Switzerland

Skifahren und Corona? Vier Wintersport-Alternativen, um dem Virus in die weisse Natur zu entfliehen

Die Skisaison steht auf der Kippe. Deutschland, Frankreich und Italien lassen ihre Skigebiete mindestens bis im Januar geschlossen. Gegen die Schliessung stellen sich Österreich und auch die Schweiz. Bundesrat Alain Berset sprach sich für geöffnete Skigebiete aus, will aber die Schutzmassnahmen weiter verschärfen. Die Kapazität der täglichen Gästezahl der Bergbahnen soll eingeschränkt werden. Wer keine Lust auf Gedränge und verlängerte Wartezeiten an der Talstation, auf eingeschränkte Möglichkeiten beim Skifahren oder auf Maskentragen am Skilift hat, dem präsentieren wir vier alternative Wintersportarten zum Skifahren.

Langlauf, Skitourenfahren, Schneeschuhwandern und Winterwandern boomen bei aktiven Freizeitsportlern. Alle vier Sportarten haben in den vergangenen Jahren einen Aufschwung erlebt, der in diesem Jahr so gross zu sein scheint wie noch nie. Sie punkten mit der naturnahen Erfahrung und dem positiven Einfluss auf die Gesundheit.

Olympiaarzt Patrik Noack.

Der Schweizer Olympiaarzt Patrik Noack sagt: «Bei allen vier Tätigkeiten verbessert man die Grundlagenausdauer. Beim Langlauf und bei Skitouren trainiert man ausserdem etwa im Vergleich zum Jogging zusätzlich die Kraft im Oberkörper. Beim Langlauf ist auch der Rumpf mehr gefordert als beim normalen Rennen.»

Die grössten Vorteile der vier Alternativen im Coronawinter sind aber wohl, dass man weder einen Skilift, eine Gondelbahn noch eine Maske braucht. So kann man abseits von Menschenansammlungen und dem Virus die weisse Winterlandschaft mit sportlichen Aktivitäten geniessen.

1. Langlauf: Klassisch, Skating oder beides

Der Skating-Schritt ist eine von zwei Techniken beim Langlauf.

«Wer Laufen kann, kann auch Langlaufen», sagt Mariette Brunner, Präsidentin von Loipen Schweiz. Beim ersten Mal auf Langlauf-Ski stellt das Gleichgewicht jedoch eine Herausforderung dar. Im Vergleich zum alpinen Ski haben jene des Langlaufs praktisch keine Kanten und die Bindung ist nur am Vorderfuss befestigt, um die Gehbewegung auszuführen.

Es gibt zwei Techniken: Klassisch und Skating. Bei der klassischen Technik läuft man in der geführten Spur.

Beim Skating bewegt man sich im Schlittschuhschritt auf einer präparierten Schneefläche fort. Dies ist anspruchsvoller, bei richtiger Technik aber schneller. Wer das Schlittschuhlaufen beherrscht, wird keine Mühe damit haben.

Arzt Patrik Noack betont die Wichtigkeit der Technik:

Die Langlauf-Strecken sind signalisiert. Es gilt Rechtsverkehr. Für die Loipen wird ein Ticket benötigt. Ein solches lässt sich beispielsweise auf der Loipe selbst, in Fachgeschäften, Hotels oder auch digital erwerben und kostet je nach Region um die zehn bis zwölf Franken pro Tag. Es gibt auch Wochentickets oder den schweizweit und saisonal gültigen Langlaufpass für 140 Franken. Im Weltcup-Ort Davos ist kein Ticket nötig, da die Kosten in der Kurtaxe integriert sind. Der Preis für ein komplettes Langlauf-Set beläuft sich etwa auf 400 Franken.

Für Neulinge gibt es sogenannte Herz-Loipen. Die sind eigentlich für Herzpatienten gedacht, aber auch für Langlauf-Anfänger ideal, da sie kurz und flach sind. Auf der Website von Loipen Schweiz ist ersichtlich, wo sich diese Herz-Loipen befinden. Brunner empfiehlt: «Einfach ausprobieren. Und wenn es Spass macht, einen Kurs in einer Schweizer Langlaufschule besuchen, um die richtige Technik zu erlernen.»

2. Skitouren: Mit Fell bergwärts, im Tiefschnee talwärts

Eine Skitour ist sowohl ein Schnee- als auch ein Gruppenerlebnis.

«Gemeinsam auf Ski im Tiefschnee die unberührte Natur geniessen», sagt Thomas Kähr, Präsident des internationalen Skitourenverband. Damit spricht er zwei Stärken von Skitouren an. Einerseits das Erlebnis in der Gruppe in der grenzenlosen weissen Landschaft. Anderseits das Tiefschneefahren abseits der Pisten. «Atemberaubend», sagt Kähr.

