabu-Themen im Männer-Fussball. Noch immer gibt es in den grossen Ligen Europas fast keinen aktiven Profi, der offen zu seiner homosexuellen Orientierung stehen würde. Warum das so ist, schildert nun ein schwuler Fussball-Profi aus der Premier League. In einem offenen Brief, den er dem «Daily Mirror» und der «Sun» zukommen liess, schreibt er über das Geheimhalten seiner Sexualität und Beschimpfungen, aber auch über Unterstützung aus seinem engsten Umfeld.

«Als Kind wollte ich immer nur Fussballer werden», beginnt der anonyme Profi. Er habe jede freie Minute gekickt und am Ende habe es sich ausbezahlt. «Auch jetzt noch kann ich es kaum fassen, dass ich rausgehen und vor zehntausenden Menschen spielen darf. Es gibt jedoch etwas, das mich von den meisten anderen Spielern in der Premier League unterscheidet. Ich bin schwul.»

Diesen Brief zu schreiben, sei für ihn ein grosser Schritt. Seit er 19 Jahre alt sei, wisse er, dass der homosexuell sei. «Aber nur meine Familienmitglieder und ausgewählte Freunde wissen davon», so der Premier-League-Profi weiter. «Ich fühle mich nicht bereit dazu, es mit meinem Team oder Trainer zu teilen. Das ist extrem hart, denn ich verbringe viel Zeit mit diesen Jungs. Trotzdem macht es etwas in mir unmöglich, offen mit ihnen darüber zu sein, wie ich mich fühle. Ich hoffe sehr, dass ich es eines Tages schaffen werde.»

Der Alltag sei wegen der Geheimhaltung oft extrem schwierig. «Ich leben einen Albtraum, und zwar Tag für Tag. Es beeinträchtigt meine psychische Gesundheit immer mehr. Ich fühle mich gefangen und meine Angst ist, dass es die Sache nur schlimmer machen würde, die Wahrheit über mich zu enthüllen», schreibt der Fussballer. «Obwohl mir mein Herz oft sagt, dass ich mich outen muss, sagt mein Kopf immer dasselbe: ‹Warum alles riskieren?›»

Keine Beziehung möglich

Vieles, was sich er sich für sein Leben wünschte, habe er erreicht: «Ich habe das Glück, einen sehr guten Lohn zu verdienen. Ich habe ein schönes Auto, einen Schrank voller Designerklamotten und ich kann es mir leisten, alles zu kaufen, was ich für meine Familie und Freunde will.» Und doch fehle etwas: «Ich bin in einem Alter, in dem ich gerne in einer Beziehung wäre. Aber aufgrund meines Berufs muss das Vertrauen in einen langfristigen Partner extrem hoch sein. Deshalb bin ich im Moment einfach nicht bereit dazu.»

Er wünschte, er müsste sein Leben nicht so leben. «Aber im Fussball gibt es immer noch grosse Vorurteile. Es bräuchte radikale Veränderungen, dass ich mich für ein Coming-out bereit fühlen würde». Zum jetzigen Zeitpunkt könne er aber nicht darauf vertrauen, angemessen unterstützt zu werden.

Arsenal hat mit den «Gay Gooners» einen Fanclub für die LGBT-Gemeinschaft. Bild: imago sportfotodienst

Homophobe Gesänge würden ihn während der Spiele «seltsamerweise» nicht wirklich stören. «Ich bin zu sehr auf das Spielen konzentriert. Erst wenn ich wieder ins Flugzeug oder den Bus steige und Zeit für mich habe, beginne ich darüber nachzudenken.» Momentan sei sein Plan, so lange weiter zu spielen, wie er sich dazu in der Lage fühle, und sich dann zu outen, wenn er zurückgetreten sei.

Die Veröffentlichung des Briefs wurde von der Justin Fashanu Foundation eingefädelt. Die von der Nichte des namensgebenden Ex-Fussballers gegründete Organisation unterstützt homo- und bisexuelle Kicker und kämpft gegen Homophobie im Fussball. Fashanu outete sich 1990 als erster britischer Fussballer während seiner laufenden Karriere und nahm sich acht Jahre später das Leben. «Die Stiftung hat mir sehr geholfen», erklärt der anonyme Profi-Fussballer. «Die Leute da haben mir das Gefühl gegeben, unterstützt und verstanden zu werden, und mir das Vertrauen gegeben, offener und ehrlicher mit mir selbst umzugehen.»

Erst im Juni outete sich mit Thomas Beattie ein Ex-Profi. Der 33-Jährige, der unter anderem für Hull City gespielt hatte, sagte damals, dass nicht die Teamkollegen, sondern die Fans schwulen Fussballern das Leben so schwer machen.

Der anonyme Briefe-Schreiber freute sich über das Coming-out von Beattie : «Es war grossartig zu sehen, wie Thomas Beattie zugab, schwul zu sein. Aber die Tatsache, dass er bis nach seinem Rücktritt warten musste, sagt alles, was man über das Thema wissen muss.» (pre)

Recht so: Eltern begleiten ihre Kinder mit bedingungslosem Stolz an die Gay Pride!

Mit kleidertragenden Männer gegen Homophobie

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