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Kölner Fotokünstlerin Anna Blume gestorben: In den Fallen der Gewohnheit

Köln -

Wo die Gemütlichkeit zu Hause ist, lebt das Unheimliche zur Untermiete. Es lugt aus Sofaritzen und Plastikblumenarrangements, verbirgt sich in Teppich- und Tapetenmustern, es kriecht durch jede Ritze und jeden Türspalt, und natürlich lauert es unterm Ehebett. Wer sich noch an das Mobiliar der Nachkriegszeit erinnern konnte, an Fernsehschrank und röhrenden Hirsch, fand sich in den Fotoserien des Künstlerehepaars Anna und Bernhard Blume schnell zurecht. Auf ihren Bildern kommt die deutsche Behaglichkeit in jene Schräglage, die das Verdrängte wieder zum Vorschein bringt: Die Kamera kippt die Szenerie zur Seite, die Linien stürzen und mit ihnen Tische, Stühle und Bewohner. Das Zuhause wird zur Falle der Gewohnheit, der Auslöser des Fotoapparats setzt die Poltergeister frei.

Das traute Heim wird surreal

Das Kölner Künstlerpaar Anna und Bernhard Blume gilt bis heute, neun Jahre nach Bernhards Tod, als Geheimtipp der deutschen Kunstszene. Dabei hat sich wohl niemand so versiert den Untiefen des Gelsenkirchener Barocks gewidmet wie die Blumes. Ihre in schwarz-weiß gehaltenen Fotografieserien heißen „Mahlzeit“ oder „Trautes Heim“ und zeigen mit ihnen selbst in den Hauptrollen genau das Gegenteil von dem, was sie verheißen. Wie im Slapstickfilm stehen die Requisiten gegen ihre Besitzer auf, treiben sie in Ecken und gegen Wände, oder sie verschlingen sie wie in „Vasenekstase“ gleich mit Haut und Haar. Die Hausfrau wird von ihrer eigenen Gründlichkeit erschlagen und der Ehemann verschluckt sich am gut gefüllten Mittagstisch. Das ist alles höchst symbolisch arrangiert und steht zugleich in der großen Tradition des deutschen Kunstkalauers.

Geheimtipp der Kunstszene

Über Jahrzehnte bewohnten Anna und Bernhard Blume in Köln ihr persönliches Haus der deutschen Geschichte und fochten ihren Privatkrieg gegen den Tiefsinn in der Kunst. „Ödipale Komplikationen?“, fragt ein Serientitel schelmisch, wenn Herr Blume neben seiner Mutter auf dem Sofa sitzt. Dann springen und hüpfen beide um die Wette, und mit einem Mal wirken die verwischten Figuren und aufgerissenen Münder gar nicht mehr unheimlich, sondern befreiend. Es ist eine der seltenen Aufnahmesequenzen, die spontan entstanden sind, während die Blumes ihre Bilder sonst planten wie vor der Staffelei. Dass sie sich als Maler mit der Fotokamera begriffen, sieht man den Wischeffekten und den unmöglichen Perspektiven ihrer Bilder an.

Anna Blume wurde 1937 im westfälischen Bork geboren, 1960 begann sie an der Düsseldorfer Kunstakademie zu studieren und lernte dort den gleichaltrigen Bernhard kennen. Allerdings fanden sie erst im Jahr 1980 auch als Künstler zusammen, um gemeinsam, wie sei sagten, an einem „lebenslangen Fotoroman“ zu schreiben. Dieser führte sie früh ins New Yorker Museum of Modern Art und immer wieder in Kölner Ausstellungshäuser: 2005 war ihr „Kreuzweg“ im Museum Ludwig zu sehen, 2015 ihr „Transzendentaler Konstruktivismus“ in Kolumba.

In der Kunst des Ehepaars Blume spielte der Widerstreit von männlich und weiblich codierten Bedeutungen immer eine Rolle. Neben der gemeinschaftlich betriebenen Fotografie wandelten sie als Zeichner aber zuweilen auch auf Solopfaden und entwickelten hier ebenfalls den Charme, der sie zu vergnügten Außenseitern machte – kein Wunder, dass sie in Köln heimisch wurden. Jetzt ist auch Anna Blume gestorben – bereits am Mittwoch, wie an diesem Sonntag bekannt wurde. Sie wurde 83 Jahre alt.

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