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30 Nachwuchsastronauten starten in die Schwerelosigkeit

„Astronaut for a Day“

Taher Dalili und Ben Lies sind beim Zero-Gravity-Flug am Donnerstag unter den schwerelosen Fluggästen.

Taher Dalili und Ben Lies sind beim Zero-Gravity-Flug am Donnerstag unter den schwerelosen Fluggästen. Foto: Christophe Olinger

Fast 100 Passagierflüge heben jeden Tag vom Findel ab, die tausende Passagiere zu Destinationen in ganz Europa bringen. Am kommenden Donnerstag boarden 30 junge luxemburgische Passagiere am lux-Airport allerdings eine ganz besondere Maschine: den Airbus A310 Zero G. Wenn die Maschine vom Findel abhebt, hat sie eine mehr als abenteuerliche Parabelflugroute vor sich, die im Endeffekt wieder zurück nach Luxemburg führt. Spannend ist dabei weniger, welche Landstriche überflogen werden, als viel mehr die Flughöhe.

Was ist ein Parabelflug?

Ein Parabelflug ist ein Flugmanöver, bei welchem das Flugzeug wiederholt nach einem steilen Steigflug in einen kontrollierten Sturzflug übergeht und so ein gleichmäßiges vertikales Wellenmuster abfliegt. Dadurch kann am Scheitelpunkt für rund 22 Sekunden Schwerelosigkeit oder eine der Mond- oder Marsgravitation ähnliche verminderte Schwerkraft simuliert werden.

Am tiefsten Punkt entsteht beim Abfangen des Sturzfluges hingegen für etwa 20 Sekunden eine Hyperschwerkraft, bei der die Passagiere das 1,8-fache ihres eigenen Gewichtes spüren. Insgesamt 15 dieser Parabeln werden in einem speziell dafür vorgesehenen Luftraum im Norden Frankreichs abgeflogen, was mit kurzen Pausen etwa eine Stunde dauert.

Bei den Zero G-Flugzeugen handelt es sich meist um ausgemusterte Airliner mit leichten Anpassungen.
Bei den Zero G-Flugzeugen handelt es sich meist um ausgemusterte Airliner mit leichten Anpassungen.

Bei den Zero G-Flugzeugen handelt es sich meist um ausgemusterte Airliner mit leichten Anpassungen. Foto: Shutterstock

An das Ticket für diesen besonderen Flug kamen die 30 jungen Passagiere zwischen 13 und 19 Jahren über den „Astronaut for a Day“-Wettbewerb der Luxembourg Space Agency, bei welchem aus 221 Bewerbern in mehreren Runden die finale Passagierliste herausgefiltert wurde. Neben den 30 Finalisten wurden noch zusätzliche fünf Reservisten ausgewählt, die in die Schwerelosigkeit dürfen, falls es Ausfälle auf der Passagierliste gibt.

Motivation durch Lehrer

Die beiden Schüler Ben Lies (18) und Taher Dalili (19) gehören zu den glücklichen Gewinnern und erzählen im Gespräch mit dem „Luxemburger Wort“, wie sie zu dem ungewöhnlichen Flug gekommen sind. Beide Nachwuchs-Astronauten wurden von Lehrern zur Bewerbung animiert. „Wir wissen, dass du Pilot werden willst, du liebst Flugzeuge. Vielleicht magst du es ja auch ein wenig höher zu fliegen“, erinnert sich Taher an die Bemerkung seiner Biologie- und Chemielehrer am Lycée Technique du Centre in Limpertsberg.

Beide Schüler bewarben sich über das eigens für den Wettbewerb eingerichtete Videoportal mit einer kurzen Vorstellung. Ben und Taher interessieren sich schon seit ihrer Kindheit für den Weltraum. „Für mich ging es dabei immer um die Galaxien, die Sterne oder den Big Bang. Am meisten fasziniert mich einfach diese unbekannte Weite“, erzählt Taher. „Bei mir kommt die Faszination auch viel aus dem technischen Bereich, da ich mich auch sehr für Raketentechnik und solche Dinge interessiere“, ergänzt Ben, der am Atert-Lycée Redange zur Schule geht.

