Switzerland

Tiefste Rezession seit den Siebzigerjahren: Was heisst das für die Wirtschaft? Antworten von Nationalbank-Präsident Jordan

Die Schweizer Wirtschaft fällt in die tiefste Rezession seit der Erdölkrise in den 1970er-Jahren. Doch neue, spektakuläre Stützungsmassnahmen hat die Nationalbank keine auf Lager. Was das Noteninstitut trotzdem zur Krisenbewältigung beiträgt und was nicht. Die heutige Pressekonferenz in Bern gibt Antworten auf wichtige Fragen.

1. Die Nationalbank belässt den Leitzins unverändert bei minus 0,75 Prozent. Bleibt das Institut trotz Krise untätig?

Dieser Eindruck kann entstehen, weil die Nationalbank im Unterschied zu anderen Noteninstituten keine offensichtlich neuen Instrumente benutzt. Allerdings zeigt sich auch unsere Notenbank in der Krise durchaus innovativ. So spielt sie bei der Verteilung der seit März angebotenen, staatlich garantierten Liquiditätshilfen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) eine zentrale Rolle. Die Geschäftsbanken können sich die zu vergebenden KMU-Kredite nämlich durch die Nationalbank refinanzieren lassen – und zwar zu einem Zinssatz von -0,75 Prozent. Die Bank erhält für die Vergabe des zinslosen Kredits eine Zinsgutschrift von der Nationalbank. Damit stellt diese sicher, dass die Geschäftsbank andere Kredite nicht zu Gunsten der Covid-19-Fazilität einschränkt. Schliesslich sollen die Coronakredite eine zusätzliche Hilfe für die Wirtschaft darstellen.

2. Bringen diese Coronakredite denn auch das, was man sich von ihnen verspricht?

Offensichtlich schon. Von den insgesamt zur Verfügung gestellten 40 Milliarden Franken wurden bislang rund 15 Milliarden Franken an Krediten gesprochen, wobei die Banken nicht alle diese Kredite tatsächlich ausbezahlt haben. Bei der Credit Suisse liegt die Auszahlungsrate zum Beispiel bei 30 Prozent, bei der UBS bei 48 Prozent, wie die beiden Institute auf Anfrage mitteilen. Übrigens: Von den gesprochenen 15 Milliarden Franken liessen sich die Banken bislang 10 Milliarden Franken von der Nationalbank refinanzieren. Das ist ein guter Wert. Er deutet darauf hin, dass die erwünschte Ausdehnung des Kreditangebotes in der Schweizer Wirtschaft tatsächlich gelungen ist.

3. Warum wurden von den 40 Milliarden Franken nur 15 Milliarden Franken gesprochen?

Vermutlich sind viele Unternehmen auch in der Krise noch ausreichend liquid. Der Lockdown hat auch nicht die ganze Wirtschaft, sondern nur rund 80 Prozent davon lahmgelegt. Auffallend schwach ist allerdings die Nachfrage nach grösseren Coronakrediten von 500'000 Franken bis 20 Millionen Franken. Für diese Kredite steht der Bund nur zu 85 Prozent gerade. Es kann sein, dass die Geschäftsbanken hier strengere Vergabekriterien anwenden. Im heute veröffentlichten Finanzstabilitätsbericht der Nationalbank heisst es, die Banken erachteten die Geschäftsmodelle vieler Firmen, die Kredite beantragen, als wenig nachhaltig.

4. Was macht die Nationalbank sonst noch zur Krisenbewältigung?

Sie hat zwischen Anfang März und Ende Mai für rund 50 Milliarden Franken Euros und Dollars gegen Franken gekauft. Damit hat die Nationalbank verhindert, dass sich unsere Währung in der Krise weiter aufwerten konnte. Gemäss Thomas Jordan ist der Franken immer noch hoch bewertet und die Nationalbank jederzeit bereit, wieder «verstärkt» gegen die Aufwertung zu intervenieren.

5. Was erwartet die Nationalbank für die Schweizer Wirtschaft?

Die Nationalbank geht in ihrem Basisszenario davon aus, dass die Schweizer Wirtschaft im laufenden Jahr um sechs Prozent schrumpfen wird, wobei der Tiefpunkt im April erreicht wurde. Im kommenden Jahr erwartet sie eine beschleunigte Erholung. Allerdings dürfte die 2019 erreichte Wirtschaftsleistung erst Ende 2022 wieder erreicht werden.

6. Ist diese Prognose zuverlässig?

Die Nationalbank betont, dass die Eintretenswahrscheinlichkeit der Prognose sehr unsicher ist. Entscheidend wird sein, ob die Pandemie nun schrittweise überwunden werden kann, oder ob es zu einer zweiten Welle kommt.

7. Braucht die Schweiz auch ein Konjunkturprogramm und sollten wir den Unternehmen erlauben, ihre Coronakredite nicht zur Liquiditätssicherung, sondern auch für Investitionen einzusetzen?

Die Nationalbank sieht keine Anzeichen für eine Kreditklemme in der Schweizer Wirtschaft. Deshalb brauche es auch keine Ausweitung der Kreditversorgung, wie sie von gewissen Ökonomen derzeit gefordert wird. Was das Konjunkturprogramm anbelangt, schaffe die über die Arbeitslosenversicherung finanzierte Kurzarbeit derzeit die nötige Stabilisierung. Darüber hinaus gehende Konjunkturprogramme seien erfahrungsgemäss sehr kostspielig und brächten oft nicht die gewünschte Wirkung, glaubt Thomas Jordan.

8. Die Nationalbank hat eine grosse Bilanz und verdient viel Geld mit der Erhebung von Negativzinsen. Soll sie damit die AHV finanzieren, wie dies der Nationalrat möchte?

Der Bund und die Kantone haben im laufenden Jahr vier Milliarden vom Nationalbankgewinn erhalten. Für die Jahre zwischen 2021 bis 2025 muss eine neue Ausschüttungsvereinbarung festgelegt werden. Was mit diesem Geld geschieht, ist der Nationalbank im Prinzip egal. Ihr ist wichtig, dass sie nicht direkt in die Finanzierung der AHV eingebunden wird. Sie müsste sonst ein Ziel verfolgen, das mit der Geldpolitik nichts zu tun hat und dem Ziel der Preisstabilität sogar zuwiderlaufen kann. Jordan glaubt aber, dass das Parlament eine solche Finanzierung ohnehin nicht einfach beschliessen kann. Dazu sei eine Änderung der Verfassung nötig. Unter Verweis auf die heisse politische Diskussion sagt Jordan: «Es ist in dieser Situation äusserst wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren.»

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