Switzerland

Twerenbold-Chef André Wildberger ringt um Carreise-Gäste: «In unseren Bussen gibt es keine Maskenpflicht»

Spätestens in der langgezogenen Rechtskurve vor dem Bareggtunnel ist klar: In der neuen Normalität nach dem Lockdown ist auch auf den Autobahnen nicht mehr alles so, wie es vor dem Ausbruch der Pandemie war. Im dichten Verkehr rollt kein einziger Reisebus mit! Dabei wäre jetzt Hochsaison, und die Schweizer Busflotten schwärmten nach ganz Europa aus.

Doch das Geschäft liegt brach, die meisten der 65 Busse des Reiseanbieters Twerenbold sind auf der anderen Seite des Baregg in Rütihof AG parkiert. Gerade mal zehn Reisen wird das Busunternehmen im Juli durchführen, meist in der Schweiz. Im August sind es immerhin schon wieder über 60 Reisen. «Unser Ziel ist es, das Geschäft auf den Herbst hin sanft hochzufahren», erklärt André Wildberger (60), Chef von Twerenbold Reisen.

Es ist ein sehr sanfter Start, denn in einer normalen Hochsaison würde das Unternehmen über 120 Reisen pro Monat durchführen! Entsprechend düster sind die Prognosen: «Je nach weiterer Entwicklung erwirtschaften wir dieses Jahr zwischen einem Sechstel und einem Viertel des Umsatzes eines normalen Geschäftsjahrs», befürchtet Wildberger.

Verflüchtigte Aufbruchstimmung

Genaue Zahlen gibt das Familienunternehmen nicht bekannt, in der Branche wird der Jahresumsatz der ganzen Gruppe auf rund 200 Millionen Franken geschätzt. Die Busreisen sind nebst den Flussfahrten des Reisebüros Mittelthurgau das wichtigste Standbein des Reiseanbieters. Daneben gehören Vögele Reisen und Imbach Wanderferien zum Angebot der Twerenbold Reisen Gruppe.

Noch zu Jahresbeginn herrschte Aufbruchstimmung im Aargauer Familienbetrieb, gab es bis Februar gar einen Buchungsrekord. Das 125. Jahr der Firmengeschichte sollte ein goldenes werden. Gerade Musikreisen gehören zu den Spezialitäten des Reiseanbieters. Doch als die Mailänder Scala Ende Februar die Sondervorstellung zum Twerenbold-Jubiläum kurzfristig absagte, war allen im Betrieb klar: Das wird ein hartes Jahr.

Jetzt geht es darum, den Schaden zu begrenzen. Seit März ruht der Betrieb, in den letzten vier Monaten kam kein Rappen ins Unternehmen. Im Gegenteil: Die Mitarbeitenden waren damit beschäftigt, eine Reise nach der anderen abzusagen. «Italien gehört zu unseren wichtigsten Märkten», sagt Wildberger. «Wir ahnten schon früh, was auf die Schweiz und die Reisebranche zukommt.»

Unsicherheit macht Planung schwierig

Bis zu 400'000 Franken kostet ein Reisebus der Luxusklasse. Nun stehen die meisten Twerenbold-Busse ohne Nummernschild in der Garage. Das spart Versicherungsprämien und Strassenverkehrsabgaben. Auch die Kurzarbeit für die Mitarbeitenden ist eine finanzielle Entlastung. Diese wird nun ab September reduziert, wenn die ganze Busflotte wieder unterwegs sein sollte. Dazu braucht es vor allem Reiseplaner, die in Zeiten von Corona vor ganz neuen Herausforderungen stehen: «Die Unsicherheit ist gross, jede Reise muss einzeln und ganz neu abgeklärt und geplant werden.»

Weil ein Teil der Belegschaft weiter im Homeoffice arbeitet, sind die Büros nur dünn besetzt. Droht nun nach der Kurzarbeit der grosse Kahlschlag? «Nein, wegen Corona sind keine Entlassungen geplant», versichert Wildberger. «Unsere Mitarbeiter sind alle Fachleute. Die würden uns im Aufschwung fehlen.» Allerdings werden zurzeit Abgänge nicht ersetzt, einzelne Mitarbeitende mussten aufgrund struktureller Anpassungen gehen.

Wie viele andere Unternehmen hat auch Twerenbold einen Covid-19-Kredit beantragt, das Geld aber noch nicht bezogen: «Wir haben alle Rückerstattungen aus dem eigenen Sack bezahlt.» Ein Vorteil für Twerenbold: Rund die Hälfte aller Kunden hat sich für eine Umbuchung oder einen Reisegutschein entschieden.

Jetzt geht es wieder los

In der grossen Garage werden die ersten Busse auf den Einsatz vorbereitet. Das Nummernschild ist wieder montiert, Plexiglas schützt den Fahrer, die erste Reihe im Bus soll in Zeiten von Corona je nach Reiseregion frei bleiben. Das Stammpublikum von Twerenbold ist im Schnitt über 65 Jahre alt. «Die Reisefreude ist jedoch ungebrochen hoch», ist der Reisespezialist überzeugt. Ebenso davon, dass es deswegen keine Schnäppchenpreise braucht, um die Kunden wieder in die Busse zu locken.

«Die Leute gehen auf Reisen, wenn sie sich wohl- und sicher fühlen.» Dafür tut Twerenbold einiges. Beim Ein- und Aussteigen und überall dort, wo der Abstand nicht eingehalten werden kann, gilt: Masken auf!

Mit einer grossen Ausnahme: «In unseren Bussen tragen die Gäste die Masken in Eigenverantwortung. In unseren Bussen gibt es keine Maskenpflicht», erklärt Wildberger. Der Grund: Die Menschen in Reisebussen gelten als geschlossene Gruppe und unterliegen nicht den Vorschriften des ÖV. «Je nach Land sind die Vorschriften jedoch strenger und jederzeit einzuhalten», schränkt Wildberger ein.

Direktverkauf bei Busreisen

Jetzt müssen nur noch die Kunden davon überzeugt sein, dass Busreisen im Moment zu den sichersten Reisearten gehören, da ja schliesslich alle Kontakte und Gesundheitsinformationen beim Veranstalter vorhanden seien. Einen Vorteil hat Twerenbold: Busreisen werden selten in Reisebüros verkauft, sondern direkt via Telefon oder Internet beim Veranstalter gebucht. Das heisst, das Busunternehmen muss sich die Marge nicht mit anderen teilen.

«Wir werden die Krise überleben», ist sich Wildberger sicher. Trotz des sich abzeichnenden Millionenverlusts in diesem Jahr. Für die Konkurrenz ist er allerdings nicht so optimistisch: «Man muss mit Marktbereinigungen rechnen», so der Reiseexperte diplomatisch.

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