Luxembourg
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Der Friedensapostel von der Alzette wartet auf seinen Heiligenschein

Glaube

Kirchenvertreter und Politiker würdigen gemeinsam das politische und christliche Vermächtnis des „père de l’Europe“ Robert Schuman zu dessen 60. Todestag.  

Robert Schuman (Bildmitte) reichte den Deutschen die Hand. Im badischen Oberkirch trifft er seine Nachfolger als Vorsitzende des EU-Parlaments, den Deutschen Hans Furler (rechts) und den Franzosen Pierre Pflimlin (links).   

Robert Schuman (Bildmitte) reichte den Deutschen die Hand. Im badischen Oberkirch trifft er seine Nachfolger als Vorsitzende des EU-Parlaments, den Deutschen Hans Furler (rechts) und den Franzosen Pierre Pflimlin (links).    Foto: Staatsarchiv Freiburg

Er war ein „Mann der Grenzen“, der allerdings grenzenlos agierte und über die Grenzen hinaus die Hände reichte. Als überzeugten Katholiken wusste er Brüderlichkeit und Versöhnung in sein politisches Handeln zu implementieren. Vor dem Hintergrund der augenblicklichen Weltlage haben sein realistischer Pragmatismus und sein christliches Engagement nichts an Aktualität eingebüßt. Der in Luxemburg geborene Robert Schuman, der mit seinem Friedensprojekt eine Zeitenwende einläutete, starb am 4. September 1963 in Scy-Chazelles. Anlässlich seines 60. Todestages ehrte die Stadt Metz den ersten Präsidenten des EU-Parlaments mit einem Kolloquium und einem Pontifikalamt in der Kathedrale von Metz, wo auch die Frage nach der Heiligkeit in der Politik gestellt wurde.

Plädoyer für nachhaltige Pax Schuman

„Robert Schuman verdient als ,père de l’Europe‘ bezeichnet zu werden“, sagt Ehrenstaatsminister Jacques Santer am Vorabend der Feierlichkeiten in Metz gegenüber unserer Zeitung. In einem international angespannten Kontext habe Schuman sein politisches Ansehen seiner Erklärung vom 9. Mai 1950 zu verdanken, die das Gesicht Europas und der Welt nachhaltig verändern sollte, so der frühere Premierminister Luxemburgs. Besonders geprägt habe Jacques Santer, der von 1995 bis 1999 Präsident der Europäischen Kommission war, ein Satz aus der geschichtsträchtigen Schuman-Erklärung: „Der Friede der Welt kann nicht gewahrt werden ohne schöpferische Anstrengungen, die der Größe der Bedrohung entsprechen“.  

Die Friedensfürstin Maria im Blick: Die Marienstatue in der „Maison Robert Schuman“.in Scy-Chazelles.
Die Friedensfürstin Maria im Blick: Die Marienstatue in der „Maison Robert Schuman“.in Scy-Chazelles.

Die Friedensfürstin Maria im Blick: Die Marienstatue in der „Maison Robert Schuman“.in Scy-Chazelles. Foto: Maison Robert Schuman Scy-Chazelles

„Sollten die Worte Robert Schumans nicht unsere Politiker auch heute inspirieren?“, sagt Jacques Santer über jenen Staatsmann, dem Papst Franziskus am 19. Juni 2021 den heroischen Tugendgrad anerkannt hat. Auch der frühere EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bezeichnet Robert Schuman als „Inspirationsquelle für die Generationen von heute und morgen“.

Christlicher Politiker oder politischer Christ?

Der Frage, ob Robert Schuman ein Politiker für unsere Zeit sei, gingen letzte Woche lothringische Politiker und Historiker bei einem Kolloquium nach, wo neben dem politischen Mut und dem diplomatischen Feingefühl der soziale Christianismus des Metzer Rechtsanwalts und dessen religiös-spirituelle Quellen gewürdigt wurden.