Taher Dalili und Ben Lies freuen sich schon auf ihre erste Erfahrung in der Schwerelosigkeit.
Taher Dalili und Ben Lies freuen sich schon auf ihre erste Erfahrung in der Schwerelosigkeit.

Taher Dalili und Ben Lies freuen sich schon auf ihre erste Erfahrung in der Schwerelosigkeit. Foto: Christophe Olinger

Als „Astronaut for a Day“ werden beide Schüler nicht nur die Gelegenheit haben, den Zero-Gravity-Flug am Donnerstag mitzuerleben, sondern im Verlauf des Jahres zahlreiche Akteure und Experten der Weltraumindustrie kennenlernen, wie Juliette Pertuy, Head of Communication der Luxembourg Space Agency verrät. „Sie sollen ein richtiges Gefühl dafür bekommen, wie die Weltraumindustrie funktioniert und vielleicht Inspiration für die Zukunft finden“, so Pertuy.

Zu groß für den Astronauten-Job

Sowohl Ben als auch Taher können sich ein Studium im Raumfahrt-Sektor vorstellen. Der Berufstraum vom Astronauten ist für den über 1,90 Meter großen Ben allerdings bereits geplatzt, da er damit die erlaubte Maximalgröße überschritten hat.

Im Hinblick auf die Luxembourg Space Agency sind beide Schüler sich einig, dass es ein wichtiger Schritt für die Zukunft für ein Land wie Luxemburg ist. „Auch als kleines Land kann man zu einem Anführer einer ganzen Industrie werden“, findet Ben. „Ja, im Raumfahrt-Sektor kommt es nicht auf die Größe an“, pflichtet ihm Taher bei. Mit der zunehmenden Privatisierung im Sektor übernehmen auch international immer mehr große Unternehmen wie Elon Musks SpaceX das Zepter.

Sich jetzt auf die Suche nach einem anderen Planeten zu machen, kann nicht die Lösung für unsere Probleme sein.

„Aktuell finde ich in der Raumfahrt vor allem die Entwicklungen von SpaceX sehr spannend, so zum Beispiel die selbstlandenden Raketenbooster. Das sieht immer noch aus wie Science Fiction, ist aber mittlerweile Realität“, erzählt Ben begeistert. Von Musks interplanetaren Gedankenspielen halten beide Schüler aber erstmal wenig. „Ich denke es ist wichtig, sich erst einmal um die Erde zu kümmern, denn gerade ist die Erde der einzige Planet den wir haben“, so Taher. „Ja, sich jetzt auf die Suche nach einem anderen Planeten zu machen, kann nicht die Lösung für unsere Probleme sein“, pflichtet ihm Ben bei.

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Nichtsdestotrotz blicken beide gespannt auf das bevorstehende Abenteuer in der Schwerelosigkeit und alles, was die „Astronauts for a Day“ in den kommenden Monaten erwartet. „Wir werden unser Bestes geben, um danach so viele Schüler wie möglich zu inspirieren und das Interesse für den Weltraum und die Luxembourg Space Agency zu wecken“, fasst Taher zusammen. Über einen einmaligen Tagesjob geht der Astronauten-Job der beiden Schüler dann wohl doch deutlich hinaus.

Luxembourg Space Agency

Die nationale Weltraumagentur des Großherzogtums wurde 2018 vom damaligen Wirtschaftsminister Étienne Schneider (LSAP) gegründet. Zu den Zielen gehört die Unterstützung des kommerziellen Raumfahrtsektors im Großherzogtum.

Ein besonderer Fokus liegt auf dem Bereich des „Space Mining“, wobei es um den theoretischen Abbau von Rohstoffen auf Asteroiden geht.