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Äthiopiens Regierung kann den Krieg mit Panzern gewinnen, nicht aber den Frieden

So wenig über den Krieg in der äthiopischen Tigray-Region in Erfahrung zu bringen ist, so klar ist doch: Zu Frieden wird er nicht führen. Ministerpräsident Abiy weiss das – zumindest in der Theorie.

Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed setzt in Tigray auf militärische Härte. Hat er seine eigenen Erkenntnisse vergessen?

Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed setzt in Tigray auf militärische Härte. Hat er seine eigenen Erkenntnisse vergessen?

Michael Tewelde / Imago

Es ist, als finde dieser Krieg in einer Blackbox statt. Seit nunmehr drei Wochen dauert die Operation der äthiopischen Armee in Tigray an. Seither ist die gebirgige Region im Norden des Landes von der Welt abgeschnitten. Die Internet- und Mobilfunkverbindungen sind gekappt. Die wenigen Informationen, die nach aussen dringen, sind bruchstückhaft und nicht verifizierbar.

Das Bild, das die Welt von diesem Konflikt hat, weist deshalb grosse Lücken auf. Wie viele Opfer gab es bisher? Was passierte, bevor Ministerpräsident Abiy sich zum Angriff entschloss? Wer verübte die angeblichen Massaker in der Region? Und wie ist die Lage in Mekele, der Hauptstadt Tigrays mit knapp einer halben Million Einwohnern, wo in diesen Stunden die «finale Militäroffensive» stattfinden soll? Es sind Fragen, die bis heute unbeantwortet bleiben.

Zurück zum Guerillakampf?

Klarer als die Gegenwart scheint für einmal die Zukunft – zumindest in einer Hinsicht: Selbst wenn die Armee Mekele alsbald unter Kontrolle bringt und Abiy einen militärischen Sieg proklamiert, ist das nicht das Ende dieses Konflikts.

Fast drei Jahrzehnte lang hatten die Tigray, die weniger als fünf Prozent der Bevölkerung ausmachen, das Sagen in Äthiopiens Politik. Dass dieses Privileg seit dem Amtsantritt Abiys praktisch ersatzlos gestrichen ist, werden die Tigray-Führer auf absehbare Zeit nicht einfach so hinnehmen. Daran wird auch eine militärische Niederlage nichts ändern, zumal diese immer nur vorläufiger Natur sein wird. Viele Beobachter gehen davon aus, dass Teile der Volksbefreiungsfront TPLF künftig auf Guerillaangriffe setzen werden. Das unzugängliche Hochland in Tigray ist ein idealer Rückzugsort, der von den ortsunkundigen Soldaten der nationalen Armee kaum zu kontrollieren ist. Zudem hatte die TPFL bereits einmal auf Guerillataktik gesetzt – und war damit 1991 an die Macht gelangt, nach 17-jährigem Kampf gegen das damalige brutale Derg-Regime. «Ein Volk, das bewaffnet ist, kann niemals gegen seinen Willen regiert werden», lautete damals einer der Slogans der TPFL-Kämpfer. Er scheint heute wieder von bedrückender Aktualität. «Wir kämpfen bis zum Schluss», sagte Tigray-Führer Debretsion Gebremichael vor einigen Tagen.

Klar ist zudem, dass mit dem Krieg auch unter der Zivilbevölkerung in der Region wenig Sympathie für die Anliegen von Abiys Regierung zu gewinnen ist. Als kürzlich ein AFP-Journalist Humera besuchen konnte, eine Kleinstadt in Tigray, die Tage zuvor von der Armee erobert worden war, fand er eine fast leere Stadt vor. Die wenigen, die vor der Gewalt nicht geflüchtet waren, schienen traumatisiert und sprachen von vielen Toten. Als Wahrer des Gesetzes und der Rechtsstaatlichkeit, als die Addis Abeba seine Soldaten bezeichnet, sieht sie hier fast niemand. Für viele sind sie schlicht Besetzer.

Abiys Erkenntnis blieb bisher Theorie

Mit Panzern allein wird dieser Krieg nicht zu gewinnen sein – und erst recht nicht ein wirklicher Frieden. Ministerpräsident Abiy, erst im Vorjahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, ist sich dessen durchaus bewusst. Der 44-Jährige erlangte erst vor wenigen Jahren die Doktorwürde mit einer Arbeit über Konfliktlösung. «Gewalt sollte nicht ausschliesslich mit reaktiven Mitteln bekämpft werden», hält er darin fest. Um regionale Instabilität und Spannungen zu beheben, müssten deren strukturellen Ursachen angegangen werden: «Intoleranz, soziale Marginalisierung und wirtschaftliche Ungleichheit».

Das zeigt: Der einstige Hoffnungsträger, den viele heute als Kriegstreiber sehen, scheint zu verstehen, was es braucht, um einen langen Krieg und womöglich ein Zusammenbrechen seines Vielvölkerstaats zu vermeiden. Mit Blick auf Tigray ist das bisher aber blosse Theorie geblieben. Es ist höchste Zeit, dass Abiy seine eigene Erkenntnis in die Praxis umsetzt.

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