Switzerland

Seltener Bruterfolg eines Bartgeierpaars

Erstmals seit über 100 Jahren hat ein Bartgeierpaar im Kanton Bern ein Junges aufgezogen. Der Greifvogel galt einst als gefährlich, da er Lämmer und Babys raube.

Ein Elterntier des flügge gewordenen Bartgeiers im Berner Oberland bringt Schafwolle zum Horst.

Ein Elterntier des flügge gewordenen Bartgeiers im Berner Oberland bringt Schafwolle zum Horst.

Foto: zvg (Marco Hammel)

Bilder gibt es nicht. Auch keine genauen Ortsangaben. Der junge Bartgeier, der laut dem bernischen Jagdinspektorat vor wenigen Tagen erstmals seinen Horst verlassen hat, soll ungestört bleiben. Denn erfolgreiche Aufzuchten bei Bartgeiern sind selten.

Die Vögel, die in der Natur bis zu 40 und im Zoo sogar 50 Jahre alt werden können, sind erst nach fünf bis sieben Jahren geschlechtsreif. Pro Saison legen sie nur ein Ei, doch nicht jedes Mal klappt es mit dem Ausbrüten, da die Eltern erst Erfahrungen sammeln müssen.

Laut Jagdinspektor Niklaus Blatter, der die freudige Mitteilung am Mittwoch verschickte, sind die Tiere sehr störungsanfällig. Wenn jemand etwa eine Drohne steigen lasse, um spektakuläre Fotos zu schiessen, könne dies die Eltern verscheuchen. «Dann brüten sie das Ei nicht mehr weiter aus, oder sie kommen nicht mehr zum Horst zurück, um das geschlüpfte Junge zu füttern.» Dann sei es Aus mit dem Nachwuchs.

Alle in Datenbank erfasst

Im gesamten Alpenraum gibt es lediglich rund 300 Bartgeier. Erst seit 2007 brüten laut Blatter Paare in den Schweizer Alpen. Daniel Hegglin, Geschäftsführer Stiftung Pro Bartgeier Schweiz, schätzt den Bestand auf dem schweizerischen Territorium auf etwa 100. Von diesen haben lediglich 13 im Kanton Graubünden erfolgreich gebrütet, 8 im Kanton Wallis.

Laut Hegglin werden Fachleute versuchen, beim Horst Vogelfedern sicherzustellen und die DNA zu untersuchen. Danach erst wird sich klären, ob es sich beim Jungen um ein Männchen oder Weibchen handelt. Später wird sich dadurch eruieren lassen, in welchem Raum sich der Vogel aufhält. Sämtliche Tiere werden in einer Datenbank erfasst, in der sie mit einer Zahl, meistens aber auch mit einem Namen vermerkt sind. Dank der steigenden Bestandzahlen gibt es für das junge Tier also eine Chance, einmal einen Partner oder eine Partnerin zu finden.

Tödliche Schauermärchen

Früher wurden Greifvögel Raubvögel genannt. Und der Bartgeier hiess Lämmergeier. Den Namen hatte der Vogel, weil er sich angeblich von lebenden Lämmern ernährte und nicht davor zurückschreckte, Babys aus einer Wiege zu entführen.

Sogar der renommierte Schweizer Forscher Friedrich von Tschudi habe dies in seinem Werk «Das Tierleben der Alpenwelt» in extenso beschrieben, sagt Hegglin: «Diese Meinung war im ganzen deutschen Sprachraum verbreitet.» Dabei ernährt sich der Vogel laut dem Jagdinspektor nicht von lebenden Tieren, sondern von alten Knochen und Sehnen von Gämsen und Schafen.

Dem angeblich gefährlichen Vogel, der quasi als fliegender Wolf galt, rückten die Menschen im 19. Jahrhundert unbarmherzig zu Leibe. Laut der Mitteilung des Jagdinspektorats gab es bereits 1889 nur noch im Bereich der Gemeinden Gsteig und Meiringen einige Exemplare: «Die Tiere wurden in dieser Zeit gezielt ausgerottet.» Dabei wurden sogar vergiftete Köder gelegt.

Seit den 1970er-Jahren existiert ein Programm, den praktisch ausgerotteten Vogel wieder im Alpenraum anzusiedeln, der mit 2,5 Metern Spannweite der grösste Vogel in diesem Gebiet ist. Die Zahlen nahmen zu.

Schrotladung im Wallis

Ein herber Rückschlag ereignete sich 1997 im Wallis. Oberhalb von Crans ging ein älterer Jäger – pikanterweise mit einem Hilfsjagdaufseher – auf die Hasenjagd. Als sie in der Nähe einen Greifvogel entdeckten, ballerte der Jäger mit seiner Schrotflinte los und suchte danach das Weite, ohne sich um das Tier zu kümmern, das sich im Todeskampf wand. Die ganze Schweiz schnaubte vor Empörung über den unseligen Schützen, der buchstäblich den Vogel abgeschossen hatte.

Es handelte sich dabei ebenfalls um einen Bartgeier, der dank grosszügigem Sponsoring einer Versicherung wieder angesiedelt werden konnte. Der getötete Vogel, der 5,5 Kilogramm wog, konnte nur noch präpariert werden. Heute ist er ausgestopft im Naturhistorischen Museum von Sitten zu bewundern. Dieses Schicksal soll dem Jungtier vom Berner Oberland nicht widerfahren.

Mit einer Spannweite von bis zu 2,5 Metern ist der Bartgeier der grösste Vogel im Alpenraum.

Mit einer Spannweite von bis zu 2,5 Metern ist der Bartgeier der grösste Vogel im Alpenraum.

Foto: zvg (Hansruedi Weyrich)

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