Switzerland

Stromboli grüsst Zürich: Abends ruhen die Theken auf der Insel

Monat für Monat ist unser Nachtfalter in den Zürcher Bars unterwegs. Heute berichtet er ausnahmsweise aus der Ferne – und aus der Erinnerung: Die Pandemie kennt keine Landesgrenzen.

Eine Art Erker-Separee lädt im Zürcher Hotel Citizen M zum Verweilen.

Eine Art Erker-Separee lädt im Zürcher Hotel Citizen M zum Verweilen.

Urs Bühler

Ab sofort liefert der Falter seinen monatlichen Bericht von Zürcher Bartheken am Donnerstag statt am Samstag. Zur Feier dieser kleinen Premiere schreibt er diesmal allerdings von einer Insel aus – und damit ist nicht die Schweiz gemeint: Auf Stromboli findet er den ganzen Oktober hindurch Zuflucht vor so manchem, Abend für Abend auch in der Bar «Ritrovo Ingrid». Fällt im Archipel vor Sizilien dieser Vorname, ist meist die Bergman gemeint, die vor genau siebzig Jahren mit Rossellinis «Stromboli» zur Ikone dieses Eilands geworden ist. Doch zum Nachtleben auf der Insel kommen wir weiter unten.

Spätabends gestrandet

Hoch über dem weiten Meer also flattert unser Falter inmitten tanzender Sommervögel und denkt zurück an seinen letzten Barbesuch in Zürich vor einigen Wochen: Auf der Suche nach einem spätabends noch wärmenden Ort strandete er gegen Mitternacht mit drei Freunden im Parterre des vor einem Jahr eröffneten Hotels Citizen M bei der Sihlporte. Da brannte noch Licht, hier war man willkommen für einen Drink.

Man liess sich zuhinterst in einem Separee nieder, wie geschaffen für Zeiten der Pandemie: Eine Art vollverglaster Erker mit Sofa ragt ins Trottoir hinaus, so dass man sich ins Strassenleben eingebettet fühlt und doch vor Wind und Wetter geschützt ist. Trotz offenkundigem Bemühen der Innenarchitekten, Funktionalität mit etwas Originalität zu paaren, ist das nicht das schönste Lokal der Stadt. Aber der Falter sass gut gepolstert auf diesem Inselchen, der junge Barkeeper machte passable Drinks. Er war Tessiner, und das schlägt uns die Brücke zurück zu Italien.

Stromboli! Wer die Nacht liebt, muss auch diese verzauberte Insel lieben, die auf Strassenlicht verzichtet und sich dafür einen Vulkan hält, der gerne Feuer speit. Es gibt kein Kino, keinen Supermarkt, kein blinkendes Tanzlokal. Vor der Bar «Ingrid» rauscht kein Tram vorbei wie vor dem «Citizen M» in Zürich, der Panoramablick führt aufs Meer. Das ist eines von vielleicht drei Lokalen, die fast ganzjährig offen sind, laut Schiefertafel täglich von «8.01 bis 1.30 Uhr». Mangels Gästen ist um diese Jahreszeit früher Schluss, aber kurz vor der Geisterstunde hat der Falter noch immer einen Negroni erhalten. Bis am letzten Montag.

Seither ist die hilflos anmutende Regelung der Regierung in Kraft, dass die Gastronomie im ganzen Land um 18 Uhr schliessen muss. Die Strombolaner schimpfen, «Ingrid» und ihre Artverwandten schlafen nun die ganze Nacht. Somit haben die Corona-Wirren auch diese Insel erreicht, die bis anhin nur ganz am Rande davon berührt schien. Hier spricht hinter den lässig montierten Masken niemand von einer zweiten Welle, es gab auch keine erste, hier wogt einzig das Meer.

In der Bar «Ritrovo Ingrid» auf Stromboli ist nun ab 18 Uhr Schluss.

In der Bar «Ritrovo Ingrid» auf Stromboli ist nun ab 18 Uhr Schluss.

Urs Bühler

Keine Bange, der Falter wird abends weder Durst noch Hunger leiden – es findet sich immer eine gute Stube oder ein Wirt, der für ein paar Freunde seine Küche öffnet. Wenn er nun aber spätabends an der dunklen Bar «Ingrid» vorbeikommt, packt ihn Wehmut. Das mag nicht der allerschönste Gastbetrieb der Welt sein, aber er ist zu einem Stück Heimat für ihn geworden wie so manche Stammbeiz in der Schweiz.

Was verloren geht

Die erstklassigen Paste di mandorle und Cannoli, die der vielleicht beste Zuckerbäcker der Insel im Keller dieser Bar fertigt, kann man sich immer noch tagsüber abholen. Aber kein Take-away, kein Lieferservice ersetzt, was den Aufenthalt in einem vertraut gewordenen Ort ausmacht: der schlurfende Gang des Capo, die bettelnden Augen des Haushündchens, wenn Apérogebäck auf dem Tisch steht, das Lachen der Gäste im Hintergrund . . .

So vieles geht verloren, wenn das Gastgewerbe eingeschläfert wird, ob in Zürich oder auf Stromboli.

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