Liechtenstein

Konzertante Befreiung aus dem Lockdown

Das Wort "endlich" war oft zu hören an diesem Mittwochabend im Basler Münster. Endlich wieder vor Publikum spielen, endlich wieder wirklich an einem Konzert teilhaben zu können. Viele Wochen konnte das Sinfonieorchester Basel den Kontakt zu seinem Publikum nur auf virtuellen Kanälen halten - was es rege und mit viel Originalität auch tat. Zum Saisonabschluss kam es nun doch noch einmal zur physischen Begegnung, wenn auch unter besonderen Umständen.

Von einem "bewegenden Moment" sprach Hans-Georg Hoffmann, Künstlerischer Direktor des Sinfonieorchesters Basel. Wer hätte vor Monaten gedacht, dass man sich der Situation ausgesetzt sehen würde, dass ein Konzertbesuch die Gesundheit gefährden könne, sagte er. Und Münsterpfarrerin Caroline Schröder-Field freute sich als Hausherrin, dass man nun anfangen könne, die einsamen Inseln wieder zu verlassen - wenn auch in einem Münster, das sich noch nicht so richtig füllen dürfe.

Die besonderen Umstände ergaben sich aus den pandemiebedingten Schutzmassnahmen und Einschränkungen. Mehr als 300 Personen dürfen sich im Moment noch immer nicht zu einer Veranstaltung zusammenfinden. Unmöglich also, den vor der Coronakrise programmierten Abschluss des Bruckner-Zyklus unter Chefdirigent Ivor Bolton stattfinden zu lassen.

Die 7. Sinfonie von Anton Bruckner ist auf grosse Besetzung mit gut 80 Musikerinnen und Musikern angelegt. Da auf dem Konzertpodium den gebotenen Abstand zu wahren, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Und im Kirchenschiff hätten auf Grund der Personenbeschränkung nur noch ein paar Dutzend Konzertbesucherinnen und -besucher Platz finden können.

Bruckner als Kammerkonzert

Auf den Abschluss des Bruckner-Zyklus mit der populären 7. Sinfonie mochte das Sinfonieorchester aber dennoch nicht verzichten. Auch nicht auf das erste Zusammentreffen mit dem aufstrebenden jungen Schweizer Violinisten Sebastian Bohren. Für beides fand das Orchester eine überraschend stimmige Lösung.

Bohren hätte eigentlich als Solist in Sofia Gubaidulinas zeitgenössischen "Offertorium" debütieren sollen. Das war aufgrund der Grösse des Orchesters nicht möglich. Und nach einem Ausweich-Violinkonzert mit kleinerer Besetzung wollte man nicht suchen, also stellte der junge Geiger sein Können mit einem Violinsolo von Johann Sebastian Bach unter Beweis.

Die wirkliche Überraschung und Parforceleistung kam dann aber mit Bruckner. Das Orchester griff auf eine Kammerfassung der Sinfonie zurück, die Hanns Eisler, Erwin Stein und Karl Rankl - alle drei Schüler von Arnold Schönberg - vor fast hundert Jahren arrangiert hatten.

Auf dem Podium beschränkte sich das Aufgebot der Musikerinnen und Musiker inklusive Dirigent damit auf zwölf Personen. Die mit "Face Shields" ausgerüsteten Platzanweiser und Schutzmaskenverkäuferinnen dazu gezählt, konnten also rund 260 Konzertbesucherinnen und -besucher Platz finden. Ein Grossteil davon trug Schutzmasken, die verteilt und als Sonderedition mit dem Logo des Orchesters verkauft wurden.

Das Publikum konnte sodann dem Spiel eines Kammerensembles beiwohnen, das Dank des Halls im Kirchenschiff und des eingesetzten Harmoniums zuweilen wie ein grosses Orchester wirkte. Und es konnte über Musikerinnen und Musiker staunen, die quasi im Alleingang den Klang eines ganzen Registers füllen mussten und das auch vermochten - und die sich nach wochenlangem Rückzug in die heimischen vier Wände spontan zu einem bemerkenswerten Zusammenspiel vereinigten.

Das war insofern erstaunlich, als der Chefdirigent erst wenige Tage vor dem Konzert mit dem ersten Flug von Barcelona nach Basel gekommen war. Dies hatte zur Folge, dass das Ensemble nur zweimal physisch zusammen proben konnte.

Zwillingsschwestern am Klavier

Auch sonst war die Aufführung mit Herausforderungen verbunden. Die Kammerbesetzung verlangt ein vierhändig gespieltes Klavier. Zu zweit vor einer Tastatur sitzend lässt sich der gebotene Abstand zwischen den Musikern aber unmöglich einhalten.

Das Sinfonieorchester fand aber auch in diesem Fall eine überraschende Lösung: Engagiert wurden die in Österreich lebenden Zwillingsschwestern Ferhan und Ferzan Önder, die als Geschwister keinen Abstand halten müssen. Zwei sich so sehr ähnelnden Pianistinnen gegenüber zu sehen, hatte nicht zuletzt auch seinen visuellen Reiz an diesem aussergewöhnlichen Konzertabend. (sda)

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