Luxembourg
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Haft- und Geldstrafen für Verbreitung von Sexting-Videos

Verletzung der Privatsphäre

Das Teilen intimer Bilder ist besonders unter jungen Personen gängig. Wer solche Aufnahmen ohne Zustimmung verbreitet, macht sich strafbar.

Durch verletzendes Verhalten brechen Täter mitunter eine ganze Reihe von Gesetzen.

Durch verletzendes Verhalten brechen Täter mitunter eine ganze Reihe von Gesetzen. Foto: Shutterstock

Ein deutsches Gericht hat jüngst einen Mann aus Luxemburg zu einer Rekordsumme verurteilt. Er hatte intime Videos einer Frau ohne ihre Zustimmung auf Pornoportale hochgeladen. Die beiden hatten sich über eine Dating-App kennengelernt und wechselseitig Aufnahmen mit sexuellen Inhalten ausgetauscht. Die Richter der Zivilkammer des Landgerichts Düsseldorf entschieden, dass er der Frau deshalb Schadensersatz in Höhe von 120.000 Euro zahlen muss.

Inwiefern es bereits ähnliche Gerichtsfälle in Luxemburg gegeben hat, lässt sich schwer nachvollziehen. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein solches Verhalten nicht strafbar ist. Hinter der unerlaubten Verbreitung von Sexting-Videos können gleich mehrere Straftaten stehen - auch wenn der Begriff Sexting selbst nicht wörtlich im Gesetz vorkommt.

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In erster Linie stellt die unerlaubte Verbreitung solcher Videos eine Verletzung der Privatsphäre dar. Nicht nur verbietet das Gesetz Ton- und Bildaufnahmen einer Person ohne deren Zustimmung anzufertigen. Aufnahmen dürfen auch nicht ohne Zustimmung verwendet, beziehungsweise verbreitet werden. Verstöße können bis zu einem Jahr Gefängnis zur Folge haben.

Wenn Minderjährige betroffen sind

Laut einem aktuellen Bericht von Bee Secure ist Sexting, das Teilen von sexuell expliziten Bildern oder Nachrichten unter Minderjährigen und jungen Personen besonders weit verbreitet. In einer Umfrage gaben 64 Prozent der Befragten im Alter von zwölf bis 16 Jahren an, dass Gleichaltrige gelegentlich intime Bilder verschicken würden. Bei der Altersgruppe von der 17- bis 30-Jährigen waren es 75 Prozent. Jeder Fünfte sagte, dass dies „sehr häufig“ vorkomme. 

Die Verbreitung von Aufnahmen einer minderjährigen Person bestraft das Gesetz besonders hart. Für die Herstellung, den Besitz und die Verbreitung sieht das Gesetz Haft- und Geldstrafen vor. Werden solche Aufnahmen etwa auf einer Internetplattform hochgeladen und sind dort einsehbar, kann eine Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren und eine Geldbuße von bis zu 100.000 Euro die Folge sein. Hinzu können noch erschwerende Umstände kommen, die die Strafen verschärfen können.

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Ein besonders schwerer Fall war in diesem Jahr vor einem Luxemburger Gericht verhandelt worden. Im Juli wurde ein ehemaliger Volleyballtrainer in erster Instanz zu einer Haftstrafe von fünf Jahren – davon drei zur Bewährung verurteilt. Der Mann soll jahrelang Spielerinnen, darunter auch Minderjährige, heimlich in den Umkleidekabinen und Duschen gefilmt und fotografiert haben. Er hatte die Bilder auch im Internet verbreitet. 22 junge Frauen haben in dem Prozess Schadenersatzansprüche geltend gemacht. Insgesamt sprachen die Richter ihnen rund 71.000 Euro zu.

Beleidigung, Erpressung, Computerkriminalität

Hinter der illegalen Verbreitung von Videos mit sexuellem Inhalt können jedoch noch weitere Straftaten stecken. Unter anderem Belästigung oder Stalking: Dies trifft zu, wenn eine Person wiederholten Beleidigungen, Druck oder Forderungen ausgesetzt ist. Das Strafgesetzbuch sieht dafür Haftstrafen von bis zu zwei Jahren und Geldbußen von 3.000 Euro vor.

Das gleiche Strafmaß gilt auch für die sogenannte Computerkriminalität: Wer, um den Ruf oder die Ehre einer Person zu schädigen, ein Pseudonym oder eine falsche Identität benutzt, macht sich demnach strafbar. Aber auch die Erpressung auf Basis von sexuellem Material ist verboten und kann mit Haftstrafen von bis zu fünf Jahren bestraft werden.

Für Opfer bricht meist eine Welt zusammen, wenn das eigene Nacktfoto ungewollt im Internet auftaucht. Der Ratgeber „Nackt im Netz?“ bietet Betroffenen eine Hilfestellung und rechtliche Informationen. Unter der Bee Secure Helpline 8002 1234 oder dem Kanner-Jugendtelefon 116 111 sind zudem Ansprechpartner zu erreichen.