Switzerland

Wenn der Alpenfirn sich rötet – bei der SP bringen sich die «Alpensozis» in Stellung

Der Tradition der «Alpensozis» entstammen hartköpfige Bergler wie Alt-SP-Präsident Peter Bodenmann und Andrea Hämmerle, Mitarchitekt der Alpeninitiative. In Andermatt hat die Formation nun ein unschlüssiges Revival gegeben.

Geht es nach der SP-Gruppe Berggebiet, sollen nur noch wenige Töfffahrten über Alpenpässe stattfinden können.

Geht es nach der SP-Gruppe Berggebiet, sollen nur noch wenige Töfffahrten über Alpenpässe stattfinden können.

Alessandro Crinari / Keystone

Die Töfffahrer, die an diesem sonnigen Montagmorgen zu Hunderten durch Andermatt fahren, sind entspannt. Sie wissen nicht, dass im Gasthaus Adler ein paar Sozialdemokraten dabei sind, auf ihre Vertreibung hinzuarbeiten.

Mit seinem Maggi-Aromat-Chic bietet der «Adler» das ideale Bühnenbild für die Mitglieder der SP-Gruppe Berggebiet, die hier auf über 1400 Metern ü. M. Ideen für eine nachhaltige Entwicklung in den Berggebieten vorstellt. Dazu gehört ihrer Meinung nach auch eine Minimierung von Motorradfahrten über Alpenpässe. Wer sich hingegen mit dem Velo oder dem E-Bike an die Bewältigung der Serpentinen wagt, ist den «Alpensozis», wie sich die Vereinigung selbst nennt, willkommen.

Noch vor ein paar Jahren stand der «Adler» kurz vor der Schliessung. Der Zapfhahn wurde durchgespült und zugedreht, die Jukebox, die seit 1975 «Una paloma blanca» spielte, eingemottet. Dass das Lokal seit anderthalb Jahren wieder geöffnet hat, ist auch dem Aufschwung zu verdanken, den Andermatt seit seiner Entdeckung durch den ägyptischen Investor Samih Sawiris erlebt. Seine Andermatt Swiss Alps Group ist die zweitgrösste Arbeitgeberin im Kanton Uri. Auf den Plätzen drei und vier folgen die kantonale Verwaltung und das Kantonsspital.

Doch Investoren spielen im am Montag vorgestellten Konzept der Alpensozis keine grosse Rolle. Zwar spricht sich die Gruppe nicht gegen Neuansiedlungen von Firmen in Randregionen aus. Den Schwerpunkt legt sie aber auf den Ausbau regionaler Wertschöpfungsketten, biologische Landwirtschaft, nachhaltigen Tourismus und Home-Office-Anreize dank schnelleren Internetverbindungen. Konkret fordert die SP etwa staatlich subventionierte Gebäudesanierungsprogramme für die Berghotellerie, «den Ausbau von Fördermechanismen des Bundes zum Schutz von Natur und Landschaft», mehr Geld aus der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe für den öffentlichen Verkehr und ewig sprudelnde Wasserzinsen.

Die Bezeichnung Alpensozis ist nicht neu. Helmut Hubacher hatte sie sich seinerzeit für hartköpfige Bergler wie Peter Bodenmann und Andrea Hämmerle ausgedacht. Hämmerle war Mitarchitekt der Alpeninitiative, unter Bodenmann setzte sich die SP 1991 für den Bau eines Ausbildungszentrums für Flieger- und Flab-Offiziere im Berner Oberland ein – der Arbeitsplätze wegen. Danach wurde es ein paar Jahre still um die Gruppe. Erst der erbitterte Kampf gegen eine Senkung der Wasserzinsen brachte die Berggenossen wieder in Stellung: als eine Art linken Flügel der «Alpen-Opec», wie sie selbstironisch zugeben. Die sozialdemokratischen Parteien der Kantone Bern, Glarus, Graubünden, Schwyz, Tessin, Uri, Wallis und Appenzell-Innerrhoden rückten wieder enger zusammen. Ihre Ideen und Vorstellungen fassten sie im neuen Positionspapier zusammen, das offenbar als eine Art Memorandum of Understanding verstanden werden will.

Wie die meisten politischen Konzepte fällt das Papier hauptsächlich durch eine Strapazierung der Modalverben «sollen» und «müssen» auf: Während etwa beim Service public «neue Wege der effizienten Versorgung und Zusammenarbeit ausprobiert» werden sollen, muss Wasserkraft ökologischen Anforderungen genügen. Die Fallbeispiele, die an der Medienkonferenz vorgestellt wurden, reichten von den Gemeindefusionen im Kanton Glarus (anscheinend eine Idee der Juso) über die Eröffnung einer Kindertagesstätte im Bleniotal bis zum Kampf der SP Oberwallis gegen die Stromnetzbetreiberin Swissgrid, die zwischen Chippis und Mörel eine Höchstspannungsleitung bauen will. Geht es nach der SP, soll die Leitung unterirdisch verlegt werden.

Was denn nun genau das Kernanliegen der Gruppe sei, fragte ein Journalist nach der Präsentation. Die Antwort darauf fällt offenbar auch den Alpensozis nicht leicht. Nach einigem Hin und Her übernahm es Thomas Kistler, Gemeindepräsident von Glarus Nord, zu antworten. Es gehe darum, den Wunsch nach genügend Arbeitsplätzen im Alpenraum und den Anspruch nachhaltiger Entwicklung in Einklang zu bringen, sagte er. Bei Investitionen in den Tourismus seien deshalb auch der Klimawandel und die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu berücksichtigen. Statt trotz stetig steigenden Schneegrenzen überall auf Skitourismus zu setzen, müsse die Entwicklung in Richtung Ganzjahrestourismus gehen.

Der eigentliche Daseinszweck der Alpensozis dürfte allerdings parteiintern legitimiert sein. Die SP versteht sich als urbane Partei. Die neue Parteiführung kommt entweder aus Zürich oder aus Winterthur. Doch Forderungen, die geschlechtsneutrale Toiletten oder ein neues Schulfach Velofahren betreffen, lösen im Alpenraum höchstens ein Schulterzucken aus. Im Bleniotal gilt schon die Eröffnung einer Kinderkrippe als sozialistischer Firlefanz. «Bei uns», sagt Thomas Kistler, wird man nicht Gemeindepräsident, weil man in der SP ist. «Man wird es, weil man ein engagierter, konsensorientierter, manchmal sogar gemässigter Politiker ist.»

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