Switzerland

Wie unser Steuersystem Frauen benachteiligt

Der finanzielle Anreiz, mehr zu arbeiten, sei wegen des heutigen Steuersystems klein, heisst es in einer neuen Untersuchung. Davon sind meist Frauen betroffen. Karriere machen lohnt sich nicht.

In gut ausgebildete Frauen investiert die Gesellschaft viel. Entsprechend sinnvoll ist es aus volkswirtschaftlicher Perspektive, wenn sie mit einem hohen Pensum arbeiten. Das Steuersystem, wie es die Schweiz kennt, erschwere dies allerdings.

In gut ausgebildete Frauen investiert die Gesellschaft viel. Entsprechend sinnvoll ist es aus volkswirtschaftlicher Perspektive, wenn sie mit einem hohen Pensum arbeiten. Das Steuersystem, wie es die Schweiz kennt, erschwere dies allerdings.

Foto: Getty Images

Nach der Geburt des Kindes wieder zur Arbeit? Das ist für viele Frauen in der Schweiz längst Tatsache. Was aber auch noch immer Tatsache ist: Mütter arbeiten meist weniger. Dabei wäre es volkswirtschaftlich wünschenswert, wenn Mütter wieder verstärkt einer Arbeit nachgehen würden. In die Ausbildung gut qualifizierter Frauen hat der Staat viel Geld investiert, dass dieses Potenzial auch genutzt werden sollte. Doch wie schaffen wir es, dass mehr Frauen nach der Geburt achtzig Prozent oder mehr wieder einsteigen und so die Chance auf eine Karriere wahren? Heute ist die Realität: Wer Teilzeit arbeitet, hat weniger Chancen auf eine Beförderung.

Dieser Frage ist Avenir Suisse in einer Studie nachgegangen. Die wichtigsten Punkte.

So soll das Steuersystem geändert werden

«Das Schweizer Steuersystem ist frauenfeindlich»: so lautet die Kurzzusammenfassung der Befunde der Studie. Dazu ein Beispiel: Ein Mann arbeitet zu 100 Prozent mit dem Schweizer Medianlohn für Männer von 82’000 Franken. Eine Frau arbeitet dazu mit einem Schweizer Medianlohn für Frauen von 72’000 Franken auf 100 Prozent hochgerechnet. Weil der Mann mit seiner Arbeit ein höheres Einkommen hat, ist er in diesem Szenario der Erstverdienende und arbeitet 100 Prozent. Dass der Mann mehr arbeitet, wenn erst mal Kinder da sind, ist in der Schweiz oftmals Realität und hat neben dem verbreiteten Familienbild auch mit dem Lohn zu tun, der meist höher liegt als bei der Partnerin.

Im Szenario haben die beiden im Kanton Zürich zwei Kinder, die in der Zeit, in der beide Elternteile arbeiten, in der Kita sind. Das Problem: Liegt die Erwerbsquote der Frau höher als 60 Prozent, ist Ende Monat trotz höheren gemeinsamen Einkommens weniger Geld für die Familie da. Erstens weil die Betreuungskosten steigen. Aber zweitens auch wegen der gemeinsamen Veranlagung der Einkommen, wenn es um die Steuern geht.

Avenir Suisse hat deswegen acht Ansätze miteinander verglichen, um diesen falschen Anreiz aus dem Steuersystem zu bringen. Die Lösung im Bezug auf Steuern mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis laut dem liberalen Thinkthank Avenir Suisse: eine Individualbesteuerung von Mutter und Vater. Das würde zu Steuerausfällen führen. Dafür würde es sich für Frauen und zweitverdienende Männer lohnen, ihr Pensum aufzustocken. Ein Wechsel des Steuersystems hat Nachteile für andere Gruppen: Verheiratete ohne Kinder würden mit diesem System steuerlich höher belastet als jetzt.

Die Heiratsstrafe

Die Individualbesteuerung würde zudem ein Relikt in der Besteuerung in der Schweiz ausmerzen: die Heiratsstrafe. Der Umstand, dass ein Paar verheiratet ist, hat einen direkten Einfluss auf die Höhe der Steuern, die es bezahlen muss. Besonders negativ ausgeprägt ist die Heiratsstrafe, wenn beide Partner gleich viel verdienen. Traditionelle Einverdienerhaushalte werden durch diese Art der Besteuerung gefördert. «Das bestehende Steuersystem setzt also für verheiratete Frauen den Anreiz, nicht oder nur in tiefen Pensen zu arbeiten», schreibt Avenir Suisse.

