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„In grünen Zonen kehrt die Normalität zurück“ – doch man darf sie nicht verlassen

Der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, ist einer der wichtigsten Ökonomen des Landes. Sein Urteil hat Gewicht – für Politik und Wirtschaft. Umso beängstigender dürfte für viele seine Einschätzung der bisherigen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sein.

„Wir müssen mehr tun. Das, was bisher unternommen wurde, geht zwar in die richtige Richtung, aber ich habe große Zweifel, ob es reicht.“ Aktuell seien die Infektionszahlen zwar stabil – aber sie müssten sinken. „Stabile Infektionszahlen auf diesem Niveau erlauben kein Ende des Lockdowns.“

Laut Fuest könnte sich aufgrund von Mutationen die Situation in den kommenden Monaten sogar noch mal deutlich verschlimmern. Es drohten weitere Lockdowns, sogar Schließungen von Industriebetrieben wären dann denkbar. „Das muss unbedingt verhindert werden“, so Fuest. Sonst rutsche Deutschland in eine schlimme Rezession.

Ifo-Präsident Clemens Fuest fordert klare Perspektiven

"Den Menschen muss endlich eine zeitliche Perspektive aufzeigt werden", sagt Ifo-Präsident Clemens Fuest

Quelle: dpa-infocom GmbH

Helfen soll eine ganz neue Strategie. Fuest hat gemeinsam mit zwölf anderen Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen ein Papier veröffentlicht, in dem sie beschreiben, wie man die Infektionen auf null senken und so weitere Lockdowns verhindern könnte. Die Wissenschaftler sprechen von einer No-Covid-Strategie.

„Die Menschen brauchen eine Strategie, die klar kommuniziert wird und ihnen endlich eine zeitliche Perspektive aufzeigt, wie es weitergeht. Die bisherige Krisenpolitik ist intransparent und schwer nachvollziehbar. Wirtschaft und Gesellschaft brauchen mehr Planungssicherheit“, sagt Fuest.

„Eiertanz beenden“

No-Covid ist als eine Art marktwirtschaftliche Antwort auf die Zero-Covid-Initiative zu verstehen, die Ärzte, Pflegekräfte, Künstler, Lehrer und Klimaaktivisten gegründet haben. Sie wollen mit einem „solidarischen europäischen Shutdown“ die Pandemie beenden. Im Kontrast dazu steht die Haltung des Kölner Wirtschaftswissenschaftlers Michael Hüther und des Bonner Virologen Hendrik Streeck. Die beiden Wissenschaftler lehnen harte Eingriffe ab und fordern, dass wir uns auf eine neue Normalität einstellen müssen.

Die No-Covid-Strategie soll die Bevölkerung durch ein gemeinsames Ziel motivieren. „Sie vermittelt, dass wir Mitglieder einer Gemeinschaft seien, die selbst etwas tun können, um in ein normales Leben zurückzukehren, aber auch, dass im Gegenzug auf staatliche Maßnahmen und Hilfen Verlass ist“, heißt es in dem Papier. Der „Eiertanz“ solle endlich beendet werden.

Die No-Covid-Strategie besteht aus drei Elementen: ein schnelles Absenken der Infektionszahlen auf null, die Gründung von sogenannten Grünen Zonen und ein „rigoroses Ausbruchsmanagement bei sporadischem Auftreten neuer Fälle“.

Es gebe strikte Kontakt- und Mobilitätsbeschränkungen sowie strikte Quarantäne-Regeln. In den übrigen Zonen bleiben die strikten Kontaktbeschränkungen bestehen, Firmen, die strenge Hygienevorschriften erfüllen und soweit möglich Homeoffice anbieten, können aber weiter offen bleiben.

Konkret bedeutet dies, dass Gegenden, in denen die Inzidenz auf zehn gefallen ist, zur Grünen Zone erklärt werden. Danach soll die Inzidenz sogar weiter auf null fallen. „In diesen grünen Zonen kehrt die Normalität zurück. Es können Kindergärten, Schulen und Friseure geöffnet werden. Einzige Einschränkung: Sie dürfen die Grünen Zonen nicht verlassen.“

Weniger Pendler, höhere Taktung. Wie soll das gehen?

Die gesamte Gastronomie, die Geschäfte, selbst die meisten Schulen und Kitas sind mittlerweile geschlossen – und doch bleiben die Corona-Zahlen hoch. Was könnte also noch helfen? Nun rückt der Berufsverkehr ins Blickfeld.

Quelle: WELT/Maximilian Seib

Als Vorbild nennen die Forscher Länder wie Taiwan, Neuseeland oder Australien. Die Vier-Millionen-Großstadt Melbourne habe für die Reduktion von zehn auf null nur drei bis vier Wochen benötigt. „Das Ziel für alle ist es, eine Grüne Zone zu bleiben“, heißt es in dem Papier.

„Wir müssen das Ziel No-Covid klar vor Augen haben und einen gesellschaftlichen Konsens herstellen, dass wir als Gesellschaft nicht mit dem Virus leben wollen und können, sondern es besiegen wollen. In jeder Gemeinde, in ganz Deutschland, in Europa und weltweit.“ Die Forscher fordern eine deutschlandweite Kommunikations- und Motivationskampagne, um diese neue Zielsetzung zu vermitteln.

Da die Kontrollen schnell an ihre Grenzen geraten, setzen die Forscher auf das Gewissen der Bürger. Grenzschließungen seien dann auch nicht zwingend notwendig.

„Der Vorschlag klingt sehr radikal. Aber er ist es nicht. Lieferketten würden aufrechterhalten bleiben und damit die Wirtschaft geschont“, so Fuest. Man brauche allerdings deutlich mehr Homeoffice und FFP2-Masken auch am Arbeitsplatz, fordert der Ifo-Präsident.

Ausnahmen für Berufspendler aus anderen Zonen wären denkbar. In seinen Augen ginge es nicht darum, die Infektionen sehr schnell auf null zu senken. Aber sie müssten deutlich sinken. „Und dafür brauchen wir eine neue Strategie. Nur dann schaffen wir es durch die kommenden Monate.“

Indes hat auch Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW), eine Verschärfung der Maßnahmen gefordert. „Die zweite Corona-Welle muss schnellstmöglich gebrochen werden, auch um langfristig enorme wirtschaftliche Schäden abzuwenden. Dies könnte die letzte Chance sein, einen noch tieferen Wirtschaftseinbruch zu vermeiden, denn viele Unternehmen sind in ihrer Existenz bedroht“, sagte Fratzscher.

Ein harter Lockdown sei zwar unmittelbar ein tiefgreifender Einschnitt für Unternehmen und Selbstständige. Die Wahrscheinlichkeit sei aber hoch, dass der fehlende Mut der Politik, frühzeitig und entschieden zu handeln, dazu führt, dass ein Rückgang der Zahl der Infizierten und damit eine Lockerung der Restriktionen noch weiter in die Ferne rückt. „Zu zögerliche Schritte, die womöglich in eine dritte Infektionswelle münden könnten, würden für noch mehr Verunsicherung bei Unternehmen, Selbstständigen und VerbraucherInnen sorgen“, safte Fratzscher. Dies hätte verheerende Folgen für die wirtschaftliche Entwicklung.

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