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Discounter sorgt mit „wahren Preisen“ für heftigen Ärger

Einzelhandel

Die deutsche Handelskette Penny hat einige ihrer Produkte extrem verteuert, um auf klimaschädliche Auswirkungen der Lebensmittelproduktion hinzuweisen.

Wer diese Waren im Einkaufswagen hat, zahlt bei Penny derzeit deutlich mehr.

Wer diese Waren im Einkaufswagen hat, zahlt bei Penny derzeit deutlich mehr. Foto: AFP

(he) - Rund 3.000 Produkte hat der Discounter im Angebot, bei gerade einmal neun dieser Produkte wurde der Preis angezogen. Es betrifft also weit weniger als ein Prozent des gesamten Sortiments. Und trotzdem sorgt die Aktion im benachbarten Deutschland für Unmut. Die Preise wurden nämlich heftig angehoben: Die 400-Gramm Packung Wiener von Mühlenhof kostet jetzt 6,01 Euro statt 3,19 Euro. Für Bio-Wiener von Naturgut werden 5,36 Euro statt 3,29 Euro fällig, die Kugel Mozzarella stieg im Preis von 0,89 auf 1,55 Euro.

Aktion wissenschaftlich begleitet

Während sich ein Teil der Kundschaft über die Preise ärgert, stört andere viel mehr die Begründung. Laut Penny soll mit der extremen Preiserhöhung nämlich auf die schädlichen Auswirkungen auf Klima und Umwelt durch die Lebensmittelproduktion hingewiesen werden. Die Idee sei es, neun Produkte des täglichen Bedarfs, von Wurst bis Joghurt, zu den „wahren Kosten“ anzubieten, einschließlich der „Auswirkungen auf den Boden, das Klima, das Wasser und die Gesundheit“, erklärt dazu laut AFP die auf Hard-Discount spezialisierte Kette. Die Aktion, die mit Experten für Lebensmittelökonomie vorbereitet wurde, läuft noch bis Ende dieser Woche in allen 2.150 Penny-Märkten in Deutschland.

„Diese unsichtbaren Kosten entstehen zwangsläufig entlang der Lieferketten, spiegeln sich aber nicht oder nur teilweise im Verkaufspreis wider“, versichert das Unternehmen, das nach eigenen Angaben „den Grundstein für eine breitere Diskussion über Lebensmittel legen“ will - was definitiv auch gelungen ist.

Knallharte Preise und ein grünes Gewissen

So äußert etwa ein Sprecher des Paritätischen Wohlfahrtsverbands gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ wenig Verständnis für die Aktion - gerade zum jetzigen Zeitpunkt: „Viele Menschen kommen bereits heute mit ihrem Geld nicht über den Monat und können sich gesundes, vollwertiges Essen nicht leisten“, zitiert ihn die Zeitung. Andere Verbände wie etwa der Bauernverband werfen dem Unternehmen, das bislang durch knallharte Preise und weniger durch Umweltbewusstsein auf sich aufmerksam machte, Greenwashing vor. Wohingegen Organisationen wie Greenpeace oder der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland die Aktion durchaus begrüßen.

Die zusätzlichen Einnahmen von Penny sollen nach Angaben des Unternehmens in eine Stiftung für Landwirte fließen, die ihre Betriebe ökologisch umgestalten wollen, so der Einzelhändler, der zur Rewe-Gruppe gehört, der Nummer drei im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Ob bei dieser Aktion allerdings viel herumkommen wird, ist die andere Frage. Denn die klassische Klientel der Discounter-Kette bevorzugt Penny vor allem wegen der Preise. Mit Aspekten wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit wurde das Unternehmen bislang eher weniger in Verbindung gebracht.

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