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Trotz Kritik: Trump sieht sich als Sieger

Millionen von Amerikanern können sich nicht täuschen: Die erste Fernsehdebatte zwischen Donald Trump und Joe Biden hat ihr eigentliches Ziel, die Wählerinnen und Wähler zu informieren, nicht erreicht. Deshalb will die Commission on Presidential Debates, die seit 1987 diese TV-Duelle im Auftrag der beiden Grossparteien organisiert, nun die Spielregeln ändern. Zur Debatte steht zum Beispiel die Möglichkeit, dass der Moderator das Mikrofon des Kandidaten ausschalten kann, der seinem Kontrahenten ständig ins Wort fällt.

Im Lager des republikanischen Präsidenten macht sich bereits Unmut über die Anpassungen breit. Eine Sprecherin des Trump-Wahlkampfstabs sagte, normalerweise würden solche Änderungen nicht nach Spielbeginn vorgenommen. Dies sei ein weiteres Indiz dafür, hiess es sinngemäss von Vertrauten des Präsidenten, dass die Medien alles daransetzten, Biden zu beschützen und Trump zu schaden.

Der Präsident wiederum erkor sich zum Sieger des ersten Duells, basierend unter anderem auf «einer Zusammenstellung von Meinungsumfragen». Diese Aussage war zumindest fragwürdig, erkoren doch die demoskopischen Erhebungen nach Abschluss des Duells unisono Biden zum mehr oder weniger deutlichen Sieger.

73 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner sahen TV-Duell

Auch wies Trump darauf hin, dass die Einschaltquoten – 73 Millionen Amerikaner sahen sich den Schlagabtausch auf den wichtigsten Fernsehsendern an  – ohne seine Teilnahme weit niedriger ausgefallen wären. Er setzte am Mittwoch während eines Wahlkampfauftrittes in Duluth (Minnesota) zudem die Behauptung in die Welt, dass Biden auf eine Teilnahme an den zwei verbleibenden Fernsehdebatten, am 15. Oktober und am 22. Oktober, verzichten wolle. «So wie ich das verstehe, will er die Debatten absagen», behauptete Trump – obwohl Biden gleichentags öffentlich versichert hatte, dass er sehr wohl die Absicht habe, an den beiden nächsten TV-Duellen teilzunehmen.

Tatsache ist: Es gibt bisher keine Anhaltspunkte dafür, dass Trump von seiner aggressiven Debatten-Strategie profitierte. Verbündete wie Ari Fleischer, ehemaliger Pressesprecher von Präsident George W. Bush, sagten zwar in ihren Analysen, Biden habe, zumindest zu Beginn der Debatte, Trump weit häufiger unterbrochen und sei deshalb dafür verantwortlich, dass die Debatte entgleiste.

Andere konservative Stimmen gaben Trump aber Ratschläge, die darauf hindeuten, dass sie mit seiner Darbietung nicht zufrieden waren – obwohl das so direkt fast niemand zugeben will, der sich im Dunstkreis des Präsidenten befindet. So sagte Mike Huckabee, der ehemalige Gouverneur von Arkansas, der Präsident hätte mehr Humor zeigen sollen.

Und auf dem Kurznachrichtendienst Twitter meldeten sich konservative Stimmen zu Wort, die sagten, Trump hätte Biden ausreden lassen sollen, weil die Zuschauer dann gesehen hätten, dass der Demokrat selbst einfache Fragen nicht beantworten könne. «Trump sollte es zulassen, dass Biden sich an seinen eigenen Worten aufhängt», schrieb der Kommentator Ben Shapiro.

«Biden entkam der Schlinge»

Bekanntlich aber wählte Trump eine andere Taktik. Oder, wie es Shapiro formulierte: «Biden entkam der Schlinge.» Schwer vorstellbar, dass der Präsident damit unentschlossene, gut ausgebildete Wählerinnen für sich einnahm. Meinungsumfragen jedenfalls sehen den Präsidenten landesweit immer noch deutlich hinter Biden zurück. Gemäss einer «Change Research»-Umfrage im Auftrag des Wirtschaftssenders CNBC, die gestern publiziert wurde, wird der Demokrat von 54 Prozent der Wähler unterstützt, während 41 Prozent sagen, sie würden für Trump stimmen.

Im Vergleich zur letzten Umfrage von Mitte September, wuchs Bidens Vorsprung auf Trump damit um 4 Prozentpunkte. Hinzu kommt: Biden sammelte in den ersten 24 Stunden nach der TV-Debatte mehr als 31 Millionen Dollar an Spendengeldern ein – eine Summe, die darauf hindeutet, dass die Basis der Demokraten mit seiner Vorstellung zufrieden war. Trump veröffentlichte keine neuen Zahlen.

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