Switzerland

Vor der Jagdgesetz-Abstimmung: Wanderwege wegen Wolf gesperrt

In Graubünden und Obwalden versuchen Gemeinden, Ausflügler vor Angriffen durch aufgescheuchte Kühe und Hunde zu bewahren. Naturschützer wittern ein Komplott.

Erste Gemeinden sperren in Wolfsgebieten Wanderwege. Diese zwei Tiere wurden von einer Fotofalle der Gruppe Wolf Schweiz im Oberwallis aufgenommen.

Erste Gemeinden sperren in Wolfsgebieten Wanderwege. Diese zwei Tiere wurden von einer Fotofalle der Gruppe Wolf Schweiz im Oberwallis aufgenommen.

Foto: Keystone

Es war keine leere Drohung, als die Bündner Gemeinde Lumnezia Anfang Sommer die Sperrung von Wander- und Bikewegen in Erwägung zog. Mittlerweile haben die Behörden Taten folgen lassen und für zwei Wochen einen Alpweg geschlossen. «Infolge der Wolfspräsenz», stand auf einem Plakat an der betroffenen Stelle geschrieben. Die Ausflügler mussten einen Umweg in Kauf nehmen.

«Die Sperrung war eine Vorsichtsmassnahme», sagt Gemeindepräsident Duri Blumenthal. Man habe vermeiden wollen, dass sich die Gäste einer Gefahr aussetzten. «Zum Glück ist nichts passiert.» Wegen Corona waren in diesem Sommer im Val Lumnezia so viele Leute wie selten unterwegs.

Landwirte mussten vor ihren Kühen flüchten

Die Gefahr für Wanderer geht nicht direkt von den Wolfsrudeln aus, die sich in der Surselva aufhalten. Gemäss einer Mitteilung der Gemeinde Lumnezia versetzen die Wölfe vielmehr Kühe und Herdenschutz-Hunde «in Panik» und diese verhalten sich dann aggressiv gegenüber Menschen. «So mussten im Frühjahr sogar Landwirte die Flucht ergreifen, um nicht von der eigenen Rinderherde überrannt zu werden», schreibt die Kommune.

Alles zum Jagdgesetz: Pro- und Contra zur Revidierung des Jagdgesetzes im Video.

Video: Keystone-SDA/Tamedia

Wanderwege wurden diesen Sommer nicht nur in Graubünden gesperrt, sondern auch am Glaubenberg-Pass im Grenzgebiet der Kantone Luzern und Obwalden. Die Gemeinde Sarnen ordnete die Massnahme an. Ein Älpler hatte zuvor gemeldet, die Kühe verhielten sich wild.

«Grund dafür war der Wolf», sagt Stephan Thalmann, der am Glaubenberg ein Hotel führt. Er erzählt davon, dass der Wolf seit dem Frühjahr nachts immer wieder durch die Gegend streife. Gesehen hat er das Raubtier zwar nicht. Doch sein Labrador-Hund reagiere immer, wenn der Wolf in der Nähe sei. Wegen der Sperrung hätten viele Wanderer ihre geplante Tour nicht machen können und umkehren müssen. «Sie haben sich darüber bei uns beschwert.»

Tourismus-Direktorin sorgt sich, dass Gäste ausbleiben

Unterwegs ist der Wolf auch im Entlebuch. Dort wurden bisher zwar keine Wanderwege gesperrt. Carolina Rüegg, Tourismusdirektorin von Sörenberg, kann aber nicht ausschliessen, dass man eines Tages ebenfalls zu dieser Massnahme greifen muss. «Wenn die Zahl der Wölfe weiter in diesem Masse zunimmt, gibt es auch entsprechend mehr Probleme», sagt sie. Rüegg sorgt sich, dass die Leute aus Angst vor nervösen Mutterkühen und den Herdenschutz-Hunden nicht mehr ins Entlebuch kommen. «Für den Tourismus ist die Präsenz des Wolfes nicht angenehm.»

Herdenschutz-Hunde, dieser hier wurde im Wallis fotografiert, können nach einer Begegnung mit einem Wolf zur Gefahr für Wanderer werden.

Herdenschutz-Hunde, dieser hier wurde im Wallis fotografiert, können nach einer Begegnung mit einem Wolf zur Gefahr für Wanderer werden.

Foto: Fabian Stamm, Keystone

Wanderweg-Sperrungen wegen des Wolfs sind ein neues Phänomen in der Schweiz und hochpolitisch. In einer Woche findet die Abstimmung über das Jagdgesetz statt. Dieses beinhaltet neue Regeln, um den Wolfsbestand regulieren zu können. Umfragen zufolge ist mit einem knappen Resultat zu rechnen. Und die Gegner wittern jetzt eine Verschwörung.

Für Pro Natura ist Sperrung «reine Propaganda»

«Ich habe den Eindruck, dass die Kühe und Kälber umso nervöser werden, je näher der Abstimmungstermin rückt», sagt Urs Leugger, Geschäftsführer von Pro Natura. Es sei nicht erwiesen, dass Mutterkühe wegen des Wolfs aggressiver würden. Fakt sei, dass in den letzten 25 Jahren Wolfspräsenz nie solche Verhaltensänderungen nachgewiesen worden seien, auch nicht in den Wolfsgebieten. «Die Sperrung von Wanderwegen ist reine Propaganda für das Jagdgesetz.»

Die Befürworter weisen den Vorwurf zurück. «Die Ängste der Bäuerinnen und Bauern in der Surselva vor dem Wolf sind real», sagt Markus Ritter, Präsident des Bauernverbands. Lange hätten sich die Leute dort zurückgehalten. Wenn sie jetzt sagten, dass ihre Herden durch die Präsenz der Wölfe aggressiver würden, glaube er ihnen das.

Und Lumnezias Gemeindepräsident Duri Blumenthal hofft, dass die Wölfe schnell ins Unterland weiterziehen. «Dann werden die Leute auch dort erfahren, was es heisst, mit dem Wolf zu leben.»

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