Skitouren können im Grunde überall gemacht werden, wo Schnee liegt. Es braucht kein Ticket. Einzig Wildruhezonen dürfen nicht passiert werden. Wälder sollte man ebenfalls meiden. Und essenziell sind Kenntnisse in der Lawinenkunde. Kurse seien nicht obligatorisch, für Kähr aber ein Muss. Gleiches gilt fürs Tiefschneefahren.

Die Ausrüstung nimmt bei Skitouren eine evidente Rolle ein. Speziell konstruierte, in der Regel leichtere Ski, andere Bindung, Stöcke mit grösserem Teller sowie Skitourenschuhe. Ebenfalls empfiehlt sich ein Skitourenhelm. Felle an den Ski sorgen dazu für den nötigen Halt beim Aufstieg. Das gesamte Equipment kostet etwa 1’000 Franken. Hinzu kommt die Lawinenschutzausrüstung. Diverse Sportfachgeschäfte können einen hierfür kompetent beraten.

Da auf Skitouren während mehreren Stunden mehrere hundert Höhenmeter zurückgelegt werden, sollte eine körperliche Grundkondition vorhanden sein. Patrik Noack sagt dazu:

Sehen Sie im Video wie eine Skitour aussehen kann.

Um mit Skitouren zu beginnen, bietet der Schweizer Alpen-Club (SAC) Schnupperkurse an. Einige Skigebiete haben zudem sogenannte Randoparks. Das sind markierte und einfachere Routen. Kähr empfiehlt Beginnern, sich via dem SAC für Kurse und erste Touren mit Gleichgesinnten anzumelden.

3. Schneeschuhwandern: Grenzenlose Freiheit im Entenschritt

Beim Schneeschuhwandern empfiehlt es sich in der gleichen Spur zu laufen, um Kraft zu sparen.

«Es ist ein Gefühl von Freiheit in der Natur», sagt Markus Glättli, Präsident des Schneeschuh-Verbands Schweiz. Von der Tätigkeit her ist Schneeschuhwandern ähnlich wie eine Skitour. Einfach ohne Ski. Auch mit Schneeschuhen begibt man sich abseits der Pisten und erlebt die weisse Winterlandschaft.

Für die Routen gilt gleiches wie bei Skitouren: Grenzenlos, kein Ticket nötig, aber Wildruhezonen sind zu beachten. Der Schneeschuh-Verband hat diverse Routen mit pinken Tafeln mit SVS-Kleber ausgeschildert. Das sind vom Verband abgenommene Routen, auf denen grundsätzlich keine Lawinengefahr besteht. Sie sind auf der Website des Schneeschuh-Verbands Schweiz ersichtlich.

Zur Ausrüstung gehören Schneeschuhe, gute kosten etwa 250 Franken, Skistöcke und schneetaugliche Kleidung. Glättli sagt, es brauche keine speziellen Skistöcke, nur ein Teller unten sei wichtig, um nicht im Tiefschnee abzusinken. Zum körperlichen Aspekt sagt Patrik Noack:

Glättlis Tipp für Beginner: «Etwas breitbeinig laufen, Entenschritt-mässig. Und die Füsse nicht zu weit anheben. So spart man Kraft.» Erhalten Sie im Video einen Eindruck zum Schneeschuhwandern:

4. Winterwandern: Die Sonne und Du gehört dazu

Beim Winterwandern hoch über dem Nebelmeer darf auch mal ein Schlitten mit.

«Ruhe und Entspannung in der Winterlandschaft finden», sagt Daniela Rommel, Projektleiterin beim Verband Schweizer Wanderwege zum Winterwandern. Dafür hat fast jedes Skigebiet seine eigenen Wege, die pink gekennzeichnet und kostenlos zu begehen sind.

Der Verband Schweizer Wanderwege bietet auf der Website eine Übersicht mit diversen Routenvorschlägen. Von einfachen bis zu schwierigen, von einer Stunde bis zu sechs Stunden.

Eine der wichtigsten Regeln beim Winterwandern in den Bergen lautet: Nicht ohne Begleitung losgehen. Dazu sind im Vorfeld der Wetterbericht und die Ausrüstung zu beachten. Beim Wandern im Winter kommen Risikofaktoren wie etwa eisige Stellen hinzu. Hierfür empfehlen sich Schuhe mit rutschfesten Sohlen oder gar Spikes, um genügend Halt zu haben. Wem die Höhe zu schaffen macht, sollte sich gemäss Patrik Noack keine Sorgen machen müssen:

Rommel rät unerfahrenen Winterwanderern: «Am besten mit einfachen und kurzen Routen beginnen und danach langsam steigern.»

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