„Bescheidener Christ, großer Politiker“ : So bezeichnet Jacqueline Rougé (Bild), die von 1953 bis 1962 Schumans „secrétaire particulière“ war, den ehemaligen französischen Außenminister. Die heute 92-jährige Weggefährtin Robert Schumans chauffierte den Friedensapostel in ihrer 2 CV durch Paris
„Bescheidener Christ, großer Politiker“ : So bezeichnet Jacqueline Rougé (Bild), die von 1953 bis 1962 Schumans „secrétaire particulière“ war, den ehemaligen französischen Außenminister. Die heute 92-jährige Weggefährtin Robert Schumans chauffierte den Friedensapostel in ihrer 2 CV durch Paris

„Bescheidener Christ, großer Politiker“ : So bezeichnet Jacqueline Rougé (Bild), die von 1953 bis 1962 Schumans „secrétaire particulière“ war, den ehemaligen französischen Außenminister. Die heute 92-jährige Weggefährtin Robert Schumans chauffierte den Friedensapostel in ihrer 2 CV durch Paris Foto: Marc Jeck

„Die Wurzeln Robert Schumans nehmen uns in die Verantwortung“, unterstreicht der Metzer Bürgermeister François Grosdidier während der Schuman-Experte Christian Pennera die lothringisch-elsässischen Wurzeln Schumans – seine aus Bettemburg stammende Mutter verbrachte weite Teile ihres Lebens im Elsass – sowie die Tatsache, dass Schumann sein Abitur im wilhelminischen Metz vor dem Hintergrund des im Jahr 1900 eingeführten bürgerlichen Gesetzbuches machen wollte, hervorhob. Als Generalsekretär des Metzer Katholikentages 1913 inmitten des Kulturkampfes habe Schuman das katholische Metz verkörpert. Schuman wurde später im Pariser Parlament der elsässischste unter den lothringischen Volksvertretern genannt. Der Metzer Bischof Mgr Philippe Ballot zitierte Schumans Schlachtwort „prudence lorraine, fermeté alsacienne“, das dieser angesichts der geopolitischen Lage während des Zweiten Weltkrieges an den Tag gelegt hatte. Die ehemalige Privatsekretärin Schumans Jacqueline Rougé bezeugte, dass Lothringen „die spirituelle und soziale Matrix“ des Politikers gewesen sei. Die 92-jährige, die den großen Politiker in den 1950er-Jahren in ihrer 2 CV durch Paris chauffiert hatte, bescheinigte dem „chrétien politique“ zudem einen bescheidenen Lebensstil.  

Ganz Luxemburger, ganz Katholik!

Bei seiner Verabschiedung als Präsident des Europäischen Parlaments im März 1960 soll ein Volksvertreter aus der Champagne gesagt haben, dass Robert Schuman „zu einem Teil Luxemburger“ sei, worauf der Präsident mit einer warmen, aber betonten Stimme erwidert haben soll: „Ich bin es ganz“. Der am 29. Juni 1886 in Clausen geborene Robert Schuman sagte in seiner Abschiedsrede in Straßburg, dass „die Jugendjahre und die Jahre der entscheidenden gymnasialen Ausbildung seinem Leben die geistige Orientierung gegeben haben“.

Ganz Luxemburger, so ist Robert Schuman auch ganz Katholik, der seinen Glauben wohl von der aus dem Großherzogtum stammenden Mutter Eugénie Duren geerbt hatte. Sichtbares Zeichen für den Glauben ist der Rosenkranz in seiner Hosentasche und die barocke Marienstatue, die Robert Schumans Zimmer in seinem Wohnhaus in Scy-Chazelles ziert – ein Geschenk von Schumans Nachfolger als Präsident des Europäischen Parlaments Hans Furler, der an Schumans Geburtstag 1960 sämtliche EU-Parlamentarier und Robert Schuman nach Oberkirch eingeladen hatte.

Europahymne und Gebet um ein Wunder

„Zur christlichen Überzeugung Robert Schumanns ist anzumerken, dass er kein religiöser Exhibitionist war; er stellte seine Religion nicht zur Schau, sondern er lebte sie“, sagte Heinz-Hermann Elting, der ehemalige Vizepräsident des Instituts Saint Benoît Patron de l’Europe, jener Vereinigung, die sich seit 1988 für die Seligsprechung des ehemaligen französischen Außenministers einsetzt und federführend die Feierlichkeiten zum 60. Todestag orchestrierte. Zur Seligsprechung fehlt allerdings noch ein Wunder!  

