Luxembourg
This article was added by the user . TheWorldNews is not responsible for the content of the platform.

Als ich aus Versehen einen Marathon spazierte

Gazettchen

Wer mit mir einen Spaziergang machen möchte, muss Nerven aus Drahtseilen haben. Oder die Route selber planen.

Spazierengehen ist seit geraumer Zeit eines meiner Steckenpferde. Mir mal länger oder kürzer die Füße zu vertreten, erlaubt es mir, den Kopf wieder freizukriegen. Mein einziges Problem an der Sache besteht darin, dass ich keine besonders gute Beziehung zum Beschaffen von Informationen habe. Eine Tatsache, die sehr nervig ist, jedoch auch stets für Überraschungsmomente sorgt.

Vor einigen Wochen war es mal wieder so weit. Im mittleren Norden des Landes sollte der nächste Spaziergang stattfinden. Ich schlug meinem Wanderkameraden vor, die ersten beiden Etappen des Lee Trails in Angriff zu nehmen. 30 Kilometer sollten es werden, bergauf und bergab durch die luxemburgischen Ardennen bis nach Kautenbach. Wie praktisch, dachte ich noch, da fahren ja Züge.

Statt zehn Kilometern standen uns noch 20 Kilometer bevor.

Natürlich machte ich mich im Vorfeld ein wenig schlau. Man geht ja nicht ins Blaue hinein. Direkt angesprochen fühlte ich mich durch folgenden Satz: „Wie gemacht für abenteuerlustige, sportliche Wanderer und Naturliebhaber.“ Und wahrscheinlich für Menschen, die lesen können, zu denen ich offenbar nicht gehöre.

Denn nach knapp 17 Kilometern von Ettelbrück nach Burscheid fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Statt rund zehn Kilometern standen uns noch 20 Kilometer mit recht vielen Höhenmetern über diverse Schieferkämme bevor. Und statt am praktischen Bahnhof Kautenbach sollten wir in Hoscheid ankommen.

Nach der Beichte, die mit ungläubigem Kopfschütteln zur Kenntnis genommen wurde, nahmen wir den Rest der Marathonstrecke in Angriff. Nach nicht enden wollenden Anstiegen, viel Fluchen, einer verlorenen Schuhsohle und 42 Kilometern erreichten wir Hoscheid, wo wir natürlich den Bus um acht Minuten verpassten.