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Stiel und Zubi verstehen BVB-Trainer nicht: «Favre macht eine unnötige Baustelle auf»

Lucien Favre (62) steht in Deutschland mal wieder in der Kritik - und das trotz eines 3:0-Siegs im Derby gegen Schalke. Der Grund: Er stellte Roman Bürki (29) zwar wieder ins Tor, verweigerte aber die Antwort, ob der langjährige BVB-Goalie nun wieder die Nummer 1 sei oder Marwin Hitz (33) doch wieder im Tor stehen könnte.

«Mir gefällt die Frage nicht. Wir werden sehen, wir denken von Spiel zu Spiel. Alle haben Konkurrenz. Sie haben welche und ich auch», antwortet ein leicht angefressener Favre einer «ZDF»-Reporterin. Dabei hatte sich BVB-Sportdirektor Michael Zorc vor Favre klar geäussert: «Wir haben es mehrfach erklärt, dass Roman erst krankheitsbedingt gefehlt hatte und dann etwas an der Hüfte hatte. Für mich ist die Sache klar. Roman war die letzten Jahre die Nummer eins. Es gibt aus meiner Sicht nicht viel Grund dazu, das zu ändern.»

Die deutschen Medien schiessen sofort. «Fasel-Favre», nennt ihn BILD. Der kicker titelt: «Favres Alleingang sorgt für Unverständnis». BLICK spricht mit den zwei Schweizer Ex-Bundesliga-Goalies Jörg Stiel (52, Gladbach) und Pascal Zuberbühler (49, Leverkusen).

BLICK: Jörg Stiel, Sie nannten die Entscheidung in deutschen Medien «seltsam». Können Sie das präzisieren?
Jörg Stiel: Grundsätzlich ist es so: In Deutschland ist das Thema Torhüter sehr wichtig. Die Deutschen nehmen - auch aufgrund von Manuel Neuer oder Marc-Andre ter Stegen - für sich in Anspruch, die besten Torhüter der Welt zu haben. Darum wird so leidenschaftlich darüber diskutiert. Und Favre diskutiert nicht gerne öffentlich.

Wie meinen Sie das?
Er kann aufstellen, wen er will. Er muss auch nichts erklären, wenn er gewinnt. Wenn du aber Spiele verlierst, dann gibt es Fragen dazu. Und gut wäre, meiner Ansicht nach, einen klaren Standpunkt zu vertreten, egal wie dieser aussieht. Das Vorgehen rund um die Bürki-Diskussion bringt ihm in der Entertainment-Welt Bundesliga Probleme, die er nicht haben müsste. Aber er machts einfach nicht gerne, öffentlich zu reden.

Er ist ja auch Fussball-Trainer.
Ja und ein sehr guter Fussball-Trainer, aber in Deutschland ist Fussball auch Show. Der BVB hat rund 160'000 Mitglieder, die wissen wollen, was passiert. Und gerade in der jetzigen Zeit ist es noch wichtiger, die Leute zu unterhalten. Ich habe immer gesagt: In Deutschland könntest du den Bundestag abschaffen, aber nicht die Bundesliga.

Gut, es ist eine gute Show, wenn erst Zorc sagt, Bürki sei die Nummer 1 und Favre es dann nicht bestätigt.
Vielleicht sehen sie das Thema gleich und Zorc drückt es dabei offen aus, was er denkt. Aber es ist klar, dass man dann in Deutschland wieder eine Geschichte über die unterschiedlichen Aussagen machen könnte. Das meine ich, wenn ich sage, Fussball ist in Deutschland auch Unterhaltung und sehr wichtig. Wir alle reden doch gerne über Fussball!

Wie sehen Sie Marwin Hitz?
Er gehört für mich auch zu den besten, konstantesten Torhüter der Bundesliga. Und Hut ab, wie professionell sich er und Bürki verhalten. Bei dieser Diskussion geht es aber nicht um die Qualität der beiden, sondern um die Kommunikation von Favre. Klappern gehört zum Handwerk in Deutschland.

Herr Zuberbühler, verstehen Sie Favre?
Pascal Zuberbühler: Nein, ich kanns nicht nachvollziehen, es ist unverständlich. Es ist eine unnötige Baustelle, die er aufgemacht hat. Auch wenn Dortmund zwei sehr gute Goalies hat. Ich finde es zudem komisch, weil der BVB den Vertrag mit Bürki bis 2023 verlängert hat.

Könnte es wegen der vielen Spiele sein?
Goalies können jedes Spiel machen. Das ist mehr eine mentale Belastung als eine körperliche. Ich finde, Lucien Favre hat sich keinen Gefallen getan. Mit dem Goalie-Theater hat er sich noch mehr Druck aufgehalst und bist noch mehr zum Siegen verdammt.

Ist der Konkurrenzkampf überhaupt gerechtfertigt?
Eigentlich nicht. Hitz ist ein super Torhüter, aber Bürki ein Top-Mann. Ich würde Roman nicht schwächen durch diese unnötige Diskussion.

Am Mittwoch spielt Dortmund in der Champions League gegen Zenit St. Petersburg. Alles andere als die erneute Nominierung von Roman Bürki wäre eine riesige Überraschung.

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