Switzerland

Silvan Dilliers Comeback nach dem Coronaschock

Als Silvan Dillier das Telefon abnimmt, sitzt er mal wieder in der Arztpraxis. Und lässt die Prozedur über sich ergehen, die er in den vergangenen zwei Wochen mehrmals durchmachen musste. Dieses Wattestäbchen, das weit nach oben ins Nasenloch gestossen wird. «Daran werde ich mich nie gewöhnen», sagt der Radprofi über das unangenehme Gefühl, wenn der Abstrich gemacht wird. Dabei war es für den Schneisinger bereits der x-te Coronatest.

Negativ, positiv – und dann wieder negativ

Der Weltradsportverband UCI verlangt, dass sich die Fahrer vor den Rennen ein- bis zweimal testen lassen. Das tat auch Dillier Ende Juli im Hinblick auf den Saisonstart in Italien am 1. August. Und dann geschah das, was der 30-Jährige heute noch nicht nachvollziehen kann: «Der erste Test war negativ. Aber beim zweiten gab es ein positives Resultat.» Dillier erzählt, dass er keinerlei Symptome hatte und auch sein Umfeld weder je mit dem Coronavirus in Kontakt gekommen war noch irgendjemand krank gewesen sei. Kommt dazu: Auch der dritte Test, den er machen liess, fiel wieder negativ aus.

Das nützte aber alles nichts. Für ihn war das positive Ergebnis ein Schock. Und vor allem mit gravierenden Konsequenzen verbunden. Nicht nur der so lang ersehnte Saisonstart bei den Strade Bianche in der Toskana fiel flach, sondern er musste sich auch in eine zehntägige Quarantäne begeben. Das ärgerte Dillier derart, dass er sich in den Boulevardmedien lauthals über die seiner Meinung nach ihm gegenüber ungerechte Behandlung beschwerte: «Man kann doch nicht gesunde Leute einsperren.»

Man merkt auch noch Tage später, dass ihn die Geschichte wurmt: «Für mich war das Ganze doppelt ärgerlich. Ich konnte meinen Beruf nicht mehr ausüben. Als Profi baust du während eines Monats deine Form im Hinblick auf die Rennen auf. Plötzlich bis du tagelang zum Nichtstun verurteilt. Ich durfte ja nicht einmal draussen Velo fahren. Das ist natürlich alles andere als optimal.» Die Polenrundfahrt, für die er vorgesehen war, musste der Aargauer in der Folge ebenso sausen lassen.

Die WM im eigenen Land ist kein Thema

Am kommenden Sonntag soll nun das lange Warten für Silvan Dillier ein Ende haben. Dann steht er in Belgien an der Wallonien-Rundfahrt am Start. Allerdings nicht, wie man nach seiner hochemotionalen Reaktion auf den positiven Coronatest erwarten könnte, mit der Wut im Bauch. Sondern mit der Gelassenheit, die ihn auch schon während der rennfreien Coronazeit im Frühjahr begleitet hat: «Ich nehme es so, wie es kommt. Ich bin auf jeden Fall unglaublich motiviert. Gerade an die Wallonienrundfahrt habe ich sehr gute Erinnerungen.» Danach bestreitet er den Tirreno-Adriatico und die BinckBank-Tour. Wobei: «Die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass diese Saison ziemlich chaotisch ist. Alles kann sich sehr kurzfristig ändern.» Die grossen Höhepunkte stehen für Silvan Dillier allerdings sowieso erst im Oktober auf dem Programm, wenn die «Frühjahrsklassiker» Paris–Roubaix und die Flandernrundfahrt nachgeholt werden. Kein Thema ist für den Schneisinger übrigens die Rad-WM in Martigny – sofern sie denn überhaupt stattfindet.

Dillier wird mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht zum Schweizer Aufgebot gehören. Und zwar aus dem ganz simplen Grund, dass der anspruchsvolle Rundkurs im Wallis überhaupt nicht auf seine Fähigkeiten zugeschnitten ist. «Zu steil», winkt der AG2R-Profi ab. Auch nach mehreren, unangenehmen Coronatests wird aus dem Roller definitiv kein Kraxler mehr.

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