logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo
star Bookmark: Tag Tag Tag Tag Tag
Germany

Deutschland-Studie "Generation Mitte": Im Land der verunsicherten Gewinner



Hey Deutschland!
Wie geht's?

Die große Mehrheit der 30- bis 59-Jährigen würde diese Frage wohl mit einem "Ooch, gut geht's!" beantworten - und dann doch noch einschränkend ein schnelles "eigentlich" anfügen.

Überspitzt formuliert lässt sich so das Stimmungsbild der "Generation Mitte" zusammenfassen, wie sie das Meinungsforschungsinstitut Allensbach nennt. Die Forscher haben für ihre Untersuchung insgesamt 1048 repräsentativ ausgewählte Männer und Frauen im Alter zwischen 30 und 59 Jahren befragt.

Sie umfasst bundesweit etwa 35 Millionen Menschen. Auf sie entfallen 70 Prozent der Erwerbstätigen und mehr als 80 Prozent der steuerpflichtigen Einkünfte. Es handelt sich damit um "die Leistungsträger unserer Gesellschaft", schreiben die Autoren der Studie.

Erstellt wurde die Untersuchung im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Der SPIEGEL konnte die Ergebnisse vorab auswerten. Vor allem im Vergleich zu den Vorjahren zeigen sich bemerkenswerte Verschiebungen. Die "Generation Mitte" sei "zutiefst verunsichert", sagt Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher (hier geht's zu den Studien-Ergebnissen).

Die ökonomische Lage

An der ökonomischen Lage liegt es laut der Allensbach-Daten jedenfalls nicht, wenn sich viele Bürger 2018 mehr Sorgen machen als in den Vorjahren. Der lang anhaltende Wirtschaftsaufschwung hat die Lage vieler Bürger verbessert. Nur zwölf Prozent der Befragten machen sich noch Sorgen um die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes. Das ist der niedrigste Wert seit der ersten Erhebung der Studie im Jahr 2013.

2015 und 2016 wurde die Frage nicht gestellt.

Auch die Abstiegsängste sind erkennbar geringer geworden. 2016 sahen noch 15 Prozent eine große Gefahr eines sozialen Abstiegs, 2018 waren es nur noch elf Prozent. Deutlich von 19 auf 31 Prozent gestiegen ist der Anteil jener, die für sich selbst derzeit keinerlei Risiko eines sozialen Abstiegs zu erkennen meinen.

Diese Ergebnisse korrespondieren mit dem Eindruck einer Mehrheit, dass sich ihre wirtschaftliche Lage in den vergangenen fünf Jahren verbessert hat. 42 Prozent geben an, es gehe ihnen heute besser als 2013, 40 Prozent bezeichnen ihre Lage als unverändert. Allerdings schwanken die Einschätzungen stark mit dem Einkommen. Unter Geringverdienern gibt die Mehrheit an, ihre Lage habe sich eher verschlechtert (37 Prozent).

Gestiegen ist auch der Anteil der Befragten, die damit rechnen, ihr persönlicher Aufschwung werde sich fortsetzen: 21 Prozent gehen davon aus, dass es ihnen 2023 besser gehen wird als heute, nur sieben Prozent fürchten eine Verschlechterung.

Bemerkenswert: Die Befragten haben den Eindruck, dass sich die Aufstiegschancen zuletzt verbessert haben, eine Kategorie, bei der Deutschland traditionell eher schlecht abschneidet.

Die politische Lage

Trotz der guten ökonomischen Entwicklung: Die Allensbach-Daten zeigen auch, dass eine tiefgreifende Verunsicherung breite Teile der Bevölkerung erfasst hat: Das Vertrauen in die politische Stabilität der Bundesrepublik ist deutlich geschrumpft. Nur noch 27 Prozent "ziehen ein Gefühl der Sicherheit aus der politischen Lage in Deutschland". Im Jahr 2015 waren es 49 Prozent.

2016 und 2017 wurde die Frage nicht gestellt.

Detaillierte Gründe für diese Verschiebung führt die Studie nicht explizit auf. In den Jahren 2016 und 2017 wurde diese Frage nicht gestellt. Deshalb ist unklar, ob der Anstieg der empfundenen politischen Unsicherheit mit den hohen Flüchtlingszahlen ab Herbst 2015 zusammenhängt, den Schwierigkeiten der Regierungsbildung zur Jahreswende 2017/2018, der durch US-Präsident Trump veränderten Weltlage - oder womöglich eine Reaktion auf das Erstarken der AfD ist.

Deutlich wird jedenfalls die Sorge um das gesellschaftliche Klima in Deutschland: Seit 2016 ist der Anteil der Bürger, die eine Schwächung des gesellschaftlichen Zusammenhalts beklagen, auf 67 Prozent gestiegen. Eine große Mehrheit von 65 Prozent empfindet ihn insgesamt als "schwach" oder sogar "sehr schwach".

Ein Vorsorge-Paradox?

Die Forscher gehen jedes Jahr auch einer Frage nach, die den Auftraggeber besonders interessiert, den Versicherungsverband GDV: Sorgt Deutschland für die Zukunft vor - und wenn ja, wie?

Viele der Befragten beklagen beispielsweise, ihre Eltern hätten es leichter gehabt, Geld beiseitezulegen (39 Prozent) oder Wohneigentum zu kaufen (41 Prozent). Eigene Ersparnisse gelten der großen Mehrheit als wichtigster Faktor, um sich selbst "sicher" zu fühlen.

Die Angaben, die sich zur Einstellung der "Generation Mitte" zum Thema Sparen in der Untersuchung finden, muten vor diesem Hintergrund allerdings ein wenig paradox an: 84 Prozent geben ihr Geld lieber "für ein schönes Leben" aus oder "wollen sich nicht einschränken".

Themes
ICO