Lieber Betreuungskosten absetzen

Neben einer Reform des Steuersystems sieht Avenir Suisse auch in einem erhöhten Betreuungskostenabzug einen Anreiz, dass Frauen mehr arbeiten. «Mit der Erhöhung des Betreuungskostenabzugs könnte verhindert werden, dass sich Mütter ganz aus dem Erwerbsleben zurückziehen oder ihr Arbeitspensum stark reduzieren, weil die Belastung durch Steuer- und Betreuungskosten zu hoch ist», heisst es in der Studie. Die Entlastung erfolge gezielt und temporär und sei daher mit geringen Steuerausfällen verbunden. Im Gegensatz dazu habe eine Erhöhung des Kinderabzugs bei den Steuern kaum einen Einfluss auf Erwerbsanreize.

Kinderbetreuung als Grundbedingung

Eine höhere Erwerbsquote bei Eltern ist nur dann möglich, wenn auch ausserfamiliäre Betreuungsmöglichkeiten verfügbar und bezahlbar sind. In der Studie kommt Avenir Suisse zum Schluss, dass Betreuungsgutscheine, wie sie in verschiedenen Städten eingeführt wurden, in Bezug auf die Beschäftigungsquote effektiver funktionieren als eine generelle Preissenkung bei Kitas. Dort würden Mitnahme- und Verdrängungseffekte dazu führen, dass der Effekt auf die Beschäftigung weniger stark sei als erhofft, heisst es in der Studie.

Die Sache mit dem Vaterschaftsurlaub

Anders als in anderen europäischen Ländern gibt es in der Schweiz kein allgemeines Anrecht auf einen Vaterschaftsurlaub. Die von den Firmen gewährten Freitage stiegen zwar in der Tendenz in den letzten Jahren, doch ist ein Vaterschaftsurlaub von einem bis drei Tagen in vielen Firmen noch immer Realität.

Das Bedürfnis hat sich jedoch verändert: Vermehrt wollen Väter gerade in den ersten Monaten nach der Geburt ihres Kindes Zeit mit dem Kind verbringen. Die Studie kommt nun zum Schluss, dass in Bezug auf die Gleichstellung am Arbeitsmarkt ein Betreuungsurlaub, in dem beide Eltern einbezogen werden, helfen kann. Also nicht nur ein Mutterschaftsurlaub, wie man ihn heute kennt in der Schweiz, sondern frei aufteilbare Zeit, um das Baby oder Kleinkind zu betreuen.

Dabei sei die Dauer und Höhe des Erwerbsersatzes entscheidend. Sei die Elternzeit kurz, könnte es dazu führen, dass sich Mütter ganz aus dem Erwerbsleben zurückziehen. Ist er zu lange, könne sich das «negativ auf die Beschäftigung, die Karrierechancen und den Lohn auswirken», heisst es in der Studie. Wie lange diese Zeit allerdings sein sollte, dazu macht die Studie keinen abschliessende Aussage. Zudem müsse der Erwerbsersatz genug hoch sein, damit die finanziellen Einschränkungen während des Elternurlaubs nicht zu gross sei.

Apropos Vaterschaftsurlaub: Im Herbst entscheiden wir über einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub. Dieser sei «eine Kompromisslösung, die zwar kaum Auswirkungen auf die Beschäftigung der Mütter oder die Gleichstellung haben dürfte, jedoch einen Schritt für einen besseren Einbezug der Väter in die Familienarbeit darstellt», heisst es in der Studie.

Kindswohl ist kein Thema

Die Studie lässt Punkte wie Kindswohl und andere soziologische Überlegungen aussen vor. Es ist aber nachvollziehbar, dass zumindest eine bessere Einbindung von Frauen in das Erwerbsleben Vorteile für die Gesellschaft hat. Zudem hat Avenir Suisse nur die Bundessteuer zum Vergleich der verschiedenen Steuersysteme herangezogen. Dies, obwohl die Bundessteuern nur einen Teil der Steuerausgaben ausmachen. «Die negativen Erwerbsanreize können jedoch bereits mit einer Anpassung des Steuersystems auf Bundesebene abgeschwächt werden – bei einer Ausweitung auf die Kantone ist tendenziell mit einer Verstärkung der Beschäftigungseffekte zu rechnen», heisst es dazu in der Studie.

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