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Apokalypse in Beirut: Ohne internationale Hilfe ist der Libanon verloren

Es war kurz nach 18 Uhr Ortszeit, als zwei aufeinander folgende Explosionen Beirut in den Grundfesten erschütterten. Die Detonationen waren so gewaltig, dass sie sogar noch im 200 Kilometer entfernten Zypern, im Büro des Korrespondenten, zu spüren waren. Die Apokalypse im Hafen der libanesischen Hauptstadt verwüstete ganze Strassenzüge.

Fast 100 Libanesen wurden durch die Wucht der herumfliegenden Metall- und Glasteilchen getötet, rund 4000 Menschen schwer verletzt. Blutüberströmt und apathisch sassen sie am Strassenrand und blicken auf den riesigen, dunkelgrauen Rauchpilz, der sich über ihrer Stadt gebildet hatte und die Abendsonne verdunkelte.

Sechs Jahre lang lagerte die tickende Zeitbombe

Es dauerte mehr als drei Stunden bis Ministerpräsident Hassan Diab den Versuch einer Erklärung für die Katastrophe lieferte. Fast 2800 Tonnen hochexplosives Ammoniumnitrat lagerten in den letzten sechs Jahren im Beiruter Hafen, der sich am Rande von dichtbesiedelten Wohngebieten befindet. Am Dienstagnachmittag war es dort fast 40 Grad heiss.

Ministerpräsident Diab schwor, die Verantwortlichen für die durch Nachlässigkeit, Gleichgültigkeit und Inkompetenz verursachte Katastrophe zur Rechenschaft zu ziehen. Doch passieren wird wohl nichts.

Hätte man im Libanon in den vergangenen Jahren rechtzeitig auf die von Korruption und Vetternwirtschaft begleiteten Fehler der Politik reagiert, befände sich das Land heute nicht in einem derart jämmerlichen Zustand. Auch die Apokalypse vom Dienstagabend hätte dann vermutlich verhindert werden können.

Verheerende Kettenreaktion soll zur Detonation geführt haben

Wie es zur Explosion der 2800 Tonnen Ammoniumnitrat kommen konnte, ist noch unklar. Vieles spricht dafür, dass eine kleinere Explosion, mutmasslich in einem Lager mit Feuerwerkskörpern, die Detonation des riesigen Düngemittelberges auslöste.

US-Präsident Donald Trump spekulierte dagegen am Dienstagabend bereits über eine Bombe als Auslöser. Damit leistete er Verschwörungstheorien Vorschub und heizte das ohnehin bereits sehr giftige politische Klima im Libanon weiter an.

Der Zeitpunkt der Explosion im Beiruter Hafen ist für den Libanon eine Katastrophe. Seit Oktober letzten Jahres befindet sich das Land in einer kontinuierlichen Abwärtsspirale, die auch nach einem Regierungswechsel nicht gestoppt werden konnte: Es begann mit einem durch kriminelle Währungsspekulationen verursachten Kursrutsch der libanesischen Lira, die mittlerweile fast 90 Prozent ihres Wertes verloren hat.

Hungersnot in der «Schweiz des Orients»

Wer im Oktober noch 500 Dollar verdiente, verfügt heute, was die Kaufkraft angeht, nur noch über 75 Dollar. Importwaren wie Kleidung, Treibstoff oder auch Lebensmittel sind für viele Libanesen unbezahlbar geworden. Die Zedernrepublik, einst als die «Schweiz des Orients» gepriesen, steht vor einer Hungersnot, von der mehr als 50 Prozent der Bevölkerung betroffen sein könnten.

Verschärft wird die schwere Wirtschaftskrise durch das Coronavirus. Auch die Pandemie suchte, wie die Explosionen im Beiruter Hafen, den Libanon zur Unzeit heim – und nimmt nun sogar einen zweiten Anlauf. Spätestens jetzt rächt sich, dass es alle libanesischen Regierungen versäumt haben, in den letzten Jahrzehnten für eine funktionierende Strom- und Wasserversorgung sowie eine Abfallbeseitigung zu sorgen und ein funktionierendes Gesundheitswesen aufzubauen. Im Vordergrund standen die persönlichen Profite einer Politikerklasse, die in ihrer unermesslichen Gier ihres Gleichen im Nahen Osten suchen.

2000 Millionäre, 30 Milliardäre im von Armut bedrohten Land

Im Libanon gibt es über 2000 Millionäre und angeblich über 30 Milliardäre. Würden sie nur ein Drittel ihres gewaltigen Reichtums abgeben, könnte das Land saniert werden. Stattdessen hält man am System der systematischen und ausufernden Bereicherung fest und nimmt dafür sogar den Untergang des Heimatlandes billigend in Kauf.

Mit Ministerpräsident Hassan Diab, einem Politologieprofessor, steht zwar ein relativ unbescholtener Politiker an der Spitze des Landes. Der steht jetzt vor seiner womöglich letzten Bewährungsprobe. Gegen «das System» hat er, wie viele seiner Amtsvorgänger, vermutlich keine Chance.

Die Schweiz prüft Hilfe für das «stark getroffene» Beirut

Wie hilflos Hassan Diab ist, zeigt sein dramatischer Appell an die internationale Staatengemeinschaft, dem Libanon in der tiefen Krise zu helfen. Auch wenn die vielen grossen und kleinen Katastrophen im Libanon in einem hohen Masse hausgemacht sind, dürfen die sieben Millionen Einwohner des Landes jetzt nicht im Stich gelassen werden.

Auch die Schweiz sieht sich in der Verantwortung: «Die Humanitäre Hilfe der Schweiz prüft die Möglichkeiten einer humanitären Unterstützung in die stark getroffene Hauptstadt des Libanons», teilt das Aussendepartement auf Anfrage mit.

Am Donnerstagmorgen reist demnach ein Expertenteam zur Unterstützung der schwer beschädigten Schweizer Botschaft nach Beirut. «An Bord des Flugzeugs des Swiss Air Transport Service, das am Donnerstagmorgen von Bern-Belp in Richtung Libanon fliegt, werden rund zehn Personen sein» - darunter seien Ingenieure, ein Sicherheitsberater, und ein Psychologe. Sie sollen das Botschaftsteam vor Ort in verschiedenen Bereichen unterstützen, heisst es.

Langfristig benötigt der Libanon zur Bewältigung der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds mindestens 15 Milliarden Dollar. Diese werden allerdings erst dann fliessen, wenn seit Jahren angemahnte Reformen für jedermann sichtbar umgesetzt worden sind. Geschieht dies nicht, ist der Libanon – trotz internationaler Hilfe – vermutlich nicht mehr zu retten.

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