Luxembourg
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Keine Rechtfertigung für Keuschheitsnachweis

Rundschreiben Gesundheitsdirektion

Petition zeigt erste Wirkung: Per Rundschreiben rät die Gesundheitsdirektion von Jungfräulichkeitsnachweisen ab.

Luxemburger Gynäkologen orientieren sich an Frankreich und stellen keine Jungfräulichkeitsnachweise aus

Luxemburger Gynäkologen orientieren sich an Frankreich und stellen keine Jungfräulichkeitsnachweise aus Foto: Getty Images

5.224 Unterschriften hatte die Petition Nr. 2755 Ende Juni erhalten. Sie ruft den Gesetzgeber dazu auf, Ärzten per Gesetz das Ausstellen von sogenannten Jungfräulichkeitsnachweisen zu verbieten. Tatsächlich existiert, anders als in Frankreich, hierzulande kein Gesetz, dass die, wie es die Initiatorinnen schreiben, „archaische und diskriminatorische“ Bescheinigung verbietet.

Anlass für die Petitionärinnen, eine Sozialarbeiterin und eine Lehrerin, war ein Fall, der sich wirklich zugetragen hatte: Eine Schülerin, die einen Jungen geküsst hatte, sah sich mit der Forderung ihrer Mutter konfrontiert, nachzuweisen, dass sie noch Jungfrau sei.

Keuschheitsnachweis diskriminiert Frauen

Die Petition hatte schnell das nötige Quorum erreicht. Wegen des vollen Terminkalenders der Chamber vor den Sommerferien wurde bisher aber keine öffentliche Anhörung anberaumt. Allerdings: Noch am 4. Juli verschickte die Gesundheitsdirektion ein internes Rundschreiben zum Thema an die Ärzteschaft, das dem „Luxemburger Wort“ vorliegt.

Darin erinnert die Behörde daran, dass es „wissenschaftlich erwiesen ist, dass keine medizinische Untersuchung verlässlich feststellen" kann, ob eine Person sexuelle Beziehungen unterhalten habe oder nicht. Daher, so schlussfolgert das Amt, gebe es keine Rechtfertigung, bei Anfrage, eine solche Bescheinigung auszustellen.

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Im Gegenteil: Derartige Untersuchungen könnten der Gesundheit schaden und die Privatsphäre der betreffenden Frauen beeinträchtigen, die nicht selten von Angehörigen und Familien unter Druck gesetzt werden. „Es handelt sich zudem um eine Diskriminierung zwischen Frauen und Männern, deren Geschlechtsbeziehungen keinerlei Evaluation unterliegen“, heißt es in dem Schreiben, in dem auch eine Arbeitsgruppe angekündigt wurde, die den Weg einer gesetzlichen Regelung erörtern soll.

Luxemburgs Gynäkologen folgen Praxis in Frankreich

Laut Gynäkologenverband SLGO, vom „Luxemburger Wort“ kontaktiert, spielt der Jungfräulichkeitsnachweis in der medizinischen Praxis in Luxemburg ohnehin keine Rolle:  Man halte sich an die Richtlinie, die die französische Rechtsprechung vorgebe, so die SLGO, die bedauernd feststellt, dass die Frage in der Luxemburger Rechtsprechung nicht geregelt ist. Die Nachfrage nach den Zertifikaten sei hierzulande „gleich null“.

In Frankreich ist das Durchführen entsprechender Untersuchungen und das Ausstellen von Bescheinigungen zur Jungfräulichkeit seit 2021 verboten. Zuwiderhandlungen werden mit einem Jahr Gefängnis und 15.000 Euro Geldstrafe belegt. Wer Frauen unter Druck setzt, sich einem solchen Test zu unterziehen, macht sich ebenfalls strafbar. Ist das Opfer minderjährig, erhöht sich das Strafmaß auf ein Jahr Gefängnis und 30.000 Euro Geldstrafe.