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Germany

Geothermie in Gelting: Zweite Chance für ein Fernwärmenetz ?

Gelting – Nach dem ersten Forschungsprojekt auf dem Hofgut Breitenbach soll es ein zweites geben. Einen entsprechenden Förderantrag hat die Enex Power Germany beim Bundeswirtschaftsministerium gestellt. „Wir hoffen, dass wir Mitte des kommenden Jahres einen positiven Bescheid bekommen“, sagt Enex-Geschäftsführer Dr. Robert Straubinger. Dann kann in Gelting weiter untersucht werden, wie sich die Erdwärme am besten nutzen lassen kann. Eine konkrete Idee gibt es bereits.

„Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitermachen“: So fasst Straubinger die knapp zehn Jahre zusammen, die er das Geothermie-Projekt in Gelting nun schon für Enex als Geschäftsführer begleitet. In dieser Zeit musste der 66-Jährige einige Rückschläge einstecken. Zweimal wurde das schlimmste Szenario wahr: 2013 und 2017 schlug die Bohrung fehl. Tief unten in der Erde gab es nicht ausreichend heißes Wasser. Aber der studierte Physiker hat die Hoffnung nicht aufgegeben. „Es hätte schlimmer kommen können“, gibt sich Straubinger optimistisch.

Noch immer sind die Technische Universität (TU) München und das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) mit der Auswertung der im Jahr 2017 gewonnenen Daten beschäftigt. Wie berichtet hatten die Forscher die zweite Bohrung, eine Ablenkbohrung in unterirdische Kluftzonen, wissenschaftlich begleitet und zahlreiche Gesteinsproben zutage gefördert. Das Ergebnis: Das Gestein unter dem Hofgut Breitenbach ist petrothermal. Das heißt: dicht, heiß und trocken. Fast alle anderen Geothermie-Standorte in Bayern sind dagegen hydrothermal. Dort kann natürlich vorhandenes Thermalwasser zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt werden.

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Wie kann das sein? „Vor 140 Millionen Jahren hat sich die für uns interessante Kalksteinschicht gebildet. Und die war überall in Bayern sehr ähnlich“, erklärt Straubinger. Dann kam es zu Veränderungen. Im Raum München verkarstete die Schicht, bildete großräumige Poren aus, durch die Wasser strömen und erfolgreich gefördert werden kann. „In unserer Region wurde diese Schicht durch die spätere Bildung der Alpen sehr tief nach unten gedrückt.“

Enex musste in Gelting sehr tief bohren. Die Endteufe lag bei 6036 Metern. Dort maß Enex rekordverdächtige 169 Grad. Der viel höhere Druck und die Hitze haben die Poren laut Straubinger wieder zuwachsen lassen und dem Wasser den Weg versperrt. Diese Erklärung passt ins Bild: In Sauerlach können zirka 100 Liter Thermalwasser pro Sekunde gefördert werden. In Holzkirchen etwa 50. In Gelting waren es keine zehn Liter pro Sekunde.

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Trotz der Trockenheit will Enex den Standort in Gelting nicht aufgeben. Die im Tiefengestein gespeicherte Wärme soll genutzt werden, ähnlich wie in Soultz-sous-Forêts im Elsaß. Dort wird in künstlich vergrößerte Risse und Klüfte unter hohem Druck Wasser injiziert. Das Wasser erhitzt sich, und eine Förderbohrung pumpt es wieder an die Erdoberfläche, wo es zur Stromerzeugung genutzt wird. „Wir wären die ersten, die so etwas Ähnliches in Bayern machen würden“, sagt Straubinger über die Idee. Voraussetzung ist allerdings, dass der Bund das Projekt wieder bezuschusst. Der Antrag ist gestellt. Jetzt hofft der Enex-Geschäftsführer, dass das Ministerium dem Vorhaben zustimmt. „Bekommen wir einen positiven Bescheid, können wir Mitte des kommenden Jahres weitermachen.“

Den großen Traum von einem fünf Megawatt starken Kraftwerk hat sich Enex schon vor Jahren abgeschminkt. Aber Straubinger ist sich sicher: „Für ein Fernwärmenetz für Geretsried würde es dicke reichen.“

nej

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