Kein „Santo subito“ gibt es für Robert Schuman. Dafür aber großen Bahnhof in der Kathedrale von Metz, wo am 3. September Metzer Erzbischof Philippe Ballot (Bildmitte), der Vorsitzende der französischen Bischofskonferenz, Eric de Moulins-Beaufort (links) und Luxemburgs Kardinal Jean-Claude Hollerich (rechts) einen festlichen Danksagungsgottesdienst inklusive Europahymne und Gebet um ein Wunder konzelebrierten.
Kein „Santo subito“ gibt es für Robert Schuman. Dafür aber großen Bahnhof in der Kathedrale von Metz, wo am 3. September Metzer Erzbischof Philippe Ballot (Bildmitte), der Vorsitzende der französischen Bischofskonferenz, Eric de Moulins-Beaufort (links) und Luxemburgs Kardinal Jean-Claude Hollerich (rechts) einen festlichen Danksagungsgottesdienst inklusive Europahymne und Gebet um ein Wunder konzelebrierten.

Kein „Santo subito“ gibt es für Robert Schuman. Dafür aber großen Bahnhof in der Kathedrale von Metz, wo am 3. September Metzer Erzbischof Philippe Ballot (Bildmitte), der Vorsitzende der französischen Bischofskonferenz, Eric de Moulins-Beaufort (links) und Luxemburgs Kardinal Jean-Claude Hollerich (rechts) einen festlichen Danksagungsgottesdienst inklusive Europahymne und Gebet um ein Wunder konzelebrierten. Foto: Marc Jeck

Dass am vergangenen Samstag sowohl der Apostolische Nuntius bei der EU Mgr Noël Treanor, der Apostolische Nuntius in Frankreich Mgr Celestino Migliore, der Vorsitzende der französischen Bischofskonferenz Mgr Eric de Moulins-Beaufort und „unser“ Kardinal Jean-Claude Hollerich – nebst weiteren Bischöfen aus Frankreich und Trier - der Einladung des Erzbischofs-Bischofs von Metz gefolgt sind, den 60. Todestag Schumans in der „Lanterne de Dieu“ in Metz zu begehen, zeigt, wie sehr die Figur des katholischen Politikers in die Kirche von heute hineingestrahlt werden möchte.

Die Bischöfe und Ehrengäste am Grab von Robert Schuman in Scy-Chazelles. 
Die Bischöfe und Ehrengäste am Grab von Robert Schuman in Scy-Chazelles. 

Die Bischöfe und Ehrengäste am Grab von Robert Schuman in Scy-Chazelles.  Foto: Service communication diocèse de Metz

„Robert Schuman lebte mehr in der Zukunft als in der Vergangenheit“, so Mgr Ballot, der in seiner Predigt Parallelen zwischen dem Zeitkonzept des heiligen Augustinus und dem Zeitverständnis Robert Schumans zog. „Europa war für Robert Schuman nicht zuerst eine Institution, sondern ein Klima des gegenseitigen Vertrauens“, sagte der Metzer Oberhirte, der am Beispiel Schumans bemerkte, dass man politische Aktion nicht von der Aktion der göttlichen Vorsehung dissoziieren könne, denn jede Aktion beeinflusse die Zukunft. Während des Pontifikalamtes, an dem auch einige Gläubige aus Luxemburg teilgenommen hatten, würdigte Père Dominique Thiry Luxemburg als „unsichtbaren Pfeiler der Metzer Kathedrale“.

Die Seligsprechung von Robert Schuman steht noch vor Hürden. Derweil präsentiert sich das Grab seiner Eltern auf dem Friedhof Fetschenhof-Cents, die Schuman den Glauben vermittelten, nicht in bestem Zustand. 
Die Seligsprechung von Robert Schuman steht noch vor Hürden. Derweil präsentiert sich das Grab seiner Eltern auf dem Friedhof Fetschenhof-Cents, die Schuman den Glauben vermittelten, nicht in bestem Zustand. 

Die Seligsprechung von Robert Schuman steht noch vor Hürden. Derweil präsentiert sich das Grab seiner Eltern auf dem Friedhof Fetschenhof-Cents, die Schuman den Glauben vermittelten, nicht in bestem Zustand.