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75 Jahre Stauffenberg-Attentat: Die geheime Geschichte des 20. Juli

Berlin -

Am 20. Juli 2019 jährt sich das Attentat von Claus Schenk Graf von Stauffenberg auf Hitler zum 75. Mal. Zu den Mitverschwörern im Widerstand gegen die Nazi-Diktatur gehörte auch der Jurist und Wehrmachtsoffizier Paulus van Husen (1891–1971).

Die Spur zu dieser historisch bedeutsamen Person führt ins Rheinland: Der Bonner Psychiater, Theologe und Autor Manfred Lütz (65) hat jetzt die Lebenserinnerungen seines Großonkels – Paulus van Husen – veröffentlicht.

Es ist eine unbekannte Geschichte des 20. Juli 1944. Die Geschichte eines tiefgläubigen Katholiken und Kämpfers für Recht und Freiheit, der sich selbst nie als Helden gesehen hat.

Stauffenberg-Attentat: Aufzeichnungen des Mitverschwörers Paulus van Husen gefunden

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Paulus Van Husen in seiner Zeit beim Oberkommando der Wehrmacht (1940–1944). 

Die Geschichte befand sich jahrzehntelang in einem verschnürten Papierstapel in einem Schrank versteckt. 1997 entdeckte Lütz die Aufzeichnungen des Großonkels im Haus von dessen Erben Hans-Norbert – nicht ahnend, was ihn da erwartet.

„Die Geschichte war so spannend, dass ich die ganze Nacht durchgelesen habe“, sagt er uns.

Paulus van Husen wächst in einem tiefreligiösen, großbürgerlichen Elternhaus in Münster auf, arbeitet nach dem Jurastudium und einer Episode als Soldat im Ersten Weltkrieg zuerst als Jurist im Staatsdienst in Schlesien, bald als Richter am Oberverwaltungsgericht in Berlin.

„Die Beurteilung, die er später von den Nazis erhielt, lautete: Van Husen sei so katholisch, dass er für den Nationalsozialismus verloren sei“, sagt Lütz.

Stauffenberg-Attentat: Paulus van Husen eigentlich treuer Staatsdiener

Er verzichtet auf eine eigene Familie, versorgt zwei Schwestern, eine davon früh verwitwet und mit sechs Kindern, mit denen er gemeinsam ein Haus bewohnt. „Paulus musste die Familienangehörigen irgendwie durchbringen, das hat ihn bis zum Ende seines Lebens belastet“, sagt sein Großneffe.

Paulus van Husen war immer ein treuer Diener des Staates, aber unter den Nazis geht er sofort innerlich auf Distanz zum System. „Die Rechtsverachtung durch die Nazis hat ihn zutiefst angewidert, dieses Barbarische, Brüllende. Er fand das unmoralisch“, so Lütz.

Seit 1940 arbeitet van Husen im Führungsstab des Oberkommandos der Wehrmacht, „er ist sehr nah dran an militärischen Entscheidungen, bleibt aber als Widerständler unerkannt, hat mit dem Nazipropagandisten Joseph Goebbels und mit dem brutalen SS-Führer Reinhard Heydrich zu tun, aber später eben auch mit Stauffenberg Geheimgespräche geführt.“

Nazi-Widerstandsgruppe: Kreisauer Kreis

Er ist Mitglied im „Kreisauer Kreis“, einer Widerstandsgruppe, die Pläne für eine politische Neuordnung Deutschlands nach dem Zusammenbruch der Hitler-Diktatur entwickelt.

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Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg.

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Er selbst beschreibt diesen Widerstand, der von ihm und anderen Mitgliedern des Wehrmachtsführungsstabes ausgeübt wurde, einmal als „Partisanenkrieg mit der Partei“ – ein aufreibender Kampf, der sich in zahlreichen Aktivitäten politischen Ungehorsams äußerte.

Wenn man das mit einem heutigen Wort beschreiben würde, war Paulus van Husen ein Netzwerker hinter den Kulissen, der nach langen Gewissenskämpfen den Tyrannenmord unterstützte.

Knapp eine Woche vor dem Attentat gibt es ein Treffen mit Peter Graf Yorck von Wartenburg und dem späteren Attentäter Stauffenberg. Van Husen erinnert sich in seinen Memoiren: „Als er fortging, wurde der Atem des Schicksals spürbar bei den letzten Worten, die ich von ihm hören sollte: 'Es bleibt also nichts übrig, als ihn umzubringen.'“

Paulus van Husen landete im KZ

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Manfred Lütz entdeckte die Aufzeichnungen seines Großonkels. 

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Im Falle eines Erfolges war Paulus van Husen als Staatssekretär im Reichsinnenministerium vorgesehen. Doch das Attentat scheitert. „Paulus sitzt auf dem Zahnarztstuhl, als die Helferin hereinkommt und von den Neuigkeiten aus dem Rundfunk berichtet“, so Lütz.

In den nächsten Monaten werden 150 Menschen von den Nazis als Mitverschwörer oder Mitwisser in den Tod getrieben oder getötet. Van Husen wird im Oktober 1944 als Letzter verhaftet, kommt ins Gefängnis, später dann ins KZ.

Er ist im April 1945 Angeklagter im letzten Prozess, der vor dem Volksgerichtshof geführt wird. „Die Richter hören schon den Kanonendonner der Russen, denken an ihre eigene Zukunft – sein Glück, sie verurteilen ihn nicht zum Tode, sondern zu Zuchthaus.“

Paulus van Husen wird Präsident des Verfassungsgerichtshofes für NRW

Als die Rote Armee Berlin erreicht, kommt van Husen frei. Er wird 1952 erster Präsident des Verfassungsgerichtshofes für NRW.

Was macht diese Geschichte für die heutige Zeit relevant? „Man kann hier erleben, wie das ist, aufrecht zu bleiben, wenn rundherum die Unmoral um sich greift“, sagt Manfred Lütz. „Wir laufen heute ja auch Gefahr, dass in der Politik moralische Kategorien verloren gehen.“

Paulus van Husen unterstützte jüdische Familien

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Zum Lesen: Paulus Van Husen/Manfred Lütz: „Als der Wagen nicht kam. Eine wahre Geschichte aus dem Widerstand.“ (Herder, 376 Seiten, 25 Euro).

Was Manfred Lütz am meisten in der Autobiografie Van Husens berührte, waren die Schilderungen vom Ende der 1930er-Jahre.

„Er hatte Kontakt mit zwei jüdischen Familien im Grunewald, der einen Familie konnte er helfen, in die Schweiz auszureisen, die andere Familie musste nach den Nürnberger Gesetzen in ein sogenanntes Judenhaus ausziehen.

Paulus’ Schwester hat der Familie während des Krieges Lebensmittel gebracht, obwohl sie selbst nicht genug zu essen hatten. Und Paulus hat sich dennoch immer vorgeworfen, nicht noch mehr für sie getan zu haben.“ 

Der Widerstandskämpfer starb im Jahr 1971 in Münster.

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